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Cyberrisiken: Prävention sichert Existenz

27.04.2015 – alexander_mahnke_lie“Cyber-Risiken sollten als dynamische und immer wieder zu hinterfragende Herausforderungen verstanden werden”, sagt Alexander Mahnke, Vorstandschef des DVS Deutscher Versicherungs-Schutzverbandes. Im Interview mit VWheute spricht er über den Stand von Prävention und Versicherungslösungen in der versicherungsnehmenden Wirtschaft.

VWheute: Wie weit sind Ihre Verbands-Unternehmen mit den Investitionen in die Abwehr und Entdeckung von Angriffen?

Alexander Mahnke: Die Risikoanalyse und die -bewertung sind gleichermaßen herausfordernd wie zeitintensiv. Die in den Unternehmen hierfür zuständigen Bereiche, angefangen von der ersten Führungsebene, über die betroffenen Abteilungen einschließlich des Versicherungs-Risiko-Managements, wissen sehr genau, dass sie dabei sorgfältig vorgehen müssen. Im Übrigen ist Prävention weniger eine Frage des sich daran anschließenden Risikotransfers, als vielmehr eine der Grundlagen zur Existenzsicherung des Unternehmens. Dies ist nach unserer Wahrnehmung bei Cyber-Risiken noch sehr viel wichtiger, als in anderen, beherrschbareren Risikobereichen.

Insofern bietet die intensive Diskussion des Themas Cyber auf Verbandsebene und mit unseren Mitgliedsunternehmen die Gelegenheit, sich grundlegend mit den eigenen betrieblichen Risiken auseinander zu setzen und die eigenen Sicherheitssysteme und Notfallpläne zu hinterfragen und zu verbessern. Dass das Cyber-Risiko unsere Mitgliedsunternehmen umtreibt, zeigt meines Erachtens allein schon die um mehr als 50 Prozent gestiegene Teilnehmerzahl bei unserer am 7. Mai in Köln stattfindenden dritten Veranstaltung hierzu. Und eines ist auch klar: Cyber-Risiken sollten als dynamische und immer wieder zu hinterfragende Herausforderungen verstanden werden, so dass man sich damit zukünftig kontinuierlich wird beschäftigen müssen. Hierbei ist auch zu prüfen, ob für das Unternehmen eine entsprechende Risikotransferlösung in Frage kommt.

VWheute: Reichen die Cyber-Deckungen – oder hat der Versicherungsschutz noch Lücken, für deren Beseitigung die versicherungsnehmende Wirtschaft auch zahlen würde?

Alexander Mahnke: Die Antwort hängt von zwei Unbekannten ab: Erstens von den Ergebnissen der Risikoanalysen in den jeweiligen Unternehmen; und zweitens von der Anpassungsfähigkeit der Anbieter. Der Versicherungsmarkt für “stand alone”-Cyber-Versicherungen ist noch jung. Gestern noch sind Angebotskonzepte im Brustton der Überzeugung als „ausgereift“ vorgestellt worden, heute haben die meisten Versicherungsunternehmen ihre Bedingungskonditionen bereits überarbeitet, und dies teils sehr weitreichend. Offensichtlich besteht Weiterentwicklungsbedarf und hieraus folgend Verhandlungsspielraum. Den gilt es zu nutzen. Über den Preis wird man anschließend verhandeln. Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass bereits vorhandene Versicherungslösungen für Cyber-Risiken bereits Deckung bieten können.

Dies gilt es in der Diskussion über Cyber-Versicherungen meines Erachtens immer parallel mit zu prüfen. Grundsätzlich sehen wir eine Lücke in den derzeitigen Cyber-Deckungskonzepten in Form der nicht vorhandenen Deckung für Industriespionage. Hier sind noch Hausaufgaben auf Seiten der Versicherer zu erledigen. Zudem gibt es leider noch zu wenige IT-Techniker auf Versicherer- und Maklerseite, die bei der Risikoanalyse mit den IT-Verantwortlichen der Versicherungsnehmer auf Augenhöhe die Risikoanalyse vornehmen können. Eine solche Funktion sollte genauso selbstverständlich angeboten werden, wie die Dienstleistung eines Brandschutzingenieurs.

VWheute: Wie sieht also eine optimale Cyber-Police aus Ihrer Sicht aus?

Alexander Mahnke: Optimal heißt aus meiner Sicht, das Beste unter Bezug auf die individuellen Risikoanforderungen und unter den gegebenen Möglichkeiten. Und das unterscheidet sich von Fall zu Fall. Diesbezüglich können unsere Mitgliedsunternehmen vom exzellenten Marktüberblick ihres Verbandes profitieren. Sie rufen Informationen bei der DVS-Geschäftsstelle ab und loten dann alleine oder mit ihren Beratern deren Durchsetzbarkeit aus. Ich bin zuversichtlich, dass eine gute Beratung immer Früchte trägt.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondentin Monika Lier.

Bild: Alexander Mahnke, Vorstandschef des DVS Deutscher Versicherungs-Schutzverbandes (Quelle: lie)

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