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“Digitale Transformation muss Chefsache sein”

05.06.2015 – dwight_cribb“Digitalkompetenz auf oberster Ebene ist nun dringend vonnöten, um zukünftig erfolgreich zu agieren”, fordert Dwight Cribb, Geschäftsführer der gleichnamigen Personalberatung. So bedeute das digitale Zeitalter “eine ganz neue Phase in der Arbeitsgeschichte”. Dabei sei die oberste Führungsriege gefordert, das Unternehmen auf die “digitale Transformation” vorzubereiten.

VWheute: In den deutschen Unternehmen sind laut BDU Fach- und Führungskräfte, die sich mit moderner und aktueller IT-Technik auskennen, heiß begehrt. Welche Kompetenzen sind dies genau und welche Voraussetzungen müssen potenzielle Kandidaten mitbringen?

Dwight Cribb: Die BDU-Studie sagt auch, dass sich diese Nachfrage in den kommenden Jahren noch erheblich verstärken wird, da sie in Industrie, Wirtschaft und Verwaltung für den notwendigen digitalen Wandel sorgen sollen. Das Stichwort „digitaler Wandel“ ist hierbei entscheidend. Um diesen erfolgreich zu gestalten, benötigen Unternehmen natürlich Führungskräfte, die das erwähnte technische Verständnis mitbringen. Dazu zählen fundiertes Datenverständnis und das Verständnis, wie komplexe Prozesse, Produkte und Informationen ineinandergreifen. Eine erfolgreiche digitale Transformation allein von technischem Knowhow abhängig zu machen, greift jedoch zu kurz, es bedarf auch eines klaren Verständnisses, wie Technologie Märkte und Kundenverhalten verändern wird. Und dann sind umfangreiches Change Management und klassischer Unternehmensführung gefragt, um mit Erfahrung, Augenmaß und Überzeugungskraft Neues anzustoßen.

VWheute: Digitale Führungskräfte sind auf dem Markt derzeit Mangelware. Worin liegen Ihrer Ansicht nach die Ursachen? Und was müsste sich nach Ihrer Meinung an der Ausbildung ändern?

Dwight Cribb: Im Zuge des Internetbooms der 90er Jahre wuchs der Bedarf an Personal in der Digitalwirtschaft massiv, mehr und mehr Menschen fanden hier eine Beschäftigung. Nach dem Platzen der Blase verließen jedoch viele die Branche wieder. Die, die dabei blieben, bilden heute den Pool der Digitalexperten der ersten Stunde. Mitte der 2000er, als es wieder aufwärts ging mit der Internetwirtschaft, wurden wieder neue Mitarbeiter benötigt und langsam stieg die Zahl der Mitarbeiter wieder an.

Wir haben aber eine Lücke von etwa fünf Jahren, in der viele die Branche verließen und keine neuen nachkamen, darunter leiden wir noch heute. Und erst gegen Ende der 2000er kamen erste Weiterbildungsangebote auf den Markt und langsam begannen einige Hochschulen, erste Bildungsangebote anzubieten. Selbst heute gibt es lediglich eine überschaubare Anzahl von Bachelor- oder Masterstudiengängen, die sich mit der digitalen Branche, den Themen und Trends sowie ihren Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft beschäftigen. Kurzum: Die Digitalwirtschaft ist eine im Vergleich zur klassischen Industrie sehr junge Branche, insofern ist der Mangel an digital-kompetenten Führungskräften ein fast natürliches Phänomen.

Verschärfend kommt nun aber hinzu, dass der digitale Wandel sich zunehmend auf die gesamte Industrie ausweitet. Digitalkompetenz auf oberster Ebene ist nun dringend vonnöten, um zukünftig erfolgreich zu agieren. Das führt dazu, dass Digital-Experten mit Führungserfahrung äußerst begehrte Kandidaten sind und sich meist die für sie beste Position unter vielen potenziellen Arbeitgebern aussuchen können.

VWheute: Gleichzeitig mehren sich kritische Stimmen, dass Führungskräfte oftmals nur unzureichend auf die Anforderungen des digitalen Zeitalters vorbereitet sind. Worin liegen aus Ihrer Sicht die Gründe und wie lassen sich heutige Führungskräfte besser darauf vorbereiten?

Dwight Cribb: Ist das denn ein Wunder? Das digitale Zeitalter ist eine ganz neue Phase in der Arbeitsgeschichte. Keiner weiß, wie es aussehen wird, was der Wandel genau mit sich bringt und welche Anforderungen auf Führungskräfte zukommen werden. Es gibt schlicht (noch) keine Blaupause, auf die sich Unternehmen stützen können, um zu hundert Prozent sicher zu sein, in der nächsten Dekade noch zu bestehen.

Was ich aber aus der Praxis und aus meiner langjährigen Erfahrung in der Digitalwirtschaft weiß, ist: Es kommt vor allem der obersten Führungsriege zu, das gesamte Unternehmen auf die digitale Transformation vorzubereiten. Sie muss vorleben, dass Veränderung nicht nur notwendig, sondern erstrebenswert und gewünscht ist. Dabei darf es keine Systeme geben, die den Status Quo fördern und Innovationen aus der eigenen Reihe zügeln oder gar verhindern.

In jedem Fall muss die digitale Transformation Chefsache sein (siehe DOSSIER). Er oder sie muss aber auch alle Mitarbeiter – vor allem die zweite und dritte Ebene – dabei mitnehmen und sich auch Sparringspartner suchen, die den Führungskreis dabei unterstützen, tradierte Denkmuster aufzubrechen und zu hinterfragen. Denn der digitale Wandel kann nicht von einem einzelnen umgesetzt werden: Alle müssen an einem Strang ziehen und ein Bewusstsein dafür haben, wie digitale Technologien ihr Geschäft verändern können.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Am 17. Juni 2015 befasst sich zudem das Digital Advisory Board Summit in Hamburg mit dem Thema “Digitale Beiräte als eine erfolgskritische Komponente in der digitalen Transformation”.

Link: Unternehmen müssen bei digitalen Mitarbeitern umdenken (Tagesreport vom 03.06.2015)

Bild: Dwight Cribb (Quelle: Dwight Cribb Personalberatung GmbH)

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