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Fundament der Unternehmenssteuerung

14.10.2015 – Romeike_Risk_netViele Branchen müssen im Bereich des Risikomanagements umdenken, sagt Risknet-Geschäftsführer Frank Romeike. Er mahnt im Interview mit VWheute bei Unternehmen mit komplexen Wertschöpfungsketten ein derartiges Fundament der Unternehmenssteuerung an. Seine Kritik: “Viele Risikomanager und Entscheider konstruieren ihr Risikomanagement so, als gäbe es nur Sonnentage.”

VWheute: Wie sieht in Ihren Augen angemessenes Risikomanagement aus?

Frank Romeike: Ich würde mir beim Thema Risikomanagement mehr Eigenmotivation, Methodenkompetenz und Pragmatismus wünschen. Ein Pragmatiker lässt sich von den tatsächlichen Gegebenheiten leiten und pocht nicht auf Grundsätze, Regularien und Prinzipien. Viele Branchen müssen umdenken. Viele Risikomanager konzentrieren sich auf das Unwesentliche und vergessen, dass Unternehmen vor allem durch strategische Risiken zerstört werden. Bildhaft gesprochen: Das Unternehmen sitzt auf einem lahmen Gaul und merkt es nicht oder erst viel zu spät. Nicht selten orientierten sich Unternehmen an Artikel 2 und 3 des Rheinisches Grundgesetzes: „Et kütt wie et kütt.“ und „Et hätt noch emmer joot jejange.“ Das ist der Grund, warum in Deutschland nur 1,5 Prozent aller Unternehmen älter werden als 100 Jahre.

VWheute: Wo und wann wird das professionelle Risikomanagement in naher Zukunft unersetzlich

Frank Romeike: In den Branchen, in denen mit einem professionellen Management von Risiken Geld verdient wird, also vor allem in Banken und Versicherungen, ist Risiko- und Chancenmanagement ein wesentlicher Kernprozess. Doch auch bei Unternehmen mit komplexen Wertschöpfungsketten, wie etwa die chemische Industrie oder die Automobilindustrie, sollte ein professionelles Management von Risiken das Fundament der Unternehmenssteuerung bilden. Risikomanagement steigert nicht nur den Wert eines Unternehmens, sondern erweist sich in Krisenzeiten als Rettungsboot. Nur so ist ein durchgängiger Planungs- und Steuerungsprozess möglich. Beherzigen Entscheider dies nicht, droht dem Risikomanagement das Schicksal der Kassandra und der Risikomanager endet als tragische Figur, warnend vor den Gefahren, ohne dass ihm Gehör geschenkt wird.

Wer seine Chancen erkennen und nutzen will, muss unabdingbar auch seine Risiken managen. Das ist sicherlich mit Abstand die wertvollste Erkenntnis der jüngsten Turbulenzen an den Märkten und in Unternehmen. Jeder Kapitän weiß, dass Schiffe für die Tage gebaut werden, an denen Stürme toben und die riesigen Wellen ihr Schiff wir ein Spielzeug hin und her schleudern. Viele Risikomanager und Entscheider hingegen konstruieren ihr Risikomanagement so, als gäbe es nur Sonnentage.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Risknet-Geschäftsführer Frank Romeike ist Veranstalter des Risknet-Summits 2015. (Quelle: Privat)

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