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Google: Von Wölfen und Schafen

26.02.2016 – trochimczuk_sollersVon Michał Trochimczuk, Managing Partner von Sollers Consulting. Es schien fast so, als könnte Google alles. Auch als starker Akteur auf dem Markt von Versicherungsvergleichsportalen agieren. Nahe lag die Vermutung, dass das Unternehmen nun in einem nächsten Schritt auch noch anstreben würde, Versicherungen verkaufen zu wollen. Nun hat es von der Fortsetzung des Projektes “Google Compare” Abstand genommen.

In Großbritannien agieren momentan vier große Vergleichsportale. Ein Markteintritt von Google würde dort eine enorme Konkurrenz bedeuten. Auf der anderen Seite werden im Versicherungssektor im Moment etwa 300 Mio. Pfund ins Marketing investiert. 50 Prozent dessen fließt in die Suchmaschinenpositionierung bei Google. Das bedeutet, dass Google allein 150 Millionen Pfund dank seiner potenziellen Wettbewerber erwirtschaftet.

Google nimmt nun “Google Compare” in Großbritannien vom Markt. Hätte Google mit “Google Compare” z.B. einen Marktanteil von 30 % im Hinblick auf Vergleichsportale erreichen wollen, wäre das einher gegangen mit Gewinneinbußen im Bereich der Positionierung. Der Gigant hat sich dazu entschlossen, die Vergleichsportale beim Konkurrieren untereinander nicht weiter zu stören.

Jetzt spielt er 150 Mio. Pfund durch Positionierung ein. Ein äußerst hart umkämpfter Markt – die Firmen ringen nach guten Ergebnissen und Kunden – führt dazu, dass die Ausgaben für Marketing weiter steigen. Das bedeutet gleichzeitig, dass das Kuchenstück für Google wächst.

Heißt dies nun, dass Versicherer wieder aufatmen können? Nicht ganz. Wie es scheint, wird Google nicht völlig darauf verzichten, sich aus dem Versicherungssektor zurückzuziehen. Auch wenn Google noch nicht selbst Versicherungen vertreiben möchte, so kann der Konzern immer noch über eine große Menge an Informationen über potenzielle Kunden verfügen, die er auf seinen Servern gesammelt hat.

Dank dieser Daten, zu denen Google Zugang hat, wie z.B. Alter, Automarke, Finanzen, Anzahl von Unfällen oder extreme Freizeitbeschäftigungen (z.B. Fallschirmspringen) ist Google in der Lage, genauer das Risiko einzuschätzen, dem sich Kunden von Versicherungen aussetzen. Google könnte den Versicherern also ein ganz neues Produkt anbieten wie z.B. Underwritingdienstleistungen.

Kurz: Wolf gesättigt und Schafe am Leben. Gut eingeschätze Risiken für die Versicherungsunternehmen auf der einen Seite und alternative Einnahmequellen für Google auf der anderen Seite. Und gleichzeitig werden bestehende Vergleichsportale weiterhin miteinander konkurieren und die Kassen des Riesen von Mountain View füllen.

Bild: Michał Trochimczuk, Managing Partner von Sollers Consulting.

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