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Erdland: Draghi wird Italien retten

06.12.2016 – Alexander_Erdland_GDVGDV-Präsident Alexander Erdland hat nach dem gestrigen Referendum in Italien davor gewarnt, “in Panik zu verfallen”. “Die Entscheidung der italienischen Bevölkerung, mit Nein zu stimmen, ist sehr bedauerlich. Übermäßige Spekulationen gegen das Land erwarte er nicht, dazu habe die EZB mit den Anleihekäufen ein zu “scharfes Schwert an der Hand.”

Die Verfassungsreform wäre ein wichtiges Signal gewesen, dass Europa weiter auf Reformkurs ist. Denn trotz konjunktureller Besserung sind mutige Strukturreformen nach wie vor der Schlüssel zum Erfolg”, betont er in einer Stellungnahme. Gleichzeitig wäre “ein Ja für die italienische Wirtschaft von großer Bedeutung gewesen, denn unter den großen Volkswirtschaften des Euro-Raums hinkt Italien seit der Finanzkrise bei vielen volkswirtschaftlichen Kennziffern immer noch deutlich hinterher”, betont der GDV-Chef.

Dennoch warnte er vor einer verfrühten Panik: “Mit dem sogenannten OMT-Programm hat die Europäische Zentralbank seit dem Jahr 2012 ein scharfes Schwert an der Hand, mit dem übermäßige Spekulationen gegen ein Land wirksam bekämpft werden können. Darüber hinaus sind auch die europäischen Institutionen seit der Staatsschuldenkrise deutlich gestärkt worden. Dies gilt vor allem für den Rettungsschirm ESM, der als letzten Ausweg seit Dezember 2014 auch Kredite für Banken zulässt”, ergänzt Erdland.

“Wegen der notleidenden Kredite in Höhe von rund 360 Mrd. Euro wäre es zur Stabilisierung des italienischen Bankensektors extrem wichtig, dass Italien finanzielle Hilfe aus dem ESM-Programm erhält und sich auf Strukturreformen sowie weiteren Sparmaßnahmen verpflichtet. In Spanien und Zypern haben diese Maßnahmen geholfen, das Vertrauen der Investoren in die Anleihemärkte dieser Länder zu stabilisieren”, fordert Erdland.

BDI-Präsident Ulrich Grillo sieht die Entscheidung der Italiener dennoch mit Sorge: “Die deutsche Industrie fürchtet die Folgen des Ergebnisses. Damit nehmen die Risiken einer neuen politischen Instabilität für die wirtschaftliche Entwicklung, die Finanzmärkte und die Währungsunion weiter zu. Italien darf die Lösung seiner drängenden Probleme nicht aufschieben. Die Modernisierung des italienischen Staats und der Wirtschaft bleibt vordringlich, um Arbeitsplätze zu schaffen”. Zudem sei das Land “so eng mit der deutschen Industrie verflochten wie keine andere Volkswirtschaft auf unserem Kontinent. Für unsere Unternehmen ist Italien das sechstwichtigste Zielland der Exporte. Bei den Einfuhren nach Deutschland rangiert das Land auf Platz fünf”, ergänzt Grillo.

Die Ratingagentur Feri sieht die Entscheidung hingegen mit einer gewissen Gelassenheit: “Die Märkte werden diesen Ausgang verschmerzen. Sie haben aus den politischen Wendungen, die das Jahr 2016 bislang brachte, gelernt”, sagt Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Chief Investment Officer von Feri. Das negative Italien-Votum sei schon im Vorfeld antizipiert und quasi “eingepreist” gewesen: Aktienmarkt und Staatsanleihen zeigten in den vergangenen Wochen ausgeprägte Schwächen, die Risiko-Spreads seien bereits seit August deutlich angestiegen, und auch der Euro habe zuletzt deutlich abgewertet.

Feri geht davon aus, dass negative Marktreaktionen nur kurzfristig anhalten und nicht sehr stark ausfallen werden. Danach könnten Gegenbewegungen und sogar leichte Markterholungen eintreten, da im Vorfeld bereits umfangreiche Leerverkäufe gegen Italien getätigt wurden. “Jetzt werden diese Positionen wieder eingedeckt, was den Euro und italienische Staatsanleihen kurzfristig stabilisieren dürfte. Das Reaktionsmuster der Kapitalmärkte hat sich grundlegend gewandelt”, so Rapp. (vwh/mv/td)

Bild: GDV-Präsident Alexander Erdland (Quelle: GDV)

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