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“Compliance ist ganz nah am Geschäft”

28.04.2016 – Galster_Sick_AGVon einem Vetorecht des Chief Compliance Officers hält Wirnt Galster nicht viel. Er ist bei der Sick AG, einem mittelständischen Industrieunternehmen in Süddeutschland, General Legal Counsel. “Compliance-Fragen sind bei der Entwicklung neuer Geschäftsfelder Teil des Risiko-Managements”, sagt der Experte im Exklusivinterview mit VWheute.

VWheute: In welchen Businessbereichen sind Sie in Ihrer Rolle als Compliance-Verantwortlicher in einem international ausgerichteten Industrieunternehmen wie der Sick AG besonders gefragt?

Wirnt Galster: Es sind vor allem Vertrieb und Einkauf, allerdings liegen die Schwerpunkte bei der Unterstützung der Fachbereiche in den (Compliance-)Risikobereichen Produktsicherheit, Zoll- und Export-Kontroll-Compliance, Datenschutz und Informationssicherheit. Compliance ist also ganz nah am Geschäft. Und die Fachbereiche verfügen entweder selbst über (Compliance-)Spezialisten oder greifen auf entsprechende Spezialisten in den Zentralbereichen zu. Dazu gehören natürlich auch die Compliance Felder Umwelt, Arbeitssicherheit, HR und viele mehr. Gemeinsam bilden wir das Compliance-System bei Sick. Ja, auch unser Betriebsrat wirkt aktiv mit.

VWheute: Wie groß ist Ihr Team und in welcher Zusammensetzung agieren Sie in Sachen Compliance?

Wirnt Galster: Mein Bereich umfasst neben Recht und Compliance auch den Datenschutz, die Informationssicherheit sowie die Zoll- und Exportkontroll-Compliance. Zurzeit sind wir 15 Kolleginnen und Kollegen. Aber niemand von uns beschäftigt sich zu 100 Prozent mit Compliance. Wenn erforderlich, greifen wir auch auf externe Ressourcen zurück, beispielsweise bei der Untersuchung und Aufklärung von Verdachtsfällen. Die Frage nach der Größe einer Compliance Abteilung lässt sich nicht mit einer Formel oder anhand der Mitarbeiterzahl beantworten. Dies ist von vielen Faktoren, z. B. von der Größe und Internationalität des Unternehmens, seiner Compliance Vergangenheit (=”Compliance Zustand”), der Branche, in der es tätig ist, und vielen anderen Umständen abhängig.

VWheute: Welche Rolle spielen Compliance-Fragen bei der Entwicklung neuer Geschäftsfelder? Haben Sie ein Veto-Recht und müssen Sie dies auch nutzen?

Wirnt Galster: Compliance-Fragen sind bei der Entwicklung neuer Geschäftsfelder Teil des Risiko-Managements. Es gilt vorherzusehen, wo Compliance-Risiken auftreten könnten und wie man ihnen ggf. rechtzeitig begegnen kann. Die Chancen eines neuen Geschäfts müssen immer zuerst kommen, die Risiken und auch die möglichen Compliance-Probleme sollte man nicht vernachlässigen. Die Compliance-Funktionen bei Sick sind eng mit den Geschäftsprozessen verwoben. Ich fühle mich gut informiert und involviert. Genauso wie alle meine Kollegen mit Compliance-Aufgaben freut es mich, wenn wir frühzeitig eingebunden werden und unseren Beitrag leisten können. Von “Veto-Rechten” halte ich persönlich nicht viel. Wenn ich mir nicht Gehör verschaffen bzw. bei Auftreten eines substanziellen Compliance-Risikos die Geschäftsleitung oder betroffene Kollegen nicht überzeugen kann, dann hilft kein “Veto” und das Problem liegt woanders – im Zweifel bei mir (siehe DOSSIER)

VWheute: Welche Risiken sichern sie hier mithilfe von Versicherern ab?

Wirnt Galster: Grundsätzlich werden existenzgefährdende Risiken unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten an Versicherer transferiert. Parallel hierzu werden organisatorische und prozessuale Maßnahmen ergriffen, die Risiken zu reduzieren, zu steuern oder zu vermeiden.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Wirnt Galster, Compliance Officer, Sick AG, Waldkirch und Mitglied des Vorstands des Netzwerks Compliance (Quelle: Sick AG)

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