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Keine Blaupausen für die Digitalisierung

02.11.2016 – Jan-Peter Schacht von Moving Minds - quelle privatEs gibt kaum noch eine Gelegenheit, bei der nicht über den Stand der Digitalisierung in den Unternehmen gesprochen wird. Dennoch entsteht immer wieder der Eindruck, dass es zu diesem Thema unterschiedlichste Auffassungen gibt. Wir sprachen mit einem Experten darüber, wo die Versicherungswirtschaft heute steht und fragten dazu Jan-Peter Schacht, Senior-Manager bei Moving Minds.

VWheute: Wo steht die Branche beim Thema Digitalisierung wirklich?

Jan-Peter Schacht: Zur Digitalisierung wird viel unternommen, vor allem an der Kundenschnittstelle. Mir fehlt aber bei vielen Versicherungen das Zielbild: wie soll das Geschäftsmodell in zehn Jahren aussehen? Dafür gibt es weder Benchmarks noch Blaupausen. Das Zielbild sollte das Ergebnis eines inhaltlich und zeitlich intensiven Denkprozesses des Gesamtvorstandes sein, dem sich meines Erachtens bis dato die wenigsten stellen wollen.

Wenn 50 Prozent des Ergebnisses aus digitalisiertem Geschäft erzielt werden soll, so müssen dies nicht nur alle Prozesse vom Kunden bis zum Service, sondern auch die Produkte sowie deren Entwicklungszeit, die korrespondierenden Personalsysteme und die Kultur widerspiegeln.

VWheute: Fusionen in der Branche sind keine Seltenheit mehr. Machen sich” Bräute” mit ihren Digitalisierungsvorhaben schön?

Jan-Peter Schacht: Im Rahmen einer jeden Fusionsdiskussion muss die Digitalisierung als essentieller Bestandteil des Zielbildes mit betrachtet werden. Jede Fusion bedeutet per se Unruhe für alle Beteiligten. Daher empfehle ich den großen Wurf. Die fusionierenden Unternehmen sollten sich immer vorab auf ein Zielbild verständigen, wie stark sie nach der Fusion digital arbeiten und wahrgenommen werden wollen, bzw. welcher Grad der bereits in einem der fusionierten Unternehmen erreichten Digitalisierung übernommen wird.

VWheute: Werden durch die digitale Welt Vertriebe überflüssig?

Jan-Peter Schacht: Vertrieb wird es immer geben, sicherlich aber nicht mehr in der Reinform wie heute. Wenn komplexe Lösungen gesucht werden, sehr persönliche Dinge zu besprechen sind oder die in der digitalen Welt verfügbaren Standardlösungen nicht mehr greifen, wird auf die menschliche Beratung zurückgegriffen werden. Dies kann sowohl real aber auch virtuell passieren.

Die Beratung muss hochwertiger und spezialisierter werden, um das Standardangebot zu ergänzen. Wenn die Vertriebe die Kundenanforderungen in ihrer Komplexität verstanden haben und ihr Angebot entsprechend anpassen, werden die Vertriebe, wenn auch in reduzierterer Form, eine Berechtigung haben.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bild: Jan-Peter Schacht, Senior-Manager bei Moving Minds (Quelle: privat)

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