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Munich Re-Chef von Bomhard entsetzt über EZB-Geldpolitik

17.03.2016 – von_bomhard_akMit Spannung hatten die Medien zur diesjährigen Bilanzpressekonferenz der Munich Re auf den Auftritt des designierten Nachfolgers an der Spitze des Rückversicherers, Joachim Wenning, gewartet. Doch noch beherrscht Nikolaus von Bomhard die Bühne, nicht als “lame duck” wie er betonte, sondern als Treiber zur Innovation, als Ankläger der EZB und nicht zuletzt als Mahner der deutschen Politik.

“Solide Gewinne – neue Ideen”, dieses Motto hatte der Munich Re-Vorstand der Bilanzpressekonferenz vorangestellt und neben den Gewinnen (und Verlusten) das Thema Innovation fokussiert. Innovationen seien die Hauptantreiber für das gesamte Unternehmen, so der Vorstand unisono. Auf vier Kernbereiche will sich die Munich Re dabei konzentrieren: Neue Kunden verändern die Nachfrage nach neuen Versicherungsprodukten, neue risikobezogene Services ermöglichen die Beratung von Erstversicherern und die Digitalisierung generiere neue Geschäftsmodelle wie “White-label-Lösungen” oder die Automatisierung von Prozessen. Im Grunde sind davon alle Geschäftsbereiche betroffen, so von Bomhard bei der Vorstellung des Zahlenwerkes für 2015: “Hier geht die Post ab” (siehe UNTERNEHMEN).

Das gilt, im negativ übertragenen Sinne auch für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), wenn von Bomhard die politischen Unwägbarkeiten kritisiert: “Ich bin entsetzt, oder schlimmeres”, so der Manager zur Rettungspolitik von EZB-Präsident Mario Draghi. Die Nebenwirkungen hätten extreme Ausmaße angenommen: “Es ist alles aus dem Ruder gelaufen”, so von Bomhard in ungewohnt scharfer Diktion. Auf Hilfe und Unterstützung aus der nationalen Politik rechnet man dabei in der Münchener Königinstraße nicht. Mit Befremden registriert man hier die Sprach- und Tatenlosigkeit der deutschen Politik.

Dieser vernichtenden Analyse setzt die Munich Re eine Strategie der Diversifizierung entgegen, diese könne temporäre Ergebniseinbußen glätten. Großes Potenzial sieht die Munich Re auch in der weit verbreiteten Unterversicherung in den meisten Entwicklungsländern. Hier ermögliche das integrierte Geschäftsmodell eine schnelle Anpassung an ein verändertes Umfeld. “Keinen Grund für Euphorie, aber Grund zur Freude”, so fasst Finanzvorstand Jörg Schneider die Perspektiven für das Unternehmen zusammen: “Langfristig sehe ich exzellente Aussichten”.

Das sieht naturgemäß auch Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender der Ergo, so. Zwar fällt das Ergebnis für 2015 mit minus 227 Mio. Euro weiter schlecht aus und auch die Kapitalanlagerendite sank auf nunmehr 3,1 Prozent (2014: 3,9 Prozent), doch Rieß und von Bomhard erneuerten unmissverständlich ihr Engagement im Erstversicherungsgeschäft. Hier will der Vorstand erst im zweiten Quartal näheres zu Strategie und neuen Ideen kommunizieren.

Vergleichsweise widerstandsfähig gegen den allgemeinen Preisdruck zeigt sich das Rückversicherungsgeschäft der Munich Re. Mit Blick auf die Erneuerungsrunden sagte Ressortleiter Torsten Jeworrek: “Cyber, Rückversicherung, Diversifikation und Kumulkontrolle sichern weiterhin das profitable Wachstum”.

Auch wenn abschließend der Name des neuen Vorstandsvorsitzenden Joachim Wenning unausgesprochen über vielen Themen des Tages schwebte, nutzte der in einem Jahr scheidende von Bomhard eine seiner letzten Veranstaltungen dieser Art für einige sehr persönliche Worte in eigener Sache, aber auch zur Aufgabenstellung von Ergo-Chef Markus Ries. (vwh/ak)

Bild: Munich Re Vorstandsvorsitzender Nikolaus von Bomhartd bei der Vorstellung der Bilanz 2015. (Quelle: Alexander Kaspar)

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