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Infrastruktur: Abwägen zwischen Anreiz und aufsichtlichem Risiko

08.09.2015 – Kraft_Hochschule_CoburgFür Mirko Kraft, Lehrstuhlinhaber an der Hochschule Coburg, ist es unwahrscheinlich, dass die Eiopa eine separate Risikoklasse für Infrastruktur-Eigenkapitalinstrumente vorschlägt. Er erwartet für Ende September weitere technische Details. Die Entscheidung über die Höhe der Kapitalunterlegung sieht er in seinem Gastbeitrag für VWheute bei der Politik:

Vertreter der EU-Versicherungsaufsichtsbehörde Eiopa trafen bei einer öffentlichen Anhörung in Frankfurt auf diejenigen, die sich an der Konsultation zur zukünftigen aufsichtlichen Behandlung von Infrastruktur-Investitionen unter Solvency II von Juli 2015 beteiligt hatten. Bisher waren die Aufseher zurückhaltend, die Hürden zu senken. Jedoch sind in Deutschland und in Europa politische Forderungen stärker geworden, in die öffentliche Infrastruktur und zum Allgemeinwohl, z. B. in Autobahnen oder erneuerbare Energien, zu investieren. Zu nennen ist auf EU-Ebene insbesondere der sog. Juncker-Plan, der insbesondere zu mehr Wachstum in der Eurozone führen soll.

Nicht jede langfristige Investition in beispielsweise Infrastruktur-Projekte ist risikolos für die Investoren. An vorhersagbaren Zahlungsströmen über lange Zeiträume sind Versicherer als institutionelle Investoren aber interessiert, speziell wenn sich in anderen Anlageklassen die niedrigen Zinsen bemerkbar machen. Daher werden nicht alle Anlagen qualifiziert sein – wie qualifiziert, z.B. gemessen an einem Rating, sie sein müssen, ist noch strittig.

Unwahrscheinlich ist, dass die europäischen Versicherungsaufseher für die Kalibrierung der Kapitalunterlegung eine separate Risikoklasse für Infrastruktur-Eigenkapitalinstrumente oder die Sonderbehandlung von Infrastruktur-Fremdkapitalinstrumenten im Ausfallrisiko des Standardansatzes der Europäischen Kommission vorschlagen werden, für die von Seiten der Industrie argumentiert wurden. Die finalen EIOPA-Ratschläge sind für Ende September angekündigt und werden sicherlich einige technische Klarstellungen, z. B. zum Managen der Risiken, enthalten.

Die Höhe der Kapitalunterlegung wird jedoch einer politischen Entscheidung vorbehalten bleiben, bei der abzuwägen ist, will man mehr Investitionen durch die Versicherer und inwieweit ist das aufsichtliche Risiko daraus tragbar? Die Frage ließe sich mit mehr und besseren Daten sowie vertiefter wissenschaftlicher Forschung leichter beantworten.

Bild: Mirko Kraft, Lehrstuhlinhaber Versicherungsbetriebslehre an der Hochschule Coburg, war beim jüngsten Public Hearing der Eiopa zu Infrastruktur-Investments. (Quelle: vwh)

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