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Gysi auf der DKM: “Robo-Advisern soll man nicht trauen”

25.10.2016 – gregor_gysi_linksfraktionAuf der DKM sieht Linken-Politiker Gregor Gysi die Versicherungsbranche in einer tiefen Vertrauenskrise: Die Bürger fragten sich, “ob sich eine Versicherung mit niedrigen Renditen überhaupt noch lohnt”, konstatiert er gegenüber VWheute. Roboter als Anlageberater lehnt er hingegen ab: “Er ist auch kein angenehmer, humorvoller Gesprächspartner”.

VWheute: Die DKM ist Deutschlands wichtigster Branchentreff für Versicherungsvermittler, Anlageberater und alle anderen im Finanz- und Versicherungsvertrieb tätigen Personen und Unternehmen. Vor welchen Herausforderungen steht Ihrer Meinung nach die Versicherungsbranche und wie kann die Politik dazu beitragen, diese Herausforderung zu überwinden?

Gregor Gysi: Die Versicherungswirtschaft, vor allem der Bereich der privaten Altersvorsorge, befindet sich in einer tiefen Vertrauenskrise. Das anhaltend extrem niedrige Zinsniveau und die damit verbundene Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat bereits zur Absenkung des Garantiezinses auf private Lebensversicherungen geführt, die zu großen Verunsicherungen bei vielen Bürgerinnen und Bürgern führte, die sich fragen, ob sich eine Versicherung mit niedrigen Renditen überhaupt noch lohnt.

Die Politik kann diese Phase der Niedrigzinspolitik relativ einfach überwinden, indem sie von der Austerity-Politik zu einer öffentlich finanzierten Investitions- und Wachstumsoffensive übergeht. StaatlicheNachfrage nach privaten Krediten hat auch ein Ansteigen der Zinsen zur Folge. Ein Umschalten auf eine aktive Nachfragepolitik hat also auch sehr positive Folgen für die Versicherungswirtschaft.

VWheute: Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist eines der großen Trendthemen. Fintechs wirbeln das klassische Bank-und Versicherungsgeschäft mit neuen Online-Vertriebswegen auf. Ist die Digitalisierung ein Jobkiller für den traditionellen Versicherungsvertreter?

Gregor Gysi: Die Digitalisierung macht selbstverständlich auch vor der Versicherungswirtschaft nicht Halt und nimmt eine immer wichtigere Rolle ein. Damit ändert sich auch das künftige Kundengeschäft. Traditionelle Versicherungsvertreter müssen sich zusätzlich mit den zahlreichen neuen Online-Angeboten beschäftigen, unter denen es seriöse, aber eben auch unseriöse Anbieter gibt. Die Kundenberatung muss sich neben dem klassischen Geschäft zusätzlich auf die Beratung und Nutzung von Online-Angeboten ausweiten. Außerdem: Wenn dort Jobs wegfallen, entstehen sie im Internet. Seriöse Beratung wird eher noch wichtiger.

VWheute: Bei der Geldanlage kommt es auf die richtige Risikokalkulation an. Maschinen können das mittlerweile besser als Menschen. Würden Sie Ihr Geld einem Roboter anvertrauen?

Gregor Gysi: Bei der Geldanlage bin ich als demokratischer Sozialist strikt konservativ. Also keine Risiken und damit auch keine Chancen auf stattliche Gewinnmargen, dafür aber auch keine hohen Verluste bei riskanteren Anlagen. Einem Roboter sollte man nicht uneingeschränkt trauen, denn er kann bestimmte Turbulenzen auf Märkten, die durch negative äußere Ereignisse, gerade auch durch politische Entscheidungen, beeinflusst werden, kaum vorhersehen. Er ist auch kein angenehmer, humorvoller Gesprächspartner.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur David Gorr.

bestellen_vwhLesen Sie das vollständige Interview mit Gregor Gysi, “Das derzeitig günstige Marktumfeld wird von unseren Kunden nicht genutzt”, im Beratermagazin Value 05/16 (Einzelbeitrag)

Bild: Linken-Politiker Gregor Gysi gehört zu den Starrednern auf der heute beginnenden DKM (Quelle: Linksfraktion)

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