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IT: Business Enabler in Echtzeit

07.10.2015 – Zsohar_Muenchner_Verein“Den Kunden dort abzuholen, wo er sich bewegt”, sieht Martin Zsohar, IT- und Servicevorstand beim Münchener Verein, als zentrale Herausforderung für Versicherer angesichts des digitalen Wandels. Im Interview mit VWheute geht er darauf ein, wie sich das Selbstverständnis der IT geändert hat – vom reinen Dienstleister zum Business Enabler.

VWheute: Wie verändert sich die Rolle der Versicherungs-IT angesichts des Strukturwandels in der Versicherungswirtschaft?

Martin Zsohar: Die Anforderungen des Marktes an die Versicherungsunternehmen und damit an die IT steigen permanent an. Dabei steht die Erhöhung der Kundenzufriedenheit an erster Stelle. So wollen Kunden ausführlich und transparent über ihre Vertragssituation informiert werden, die Bearbeitungszeiten sollen kurz sein, moderne digitale Medien zum Vertragsabschluss und zur Kommunikation sollen bereit stehen. Aufgrund des zunehmenden Konkurrenzdrucks müssen innovative Versicherungsprodukte mit Alleinstellungsmerkmalen in kurzer Zeit entwickelt werden. Gesetzliche Regularien sollen und müssen schnell und mit möglichst geringem Aufwand umgesetzt werden. Diese Anforderungen treffen bei Versicherungsunternehmen oft auf IT-Systeme, die etliche Jahre auf dem Buckel haben, wodurch ein enormes Spannungsfeld entsteht und Investitionen in IT unumgänglich werden. Gleichzeitig gibt es aufsichtsrechtliche Regelungen, wie Solvency II, und die niedrigen Zinsen, die den Investitionsspielraum stark einschränken.

IT muss helfen, all diese Anforderungen zu erfüllen, indem sie moderne flexible Systeme bereitstellt und darüber hinaus auch massiv zur Reduzierung der internen Kosten beiträgt. Sie ändert sich mehr und mehr vom Dienstleister zu einem Business Enabler, der die Fachbereiche zunehmend unterstützen muss. Es reicht nicht (mehr), auf die Anforderungen zu warten. Gefordert ist vielmehr ein proaktives Vorgehen, auch weil nur die IT die neuesten Entwicklungen kennt und damit die Chancen identifizieren und bereitstellen kann.

VWheute: Standardsoftware vs. Individuallösung. Insbesondere versicherungsspezifische Kernprozesse werden mit Individualsoftware abgedeckt. Wie sieht Ihre IT-Strategie hier aus?

Martin Zsohar: Der Münchener Verein vertritt nicht den Standpunkt, dass alles selbst entwickelt werden muss oder dies kostengünstiger ist. Vielmehr glauben wir, dass Versicherer Standardprozesse brauchen und auch Standardsysteme einsetzen können und müssen. Dies betrifft auch die Kernsysteme, also insbesondere die Bestandsführung. Es gibt viele Anforderungen, die alle Versicherer gleich betreffen, sei es SEPA, Code of Conduct oder die Bereitstellung moderner, Solvency-II-konformer Versicherungsprodukte. Kosten können durch gemeinsame Entwicklungen geteilt und reduziert werden. Wenn wir auf andere Branchen schauen, z. B. die Automobilindustrie, sehen wir unser enormes Entwicklungspotenzial in diesem Bereich.

Aufgrund der finanziellen und auch der Risikosituation ist ein schrittweises Vorgehen sinnvoll. Altsysteme müssen sukzessive ersetzt und abgeschaltet werden. Die Tendenz beim Münchener Verein geht klar zu „Buy“, aber es gibt auch weiterhin Eigenentwicklungen. Letztlich ausschlaggebend ist immer der Return on Investment der Alternativen.

Bild: Martin Zsohar, IT- und Servicevorstand beim Münchner Verein, hält beim Messekongresses „IT für Versicherungen“ am 24./25. November in Leipzig eine Keynote zum Thema „IT im Spannungsfeld von Wettbewerb, Kostendruck und Innovation“ (Quelle: Münchner Verein)

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