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“Geordnete Abschaffung der PKV wäre das Beste”

28.10.2016 – harald_weinberg“Eine geordnete Abschaffung der PKV wäre das Beste für alle Versicherten in Deutschland”, konstatiert Harald Weinberg, Sprecher für Gesundheitsökonomie der Linksfraktion im Bundestag. Wenn die Politik noch einige Jahre abwarte. “dann wird sich die PKV ökonomisch selbst erledigt haben”, konstatiert der Politiker nach Auswertung einer Kleinen Anfrage seiner Bundestagsfraktion zur wirtschaftlichen Lage der privaten Krankenversicherer.

Die Linke: Wie viele Versicherte waren nach Kenntnis der Bundesregierung in den einzelnen PKV-Unternehmen versichert?

Bundesregierung: Die PKV hat von 2011 bis 2015 insgesamt 210.000 Mitglieder in der Vollversicherung verloren. Das sind 2,4 Prozent des Bestandes von 2015. (Anmerkung: Zum Vergleich hat die GKV von Januar 2011 bis Dezember 2015 insgesamt 2,83 Millionen Beitragszahler gewonnen (51.344.619 auf 54.175.334), also 5,2 Prozent des Bestandes von Ende 2015)).

Die Linke: Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung die Gewinne der einzelnen Versicherungsunternehmen und der gesamten PKV jeweils in den vergangenen zehn Jahren?

Bundesregierung: Die PKV-Unternehmen machen durchaus noch Gewinne, trotz niedriger Zinsen. Diese betrugen im Spitzenjahr 2013 insgesamt gut 400 Mio. Euro. In Verbindung mit dem Zahlenbericht der PKV 2013 (https://www.pkv.de/service/broschueren/daten-und-zahlen/zahlenbericht-2013.pdb.pdf?dl=1) kann man ableiten, dass damals pro 100 Euro Versicherungsausgaben rund 1,65 Euro in die Gewinne abflossen.

Einzelne Unternehmen haben einen deutlichen Einbruch erlitten, wie z.B. die Allianz (von 71-84 Mio. Euro in den Jahren 2006 bis 2008 auf 6,5 bis 13 Mio. Euro in den Jahren 2012-2014). Zwar ist in den letzten Jahren ein Einbruch in der Branche insgesamt (401 Mio. Euro 2013 auf 313 Mio. Euro 2015) zu verzeichnen; zumindest bis 2015 ließ sich aber durchaus noch Geld mit der PKV verdienen. Das sind Ausgaben, die die GKV nicht hat, dort gibt es keine Gewinnentnahmen.

Die Linke: Wie groß ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Leistungsausgaben am Beitragsaufkommen in den Jahren seit 2010?

Bundesregierung: Große Unterschiede fallen auf im Anteil der Aufwendungen für Versicherungsfälle verglichen mit dem Beitragsaufkommen. Dies schwankte in den Jahren seit 2010 von 30,7 Prozent (Mecklenburgische im Jahr 2010) bis 108,6 Prozent (LIGA Kranken im Jahr 2015). Der Branchenschnitt war von 2010 bis 2013 sehr konstant bei gut 66 Prozent, in den folgenden zwei Jahren stieg er aber deutlich auf 71,1 Prozent. Es bleibt also offenbar weniger übrig, um in Rückstellungen zu investieren, obwohl das Niedrigzinsumfeld nahelegen würde, hier mehr Geld reinzustecken, um Leistungszusagen auch zukünftig einhalten zu können. Die derzeit angekündigten erheblichen Beitragserhöhungen scheinen vor diesem Hintergrund nur folgerichtig.

Eine Erklärung ist auch, dass die nachlassende Versichertenzahl, also insbesondere das schwache Geschäft mit jungen Neukunden die Ausgaben stärker nach oben treibt und die Unternehmen bereits merklich belastet. Der Trend ist jedenfalls bei den meisten Unternehmen sichtbar mit einzelnen Ausreißern.

Die Linke: Wie viele Personen sind nach Kenntnis der Bundesregierung seit Bestehen des Notlagentarifs in diesem versichert, und wie viele sind in einen anderen Tarif zurückgekehrt?

Bundesregierung:60 Prozent derer, die wegen Zahlungsschwierigkeiten im Notlagentarif landen, bleiben dort länger als ein Jahr. Das sind 70.000 Menschen. Sie erhalten so lange Zeit nur rudimentäre Leistungen (vgl. 9.) und sind medizinisch unzureichend versorgt. Das ist der Umkehrschluss daraus, dass 40 Prozent im Jahr 2015 aus dem Notfalltarif wieder ausschieden. Der Median liegt also deutlich über 12 Monaten. Die durchschnittliche Verweildauer liegt gemäß der Antwort bei 9,5 Monaten. Diese Zahlen legen nahe, dass einige tatsächlich nur kurz im Notlagentarif sind, durch diesen “Schuss vor den Bug” also ihre Zahlungsbereitschaft zunimmt, die Mehrheit aber deutlich länger als ein Jahr von normalen Leistungen ausgeschlossen bleibt.

Quelle: Kleine Anfrage der Linksfraktion zur wirtschaftlichen Situation der Unternehmen in der privaten Krankenversicherung.

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