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“Industrierisiken sind zu groß für Versichererbilanzen”

12.09.2016 – 2016-09-09 13_18_37-Mahnke_Dr.-Alexander_300dpi - Windows-FotoanzeigeAuf dem GVNW-Symposium hat Alexander Mahnke den “zurückgehenden Servicelevel” mit den Versicherungspartnern thematisiert – nicht ohne Verständnis für die von Niedrigzinsen und Innovationsdruck gebeutelte Branche. Gegenüber VWheute äußert sich der Vorsitzender des GVNW und Siemens-Versicherungschef detailliert über die Bedürfnisse und Erwartungen der Unternehmerseite an die Industrieversicherer.

VWheute: Ist der Versicherungsschutz für Industrierisiken zu teuer geworden?

Alexander Mahnke: Risiken sind heute vielfältiger als je zuvor und durch Globalisierung und Digitalisierung miteinander verwoben. Die Versicherungsindustrie muss hierauf eine Antwort finden, will sie nicht den Anschluss an diese Entwicklung verpassen. Entsprechende Produkte zur Absicherung dieser Risiken müssen deswegen schnell und individuell an die Bedürfnisse der Kunden entwickelt und zu attraktiven Preisen angeboten werden. Der Versicherungsschutz ist nicht zu teuer, das Problem sind vielmehr die Lösungen für neue Risiken.

VWheute: Der Industrieversicherungsmarkt ist hart umkämpft. Wie können sich Unternehmen von der Konkurrenz abheben?

Alexander Mahnke: Attraktive, auf einzelne Unternehmen zugeschnittene Lösungen anzubieten, ist immer von Vorteil. Sehr wichtig ist auch der Service, vor allem im Schadenfall. Hier sind, dies zeigt auch die Erfahrung unserer Mitglieder im GVNW, erhebliche Unterschiede zu beobachten. Wichtig ist es, dass die Ansprechpartner der Kunden auch in der Lage sind, Entscheidungen treffen zu können. Leider sehen wir zunehmend, dass die Entscheidung über Deckungsfragen und Zusagen an andere Dienstleister, wie Anwälte oder Gutachter übertragen wird oder die im Ausland beheimatete Zentrale eines Versicherers entscheidet und nicht die kundenbetreuende Niederlassung. Dies kann zu unbefriedigenden Ergebnissen für den Versicherungsnehmer führen (siehe MÄRKTE).

VWheute: Die Industrie sieht die Versicherer nicht mehr als unverzichtbaren Partner, merkte der XL-Catlin-Chef Mike McGavick einmal an. Inwiefern brauchen führende Industrieplayer überhaupt noch den Support von Versicherern?

Alexander Mahnke: Die Bilanzen der großen Industrieunternehmen sind heute deutlich größer als in früheren Jahren. Auch die finanziellen Risiken sind damit gestiegen. Da die Bilanzen der Versicherer nicht ausreichen, diese Risiken alleine und umfänglich abzusichern, sind die Unternehmen gezwungen, in großen Teilen selbst Vorsorge zu treffen bzw. andere Kapitalmarktinstrumente für die Absicherung zu nutzen. Und dennoch spielt Versicherung bei der Abdeckung von Risiken bei vielen unserer Mitgliedsunternehmen weiterhin eine wichtige Rolle. Wichtig wird es in der Zukunft sein, dass die Versicherer sich auf neue Risikosituationen schneller einstellen und angebotsseitig entsprechend agieren, denn ansonsten kann ihre Rolle tatsächlich immer unbedeutender werden (siehe Industrieversicherer suchen den Anschluss).

VWheute: Wie hilft der neue Verband GVNW seinen Mitgliedern, sich im Versicherungsmarkt zu Recht zu finden?

Alexander Mahnke: Der Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. ist kürzlich aus einer Fusion der beiden Verbände DVS Deutscher Versicherungs-Schutzverband und bfv Bundesverband der firmenverbundenen Vermittler entstanden. Dieser Zusammenschluss war die logische Konsequenz einer immer enger werdenden Zusammenarbeit der beiden Verbände.

Der neue Verband wird sich noch stärker den jeweiligen Themen seiner Mitglieder widmen und hierdurch sicherstellen, dass die versicherungsnehmende Seite gegenüber Versicherern wie auch Maklern und Beratern ausreichend vertreten wird. Dazu wird weiterhin die Beratung von Mitgliedern in Versicherungsfragen gehören, aber auch die Beschäftigung mit besonderen Interessenlagen wie z.B. mit firmeneigenen Versicherungsvermittlern, unternehmenseigenen Versicherungsgesellschaften oder auch mit der Frage, welche Versicherungsbedürfnisse mittelständische Unternehmen haben. Auch lassen sich die Interessen auf der politischen Bühne besser durch einen Verband durchsetzen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Michael Stanczyk.

Bild: Alexander Mahnke, Vorsitzender des Vorstandes Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. und CEO Insurance bei Siemens Financial Services. (Quelle: GVNW)

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