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“Nicht jeder Kunde hat generell ein Cyber-Risiko”

31.08.2015 – Abel_FunkNachholbedarf in Sachen Risikomanagement bei deutschen Unternehmen sieht Thomas Abel, geschäftsführender Gesellschafter bei Funk. Er weist auf Risiken der Betriebsunterbrechung hin. “Lieferketten verbinden Unternehmen weltweit. Aufgrund dieser Interdependenzen ist unternehmensübergreifendes Risikomanagement gefragt”, erläutert er im Interview mit VWheute. Auch Cyber-Risiken sollten analysiert werden.

“Die Robustheit von Lieferketten kann in einem weiteren Schritt mit Business Continuity Management erhöht werden”, gibt Thomas Abel Einblick in die praktische Beratungsarbeit. Wie Unternehmen in Deutschland mit dem Thema Risiko umgehen, weiß er daher genau.

VWheute: Cyber-Kriminalität wird eine immer größere Bedrohung. Wie sehen Sie und Ihre Kunden das?

Thomas Abel: Den Kunden ist das Risiko durchaus bewusst – es ist für sie aber gleichzeitig sehr schwer zu greifen, weil es viel abstrakter ist als beispielsweise eine brennende Fabrik. Doch während Cyber-Verbrechen in den Medien sehr prominent vertreten sind, bilden sie nur einen kleinen Ausschnitt der Realität. Es geht bei Cyber vielmehr um Integrität, Vertraulichkeit und Verfügbarkeit von Daten und IT-Systemen. Ein Ausfall der IT könnte künftig fatalere Folgen haben als ein Feuer, da es keine Brandabschnitte oder Ähnliches gibt, die vor einem Totalschaden schützen. Der Versicherungsmarkt bietet dafür sowohl Cyber-Policen mit unterschiedlichen Bausteinen als auch Deckungserweiterungen für bestehende Policen. Ob diese Lösungen zum konkreten Risiko tatsächlich passen, sollte unbedingt genau überprüft werden.

VWheute: Wo setzt dann Ihre Arbeit an, um Unternehmen zu sensibilisieren?

Thomas Abel: Selbst eine so einfache Frage wie „Können wir das Risiko selber tragen und wie transferieren wir es gegebenenfalls?“ können wir erst beantworten, wenn das Cyber-Risiko bekannt ist. Daher empfehlen wir unseren Kunden eine Cyber-Risk-Analyse, die mögliche Auswirkungen auf Geschäftsprozesse des Unternehmens überprüft. Erst wenn wir wissen, welche Cyber-Risiken beim Kunden bestehen, beschäftigen wir uns damit, welche Risiken davon wie genau auf den Versicherungsmarkt transferiert werden können. Im Übrigen: Nicht jeder Kunde hat generell ein Cyber-Risiko. Aber diejenigen, die eines haben, sollten sich darüber sehr genau Gedanken machen. Deshalb haben wir für solche Themen ein eigenes Cyber-Team gebildet. Dort ist das Cyber-Risiko am besten aufgehoben, weil es sich nach unseren Erfahrungen aus den Bereichen Sachsubstanz, Ertragsausfall und Haftpflichtkomponenten zusammensetzt.

VWheute: Thema Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft. Alle Unternehmen reden davon. Sie auch?

Thomas Abel: Wir haben schon lange die digitale Akte. Das funktioniert reibungslos auf dem Weg zu unseren Kunden und zurück. Was aber deutlich besser werden muss, ist der Datenabgleich zwischen Versicherern und uns. Wenn wir Vertragsdaten beim Versicherer eingeben, darf es im Austausch mit den Versicherern keinen Medienbruch geben. Die Versicherer sind sehr vollmundig, wenn es um Versprechen zum Thema Digitalisierung geht – wir würden uns da aber eine schnellere Umsetzung wünschen. Die Branche reduziert Personal, um Kosten zu sparen. Wir müssen im Gegenzug hochqualifizierte Mitarbeiter einstellen und aufbauen.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bild: Thomas Abel, geschäftsführender Gesellschafter bei Funk.

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