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HEK: “Wir sind gegen die Bürgerversicherung”

03.03.2015 – Luther_HEKDie Forderung des Bundesverbands Rehabilitation (BDH) nach Einführung der Bürgerversicherung stößt auf Widerstand, auch aus Kreisen der GKV. Die Vorsitzende Ilse Müller begründet ihren Vorstoß mit dem niedrigen Zinsniveau und dem Druck auf die Privatversicherer, Beiträge zur Stärkung der Alterssicherung zu erhöhen. Zudem sei der deutsche Sonderweg sozial unakzeptabel. VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte sprach darüber mit dem Vorstandsvorsitzenden der Hanseatischen Ersatzkasse (HEK), Jens Luther. Die HEK hat ihren Beitragssatz zum 1. Januar 2015 auf 15,4 Prozent (davon Zusatzbeitrag 0,8 Prozent) gesenkt.

VWheute: Der BDH meint, dass aufgrund der Niedrigzinsphase “die Zeit für die Bürgerversicherung reif sei.” Können sie dem zustimmen?

Jens Luther: Keineswegs, wir sind nach wie vor gegen die Bürgerversicherung. Die hohe Qualität des deutschen Gesundheitswesens mit der freien Arzt-, Therapie- und Kassenwahl lässt sich nur durch Wettbewerb sichern. Dafür steht das duale System mit dem Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Das muss so bleiben. Denn wir brauchen auch in Zukunft sowohl die umlagefinanzierte Solidarität wie auch die Eigenverantwortung in Form versicherungsmathematisch kalkulierter Zusatzversicherungen, die sich sinnvoll ergänzen.

VWheute: Glauben Sie, dass es in 2015 zu einem weiteren Kassensterben, bzw. zu Fusionen, in der GKV kommen wird?

Jens Luther: Aufgrund der Beitragsreform können die gesetzlichen Krankenkassen nun zumindest einen Teil ihres Beitragssatzes wieder selber festlegen. Unterschiedliche Beitragssätze werden mittel- und langfristig, wie von der Bundesregierung gewollt, zu mehr Wettbewerb unter den Kassen führen. Ich gehe davon aus, dass die jeweiligen Beitragssätze schon in absehbarer Zeit weiter auseinanderdriften werden. Wirtschaftlich schwächer aufgestellte Kassen werden das aktuelle Niveau kaum halten können. Weitere Fusionen sind daher nicht auszuschließen, ein Kassensterben aber sehe ich nicht.

VWheute: Wie ist Ihre Mitgliederentwicklung in 2014?

Jens Luther: Qualität und Umfang von Leistungen und Service sind die entscheidenden Kriterien bei der Wahl einer Krankenkasse. Dank stabiler und solider Finanzen sind wir in der Lage, unseren Versicherten stets mehr als nur den üblichen Standard zu bieten. Nachdem wir 2012 und 2013 jeweils Rekordzuwachsraten verzeichnen konnten, haben wir auch im vergangenen Jahr mit 3,4 Prozent auf rund 450.000 wieder deutlich stärker zugelegt als viele andere Krankenkassen. Durch die Senkung des Beitragssatzes zu Beginn dieses Jahres ist bei der HEK das Verhältnis von Preis und Leistungen nun noch attraktiver geworden, da es überdurchschnittliche Leistungen bei uns für einen unterdurchschnittlichen Beitrag gibt. Unser Ziel ist es, in den kommenden Monaten unseren höchsten Mitgliederbestand in der Geschichte der HEK zu erreichen.

VWheute: Der Wettbewerb in der GKV wird über Zusatzleistungen entschieden. Stimmt das?

Jens Luther: Bei der Wahl der Krankenkasse sind die Leistungen, die über den vom Gesetzgeber vorgegebenen Rahmen hinausgehen, ein besonders wichtiges Kriterium. Überdurchschnittliche Leistungen und einen umfassenden Service können dauerhaft nur finanziell gesunde Krankenkassen bieten. Die HEK arbeitet seit jeher nach den Prinzipien hanseatischer Kaufleute. Unser Angebot ist auf die Wünsche und Bedürfnisse unserer Versicherten ausgerichtet. So können sie sich zum Beispiel in ausgewählten Privat- und exklusiven Reha-Kliniken oder nach einer stationären Behandlung auch vom Chefarzt behandeln lassen. Die HEK übernimmt zudem umfangreiche Vorsorgeleistungen und die Kosten für alle Impfungen wie auch für alternative Heilmethoden und Naturheilverfahren.

VWheute: Die HEK präsentiert sich ab Saison 2015/2016 beim HSV, der zurzeit nicht gerade durch positive Schlagzeilen glänzt. Was versprechen Sie sich davon?

Jens Luther: Die HEK ist ein hanseatisches Traditionsunternehmen und besteht seit 1826, der HSV seit 1827. Hanseaten halten bekanntlich zusammen, gerade in schwierigen Zeiten. Deshalb haben wir unser Engagement nach 15 Jahren Unterstützung der HSV-Altliga jetzt ausgeweitet. Wir werden in der Zusammenarbeit unseren gesetzlichen Auftrag, Gesundheitsaufklärung zu betreiben, weiter voranbringen, unterstützen die Fussballschule, veranstalten HEK-Gesundheitstage und geben Informationen zur Organspende. Daneben fließt ein Teil des Geldes in soziale Projekte des Vereins. Mit diesen Maßnahmen wollen wir auch unseren Bekanntheitsgrad steigern.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bild: Jens Luther (Quelle: HEK)

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