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“Entschädigung von Katastrophenopfern statt Haftung”

07.09.2015 – kenneth_feinbergAm Freitag gedenken die Hinterbliebenen der Terroranschläge vom 11. September 2001 erneut der rund 3.000 Todesopfer. Für Kenneth Feinberg, damaliger Sonderbeauftragter des Entschädigungsfonds für die Opfer der Anschläge, stand vor allem die Entschädigung der Opfer im Fokus. Sein Fazit: “Menschen, die ihre nächsten Angehörigen verloren haben oder selbst schwer verletzt wurden, wollen nicht einfach nur Geld. Sie wollen reden.”

Nach 950 vertraulichen Anhörungen sieht sich der Experte dabei weniger als Jurist, sondern vielmehr als Psychologe: “Sie dürfen eins nicht vergessen: Egal, wie viel Entschädigung Sie zahlen, die Opfer werden Ihnen niemals dankbar sein oder Ihre Arbeit anerkennen. Diese Menschen haben ihre nächsten Angehörigen verloren oder verheerende Verletzungen erlitten. Sie können ihnen zwar helfen, aber Sie können sie nicht glücklich machen”, betont Feinberg in einem Interview mit dem Rückversicherer Munich Re.

Entscheidender Voraussetzung für ein erfolgreiches Entschädigungsprogramm ist laut Feinberg Transparenz. Dies funktioniere nur, “indem ich alle Beteiligten von Anfang an einbinde. Das fängt schon bei der Gestaltung des Programms an. Holen Sie sich Input von allen Seiten – von den Opfern, von Sachverständigen, aus der Öffentlichkeit. Hören Sie zu. Zeigen Sie den Beteiligten, dass Sie ernst nehmen, was sie zu sagen haben”, erläutert der Jurist.

Den Versichereren gibt er gleich noch einen Rat mit auf den Weg: “Versuchen Sie, künftige Katastrophen noch besser vorherzusagen. Damit meine ich nicht nur Naturkatastrophen. Verbessern Sie Ihre Methoden, um Haftungsrisiken vorherzusehen”.

Der Jurist Feinberg verwaltete auch das Entschädigungsprogramm nach der Deepwater-Horizon-Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Zudem wirkte er an zahlreichen weiteren Entschädigungsprogrammen mit, darunter für Schäden durch Agent Orange, das Intrauterinpessar Dalkon Shield und defekte Zündschlösser von General Motors. (vwh/td)

Link: Das vollständige Interview mit Kenneth Feinberg

Bild: Kenneth R. Feinberg (Quelle: Columbia Law School)

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