Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

“Günstiges Marktumfeld wird von Kunden nicht genutzt”

20.09.2016 – jj_henchoz_swissre“Das derzeit günstige Marktumfeld wird von unseren Kunden nicht genutzt”, konstatiert Jean-Jacques Henchoz von der Swiss Re. Demnach sieht der Manager die Rückversicherer “in einer widersprüchlichen Situation zwischen tieferen Preisen und sinkender Nachfrage”. Verwunderlich sei, “dass unsere Kunden dieses Marktumfeld nicht zu ihrem Vorteil nutzen”, meint der Experte im Interview mit VWheute.

VWheute: Wie geht es den internationalen Rückversicherern derzeit?

Jean-Jacques Henchoz: Wir – wie auch unsere Kunden – befinden uns in einer schwierigen Phase. Das aktuelle Tiefzinsumfeld stellt für unsere Branche nach wie vor eine Herausforderung dar. Der Brexit hat eine Zeit der Unsicherheit und Volatilität eingeleitet, deren längerfristige Konsequenzen im Moment nicht absehbar sind. Dadurch wird das Management von Risiken anspruchsvoller – und Risikoexperten, wie wir es als Rückversicherer sind, gewinnen noch mehr an Bedeutung. Von daher sind wir trotzdem in einem anspruchsvollen Marktumfeld stabil.

VWheute: Der Klimawandel spitzt die internationale Risikolandschaft dramatisch zu. Seit der Einführung des Global Risk Reports des Weltwirtschaftsforum 2006 stand in diesem Jahr erstmals ein Umweltrisiko ganz oben in der Rangliste. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf das Geschäft der Swiss Re?

Jean-Jacques Henchoz: In der Tat ist der Klimawandel allgegenwärtig – auch vielleicht daher, dass 2015 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung war und wir auch in einigen Monaten 2016, wie zum Beispiel im März und Juni, neue Wärmerekorde hatten. Spannend ist in diesem Zusammenhang vor allem die Initiative von Standard & Poor’s, welche die Auswirkungen des Klimawandels und möglichen Naturkatastrophen mit in die Kreditwürdigkeit eines Staates einfließen lassen möchte.

Wir sind ja schon seit mehr als 25 Jahren in diesem Bereich sehr aktiv und die Versicherungsindustrie kann eine wichtige Rolle spielen. Einerseits können wir helfen, diese Risiken zu quantifizieren. Andererseits können wir bei der Prävention oder nach einer Katastrophe unser Wissen zum Wohl des Staates und der Einwohner einsetzen. Zum Beispiel haben wir in China mit der Provinz Heilongjiang ein gemeinsames Deckungskonzept abgeschlossen.

Es war das erste Mal, dass eine chinesische Regierung eine kommerzielle Versicherungslösung in Anspruch nimmt, um Bauern vor finanziellen Schäden von Naturkatastrophen zu schützen. Auch in Europa sehen wir noch viel Bedarf für solche Lösungen. Eine Ausnahme bleibt das Beispiel “Flood Re” in Großbritannien – das erste Versicherungsschema dieser Art weltweit. Das Flutrisiko in Großbritannien galt lange als nicht versicherbar, weil die Prämien zu teuer waren. Indem es aber als eine von der Regierung gestützte öffentlich-private Partnerschaft aufgesetzt wurde, ermöglicht Flood Re mehr als 350.000 Bewohnern in Hochrisikozonen, eine Flutversicherung zu festen Prämien zu kaufen.

VWheute: Das Rückversicherungsgeschäft verläuft in Zyklen. Sind langfristige Trendaussagen etwa im Hinblick auf Nachfrage und künftige Schäden überhaupt möglich?

Jean-Jacques Henchoz: Wir können nicht voraussagen, wann es den nächsten Hurrikan oder Tornado gibt, oder wann das nächste Erdbeben kommt. Aber wir haben statistische Anhaltspunkte, wie oft gewisse Schadenfälle in der Vergangenheit aufgetreten sind. Dies hilft uns wiederum, unser Geschäft preislich so zu berechnen, dass wir dann auch Geld zur Verfügung haben, wenn etwas passiert, selbst wenn mehrere Großschäden zur gleichen Zeit stattfinden sollten. Wenn die Erderwärmung so weitergehen sollte, wie im Moment erwartet, wird es die Gefahr von Naturkatastrophen, vor allem in Schwellenländern, noch vergrößern.

VWheute: Wie wird sich die Nachfrage nach Rückversicherung in den kommenden zehn Jahren entwickeln?

Jean-Jacques Henchoz: Trendaussagen sind immer schwierig, aber die Gesellschaft hört ja nicht auf, sich weiter zu entwickeln und somit auch weiter Risiken einzugehen. Daher wird die generelle Nachfrage nach Risikomanagement und somit Rückversicherung auch weiterhin ansteigen, wenn auch vielleicht nicht jedes Jahr gleich stark. Daneben sehen wir das schon angesprochene zunehmende Risiko von Naturkatastrophen aufgrund des Klimawandels.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Michael Stanczyk.

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Bild: Jean-Jacques Henchoz ist CEO Reinsurance EMEA der Swiss Re. (Quelle: Swiss Re)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten