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“Generali-Ausschluss schadet Reputation und Geschäft”

19.08.2016 – Fertig_Philipp - quelle Hauck & AufhauserGenerali könnte aus dem Euro Stoxx 50 rausfliegen. “Das hätte direkte und indirekte Effekte auf die Aktie und kann die Aufnahme von Fremdkapital erschweren”, erklärt Philipp Fertig von Hauck & Aufhäuser gegenüber VWheute. Eine mögliche Axa-Generali-Fusion ergebe zudem keinen Sinn: “Axa will zwei Drittel des künftigen Wachstums in Asien generieren. Die größten Märkte von Generali sind jedoch Italien, Frankreich und Deutschland.”

VWheute: Der Generali-Konzern könnte aufgrund seiner schwachen Performance aus dem renommierten europäischen Aktienindex Euro Stoxx 50 rausfliegen. Warum ist es für Unternehmen so wichtig, in diesem Index gelistet zu sein?

Philipp Fertig: Wenn ein Unternehmen aus einem großen Benchmarkindex wie dem Euro Stoxx 50 ausgeschlossen wird, hat dies einen direkten und indirekten Effekt auf die Aktie. Der direkte Effekt liegt in der vermehrten Ausbreitung passiver Investmentprodukte wie ETFs begründet. Da diese lediglich Benchmarkindices abbilden (synthetisch oder replizierend), bedeutet ein Ausschluss aus einer Benchmark direkte Verkäufe in dem Wert. Hinzu kommt ein indirekter Effekt: Die meisten aktiven Portfoliomanager werden im Vergleich zu einer Benchmark gemessen. Dabei kann es auch vorkommen, dass die Benchmark das investierbare Universum definiert. Sobald ein Wert nicht mehr Bestandteil dieser Benchmark ist und weiterhin von einem Portfoliomanager gehalten wird, geht er damit eine aktive “Wette” ein. Dies hat in der Regel zur Folge, dass die Bereitschaft, in den Wert zu investieren, nachlässt (siehe UNTERNEHMEN).

VWheute: Welche Auswirkungen hätte der Rauswurf für den Generali-Konzern und dessen Kapitalausstattung und Aktienentwicklung?

Philipp Fertig: Der Ausschluss aus einem Index kann sich über die Reputation auch auf das operative Geschäft auswirken. Dabei gehen wir nicht davon aus, dass dies Folgen in etablierten Stammmärkten von Generali haben sollte, jedoch kann die Mitgliedschaft in einem wichtigen Index bei der Erschließung neuer Absatzmärkte hilfreich sein. Eine direkte Auswirkung auf die Kapitalausstattung ist nicht zu erwarten. Allerdings nutzen Investoren und vor allem Risikomanager die Marktvolatilität zur Beurteilung des mit einem Investment verbundenen Risikos. Das kann zu einer weiter rückläufigen Bewertung des Eigenkapitals führen, was explizit die Bereitschaft des Marktes widerspiegelt, einem Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung zu stellen. Davon bleibt die Fremdkapitalfinanzierung des Unternehmens nicht unberührt, was die Aufnahme von Fremdkapital erschweren, bzw. zu höheren Funding-Kosten führen sollte.

VWheute: Könnte die andauernde schwache Performance der Generali dazu führen, dass die Übernahmegerüchte durch den Axa-Konzern bald Realität werden?

Philipp Fertig: Eine Akquisition von Generali passt nach unserer Einschätzung nicht zu den strategischen Zielen von Axa. Axa hat im Juni seine Strategie „Ambition 2020“ vorgestellt. Ein Bestandteil der Strategie ist der Ausbau bestehender Geschäftsmodelle. Regional nennt Axa in diesem Zusammenhang Asien als Wachstumsmarkt, zwei Drittel des künftigen Wachstums will Axa dort generieren. Die größten Märkte von Generali sind jedoch Italien, Frankreich und Deutschland. Bezogen auf die geschriebenen Versicherungsprämien stellte Asien zum 1. Halbjahr 2016 5,6 Prozent des Lebensversicherungsgeschäfts von Generali dar, der Anteil im Schadengeschäft ist vernachlässigbar. Weiterhin plant Axa in den kommenden Jahren ein Gewinnwachstum von drei bis sieben Prozent, davon soll ein Prozent durch anorganisches Wachstum, also Akquisitionen, erreicht werden. Dafür plant Axa mit einem  Budget von einer Mrd. Euro, die aktuelle Marktkapitalisierung von Generali liegt im Vergleich dazu bei knapp 18 Mrd. Euro. Letztendlich ist nicht damit zu rechnen, dass sich das Umfeld für Versicherer in Europa aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds in naher Zukunft verbessert. Auch dies spricht derzeit nicht für eine Übernahme von Generali durch Axa.

Bild: Philipp Fertig arbeitet im Aktienresearch Hauck & Aufhäuser Privatbankiers, wo er die Sektoren Financials, Retail, Technology und Industrials verantwortet. (Quelle: Hauck & Aufhäuser)

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur David Gorr.

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