Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

“Cyberpolice ist zweite Linie der IT-Sicherheit”

02.09.2015 – tobias_wenhart_hiscox“Es gibt keine umfassende IT-Strategie, wenn es um das Thema Hacking geht, denn selbst die sichersten und teuersten Firewalls können gehackt werden”, sagt Tobias Wenhart, Manager Products & Underwriting bei Hiscox im Exklusiv-Interview mit VWheute. Vielmehr gehöre “eine Cyberpolice als zweite Linie der IT-Sicherheit zu einem guten Management gegen Cybergefahren”.

VWheute: Welches sind die zentralen Befunde? Wo eröffnen diese gravierenden Handlungsbedarf?

Tobias Wenhart: Die gute Nachricht: Die Kleinunternehmen blicken weiter positiv in die Zukunft (61 Prozent). Damit sind deutsche Unternehmen beim Optimismus zwar immer noch solide aufgestellt, jedoch wurden sie von den Unternehmern der anderen befragten Länder überholt.

Die Befragten nannten zwei konkrete Punkte, bei denen in Deutschland Handlungsbedarf besteht. Zum einen ist der zeitliche Aufwand für Bürokratie zu hoch. Zum anderen fühlen sich nur wenige Unternehmen von der Regierung unterstützt. Fast die Hälfte der Unternehmen (41 Prozent) befürchtet, dass die magere Förderung noch weiter abnimmt. Jedoch müssen auch die Unternehmen selbst in Sachen Risikomanagement aufholen: Nur jedes dritte befragte deutsche Unternehmen kennt Versicherungsoptionen gegen seine spezifischen Risiken.

VWheute:Obwohl das Bewusstsein für Cyberrisiken zunimmt (Platz vier der Top Risiken), unterschätzen deutsche Unternehmen deren gravierende Auswirkungen. Warum werden dementsprechend seitens der Unternehmen kaum Investitionen getätigt bzw. keine besseren Vorkehrungen gegen Angriffe aus dem Netz getroffen, sei es in Form einer Cyber-Police oder durch umfassende IT-Strategie?

Tobias Wenhart: Leider gibt es keine umfassende IT-Strategie, wenn es um das Thema Hacking geht, denn selbst die sichersten und teuersten Firewalls können gehackt werden, da nie zu 100 Prozent eine IT-Sicherheit garantiert werden kann. Unserer Meinung nach, gehört eine Cyberpolice als zweite Linie der IT-Sicherheit zu einem guten Management gegen Cybergefahren.

Allerdings sind Cyber-Policen relativ neu auf dem Markt, was das geringe Bewusstsein für die Möglichkeit der Absicherung gegen diese Risiken erklärt. Dennoch sehen wir hier in den vergangenen Jahren bereits eine sehr positive Entwicklung. Aus unserer Studie mit forsa wissen wir, dass sich die Unternehmen zudem einfache Versicherungslösungen wünschen. Hier sehen wir uns als Versicherer in der Pflicht und bieten zum Beispiel ein Antragsmodell für Cyberversicherungen an, das nur sieben Fragen umfasst.

VWheute: Jedes fünfte Unternehmen ist nicht versichert. Welche Gründe sehen Sie hier? Warum liegen diese Werte in den Branchen IT/Medien und Marketing/Communications (29 Prozent; 27 Prozent) besonders hoch?

Tobias Wenhart: Nur jedes Dritte befragte deutsche Unternehmen gibt an zu wissen, welchen Risiken es als Unternehmen ausgesetzt ist und welchen Versicherungsschutz es benötigt. Fast ein Fünftel gibt an, keinerlei Versicherungen zu haben. Das liegt sicherlich auch daran, dass Versicherungsprodukte extrem erklärungsbedürftig sind, und die Unternehmen nicht die Zeit haben, sich umfassend zu informieren oder gar glauben, dass sie ja nicht betroffen sind. Das ist leider ein weit verbreiteter Irrtum. Man sollte sich bewusst sein, dass man ohne eigenes Zutun etwa Opfer krimineller Cyberangriffe werden kann.

Dass besonders Unternehmen der Branchen IT und Medien sowie Marketing und Kommunikation häufig nicht versichert sind, liegt unter anderem daran, dass in diesen Branchen besonders viele Kleinstunternehmen, Freiberufler und Alleinselbständige vertreten sind. Und gerade kleine Unternehmen unterschätzen ihre Risiken besonders stark.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Tobias Wenhart ist Manager Products and Underwriting bei Hiscox (Quelle: Hiscox)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten