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“Cat-Bonds bieten deutliche Kundenvorteile”

26.08.2016 – jan-oliver_thofernMittels wissenschaftlicher Gefährdungskarten lässt sich der Zeitpunkt eines Erdbebens zwar nicht bestimmen, “jedoch die Wahrscheinlichkeit eines solchen in einem bestimmten Zeitraum”, konstatiert Jan-Oliver Thofern, Vorstandsvorsitzender von Aon Benfield, exklusiv gegenüber VWheute. Im Vergleich zur traditionellen Rückversicherung können sogenannte Cat-Bonds “in bestimmten Fällen deutliche Vorteile für unsere Kunde” bieten.

VWheute: Pompeji, Messina, L’Aquila, San Giuliano – nun das Beben von Accumoli. Die Liste der Erdbeben in Italien ist durchaus lang. Seismologen halten Erdbeben für unvorhersehbar. Wie gehen Sie mit dieser Unvorhersagbarkeit bei der Risikokalkulation und Pricing vor?

Jan-Oliver Thofern: Wie bei anderen Naturgefahren auch werden eine Vielzahl möglicher Ereignisse simuliert. Diese basieren bei Erdbeben auf wissenschaftlichen Gefährdungskarten für die regionale Einordnung der Risikosituation, Schadenfunktionen die den Grad der Zerstörung eines Gebäudes bei einer bestimmten Intensität darstellbar machen und vielen weiteren Einflussfaktoren.

Dadurch lässt sich nicht der konkrete Zeitpunkt eines Erdbebens bestimmen, jedoch die Wahrscheinlichkeit eines solchen in einem bestimmten Zeitraum, und daraus resultierend die Schadenlage, beziffern. Es wird dann ein Selbstbehalt der für die Versicherungsgesellschaft gut tragbar ist ermittelt und alle weiteren Schadenfälle üblicherweise bis mindestens zur Grenze von 99,5 Prozent aller modellierten Schäden an den Rückversicherungsmarkt transferiert. Der Preis ermittelt sich dann aus der mittleren Schadenlast für diesen Vertrag und Zuschlägen für Schwankungen.

Wichtig ist hierbei die Güte der Modelle mit denen modelliert wird. Wir hinterfragen und bewerten die marktgängigen Modelle nicht nur kritisch, sondern haben mit unser unternehmenseigenen Einheit “Impact Forecasting” eigene Erdbebenmodelle entwickelt.

VWheute: Erwarten Sie, dass die die chronisch niedrigen Versicherungsprämien durch die Zunahme der Naturkatastrophen endlich steigen?

Jan-Oliver Thofern: Mit 580 Mrd. US-Dollar liegt die Kapitalisierung des Gesamtmarktes auf dem Rekordniveau des vergangenen Jahres. Die Nachfrage hat mit der Entwicklung des Angebotes in den letzten Jahren jedoch nicht Schritt gehalten. Global betrachtet, gibt es daher nach wie vor einen Angebotsüberhang in der Naturgefahrenrückversicherung. Das trifft auch auf die wichtigsten Teilmärkte zu.

Das langjährige Mittel der versicherten Naturgefahrenschäden liegt nach unseren Berechnungen bei rund 51 Mrd. US-Dollar pro Jahr. Von einer allgemeinen Erhöhung gehen wir daher zur Zeit nicht aus. Die Herausforderung liegt auch eher darin, dass die Prämien in der Erstversicherung zu niedrig sind.

VWheute: Wer sich gegen eine Katastrophe absichern will, der kann sich den Geldgeber aussuchen. Diese sorgen zusätzlich dafür, dass die Prämien sinken. Wie bewerten Sie die Entwicklung auf dem Cat-Bond-Markt?

Jan-Oliver Thofern: So genannte Cat-Bonds, aber auch andere, alternative Instrumente, unterscheiden sich in einige Aspekten recht deutlich von der traditionellen Rückversicherung und können in bestimmten Fällen deutliche Vorteile für unsere Kunden bieten.

Diese können zum Beispiel in der Mehrjährigkeit, der Besicherung der Haftung oder auch einer Erweiterung der Anzahl der Risikoträger, liegen. Als eine der führenden Investmentbanken in diesem Segment, gehen wir bei Aon Securities von einer weiterhin positiven Entwicklung für alternatives Kapital in der Rückversicherung aus. Bis 2018 erwarten wir ein Volumen von insgesamt 120 bis 150 Mrd. US-Dollar in diesem Segment.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur David Gorr.

Bild: Jan-Oliver Thofern, Vorstandsvorsitzender von Aon Benfield (Quelle: Aon Benfield)

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