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Hochtechnisierte Autos können Schadenkosten treiben

09.11.2016 – werner_rapberger_accenture“Elektrische Antriebstechnologie verändert nicht das grundsätzliche Risikoprofil eines Autos”, glaubt Werner Rapberger von Accenture. Dennoch sollten sich die Versicherer mit den neuen Technologien beschäftigen, “um frühzeitig Expertise aufzubauen”, fordert er. Bessere Technik kann die Schadenkosten treiben, merkt Rapberger im Gespräch mit VWheute an.

VWheute: Die Grünen haben unlängst einen Umstieg auf Elektromobilität bis 2030 gefordert. Wie realistisch halten Sie diesen Vorschlag?

Werner Rapberger: Sicherlich tut sich Deutschland etwas schwer mit dem Umstieg auf die Elektromobilität, auch angesichts der langen Historie der Automobilindustrie. Mit zunehmender Regulierung werden die Hersteller aber auch hier Lösungen finden. Hinzu kommt der Druck aus großen Wachstumsmärkten wie China. Diese planen feste Quoten für den Anteil der Elektromobilität. Auch das wird seinen Beitrag zum Wandel in der Industrie leisten. Noch liegen einige Entwicklungszyklen für neue Fahrzeuggenerationen in der Branche vor uns. Insofern kann hier noch eine Menge passieren.

VWheute: In der Versicherungsbranche werden derzeit vor allem digitale Tarife rund um Telematik heiß diskutiert. Welche Herausforderungen bringt der Markt für E-Fahrzeuge aus Ihrer Sicht für die Kfz-Versicherer mit sich?

Werner Rapberger: Ich sehe hier keine grundsätzlichen Veränderungen auf die Branche zukommen. Auch die elektrische Antriebstechnologie verändert nicht das grundsätzliche Risikoprofil eines Autos, wohl aber können umweltbewusste Fahrer auch vorsichtiger im Straßenverkehr agieren. Mit der zunehmenden Digitalisierung und technologischen Entwicklung halten jedoch auch neue Fahrassistenzsysteme in der Breite Einzug. Diese können neue Ansätze für Versicherungsmodelle bieten (z.B. können aktivierte Assistenzsysteme zu weniger Unfällen und ev. einem Prämienrabatt führen). Da hochtechnisierte, anspruchsvollere Fahrzeuge allerdings teurer in der Reparatur sind, könnten die Schadenkosten kurzfristig sogar steigen und mittelfristig zu einem Nullsummenspiel führen.

VWheute: Elektrofahrzeuge gelten insofern als nicht gerade ungefährlich, da sie nahezu lautlos im Straßenverkehr unterwegs sind und somit zur Gefahr für Fußgänger und Radfahrer werden könnten. Wie gehen Sie als Versicherer mit diesem Risiko um und wo sehen Sie seitens der Autobauer noch Nachholbedarf.

Werner Rapberger: E-Autos mit ihrer fast lautlosen und effizienten Antriebstechnologie verhalten sich im Straßenverkehr sicherlich etwas anders als konventionelle Fahrzeuge. Die Frage, ob sie mit einer künstlichen Geräuscherzeugung ausgerüstet werden müssen, dürfte die Versicherer jedoch bislang kaum beschäftigen. Dafür ist die Marktdurchdringung bislang viel zu niedrig. Gleiches gilt für das Verhalten der Fahrer elektrisch angetriebener Autos oder für Aspekte des autonomen Fahrens. Um frühzeitig Expertise aufzubauen, sollten sich Versicherer aber dennoch mit derartigen Fragen beschäftigen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Werner Rapberger, Experte für digitale Geschäftsmodelle in der Versicherungswirtschaft bei Accenture. (Quelle: Accenture)

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