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LV-Battle: Weinmann zeigt Härte gegen Kleinlein

12.12.2016 – Weinmann_Hermann - Quelle Hochschule Ludwigshafen RheinDer Kern eines tagelangen Disputs zur Lebensversicherung waren Äußerungen von Axel Kleinlein über die gesamte LV-Branche. Die Worte “Fratze” und “Betrug” fielen – für Professor Hermann Weinmann eine klare Provokation. Doch was genau ist an den Äußerungen so störend und hat Kleinlein mit seiner Kritik im Kern nicht doch recht? VWheute hat zum Gespräch über angemessene Kritik und die Lebensversicherung gebeten.

VWheute: Herr Weinmann, ihr Disput mit Herr Kleinlein über die Medien läuft bereits seit einigen Tagen: Um was geht es, was empfehlen Sie einem Außenstehenden, der sich informieren möchte?

Weinmann: Mittlerweile liegen beide Aussagen in voller Länge vor. Es ist wichtig, diese komplett zu erfassen, Auslöser war die für mich unerträgliche Behauptung: “Fair wurden die Kunden von den Versicherungen noch nie behandelt. Aber das Vorgehen jetzt zeigt die Fratze des legalen Betrugs!” Unerträglich aus zwei Gründen. Zunächst: Wenn Kunden noch nie fair behandelt wurden, dann heißt das im Umkehrschluss, sie werden immer unfair behandelt. Dann zur Fratze des legalen Betrugs. Eine Fratze hat etwas Widerwärtiges an sich. Ein Synonym ist die Grimasse. Das hieße, die Branche betrügt den Kunden und zeigt dabei noch ihre Fratze beziehungsweise schneidet eine Grimasse. Anders ausgedrückt: Nicht allein, dass die Branche den Kunden betrügt, sie verhöhnt ihn auch noch.

VWheute: Was sagen Sie zu der Gegendarstellung des BdV beziehungsweise von Herrn Kleinlein?

Weinmann: Wer so herabsetzend formuliert und dann auf meine Stellungnahme erwidert “Ich sorge mich um unsere Diskussionskultur”, darauf kann ich nur fragen: Wer von uns beiden hat eine falsche Wahrnehmung in Sachen Diskussionskultur? Und eine Nebelkerze ist auch, dass Axel Kleinlein meine verwendeten Zitate auf meine Person beziehungsweise meinen Charakter bezieht. Zum Zitat “Toleranz ist etwas für Feiglinge”. Raten Sie mal, wer damit motiviert werden soll? Die in meiner Stellungnahme angesprochenen Entscheidungsträger, die Herr Kleinlein meines Erachtens beleidigt. Im Übrigen stammt das Zitat von AT&T-CEO Randall Stephenson und bezieht sich auf die Übergriffe der Polizei gegenüber Afroamerikanern, was nicht zu tolerieren sei. Man kann gegenüber solchen Attacken von Kleinlein und dem Bund der Versicherten nicht mit Liebenswürdigkeit, sondern nur mit Härte in der Sache reagieren. Und schließlich ist das Zitat “Gutmütigkeit kommt kurz vor der Liederlichkeit” eines der Lieblingszitate von Wolfgang Schäuble.

VWheute: Lassen Sie uns ein wenig das Thema wechseln: Unklare und sinkende Verzinsung, Doppelgebühren, hohe Verwaltungskosten, wenig Transparenz, Niederlagen vor Gericht. Kritische Berichterstattung der Medien und die Bafin sieht einen Renditeabsturz bei Lebensversicherungen voraus. Trifft die Kritik an der Lebensversicherung nicht ins Schwarze?

Weinmann: Einige dieser Kritikpunkte sind während der Niedrigzinsphase entstanden und müssen diskutiert werden. Wenn die Bafin oder die Presse solche Themen aufgreifen, ist auch ein wahrer Kern enthalten. Es könnte in Sachen Transparenz mehr getan werden. Eine verallgemeinernde Kritik der Versicherer als Renditeversager sowie sie als unfair und intransparent darzustellen, ist fehl am Platz. Mir ist dabei besonders das Thema Schlussbeteiligung wichtig. Das ist ein Hoffnungswert, der bis zuletzt gestrichen werden kann. Deshalb halte ich wenig von hohen Schlussgewinnbeteiligungen, auch wenn diese höchst transparent dargestellt werden.

VWheute: Die Lebensversicherung verrät ihren Kunden beispielsweise nicht, wie hoch genau der Sparanteil ist, der verzinst wird. Ist eine solche Salami-Taktik bei der Kundeninformation heute noch zeitgemäß – sind nicht Produkte wie Investmentfonds transparenter?

Weinmann: Ich könnte ohne Probleme damit leben, wenn die Versicherer die genauen Zahlen offenlegen müssten. Allerdings sind auch andere Finanzprodukte kein Muster an Transparenz und Sparsamkeit – man denke nur an die Transaktionskosten der von Ihnen angesprochenen Investmentfonds. Ich kenne Mischfonds, die laufende Kosten von drei Prozent und eine Performancegebühr von bis zu zwei Prozent aufweisen. Zudem bin ich dagegen, das Kollektiv in Individualansprüche aufzuteilen, der Kollektivgedanke wird zu sehr vernachlässigt.

VWheute: Wie bewerten Sie die Rolle der Politik im Bereich Lebensversicherung/ Altersvorsorge? Stichworte: Niedrigzinsära, Transparenz, staatlich geförderte Altersvorsorge und Regulierung.

Weinmann: Die Politik versucht die Löcher im Boot zu flicken, die mit der Schaffung der Niedrigzinsära aufreißen. Die Sache mit der Transparenz wäre sehr einfach: Es wäre sinnvoll, wenn es im Bereich der staatlich geförderten Altersvorsorge Standardprodukte geben würde, die vergleichbar wären. Das wäre ein sinnvoller Eingriff seitens der Politik. Die Politik verfolgt das allerdings nicht weiter, sie stützt sich auf die 1994 eingeführte Deregulierung. Es herrscht am Markt eine Schwemme von Produkten, die praktisch nicht vergleichbar sind.

VWheute: Würden Sie jemandem heute den Abschluss einer Lebensversicherung empfehlen?

Die Lebensversicherung ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Altersvorsorge, wenn keine betriebliche oder staatliche Vorsorge gegeben ist. Wer auf vertraglich vereinbarte Sicherheit setzt, dem würde ich immer noch eine klassische Lebensversicherung anraten, wichtig wäre der Anbieter. Eine Lebensversicherung der neuen Klassik wäre auch vorstellbar. Ist der Anleger risikobereit, präferiere ich die Fondslebensversicherung, ohne Garantiezusagen. Das Risiko und damit auch die Rendite-Erwartung würden dann über die Wahl der Fonds gesteuert. (vwh/mv)

Bild: Hermann Weinmann (Quelle: Hochschule Ludwigshafen am Rhein)

Den Artikel zur Kritik von Herr Weinmann an Axel Kleinlein finden Sie HIER.

Axel Kleinlein hat eine Einschätzung der Lebensversicherungsbranche vorgenommen – VWheute berichtete.

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