Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Big Data hebelt keineswegs das Versicherungsprinzip aus

28.04.2015 – Feindt“In der Versicherungsbranche können mit datengetrieben Algorithmen sehr gute Prognosen getroffen werden. Individualisierte Schadenwahrscheinlichkeiten und sogar die individuellen Verteilungen von Schadenhöhen im Schadenfall können zur Konstruktion von gleichzeitig gerechteren, profitableren und im Mittel günstigeren, d.h. auch wettbewerbsfähigen Tarifen genutzt werden”, erklärt Big Data Experte Michael Feindt.

Dass Menschen – auch bei der Entscheidung zu Schadenwahrscheinlichkeit und Risikobewertung – die Entscheidungsmacht künftig an Maschinen abgeben, hatte Michael Feindt gegenüber VWheute jüngst zurückgewiesen. Der Professor am Karlsruher Institut für Technologie ist einer der führenden Predictive Analytics-Experten in Deutschland und sieht immense Potenziale für die Versicherungswirtschaft.

“Die neuesten Algorithmen bieten sogar die Möglichkeit, jede einzelne Prognose zu begründen. Vorbeugeprogramme könnten sinnvoll angeboten werden, bevor es zum Herzinfarkt kommt. Riesige Chancen erkenne ich auch in der Medizinforschung. Auf anonymisierten und gepoolten Daten von Krankenversicherern kann man mit modernen Algorithmen sehr gute Medizinforschung betreiben, weil endlich genügend Statistik zusammenkommt, auch wenn jeder einzelne Eintrag nicht ‘qualitätsgesichert’ ist. Und man kann man viel besser Risikozuschläge bestimmen als bisher von Experten.”

Den Befürchtungen, dass eine Fragmentierung der Kollektive ungerechte Prämien zur Folge haben könnte, widerspricht er energisch:

“Wird mit Predictive Analytics das Versicherungsprinzip ausgehebelt? Nein, Ungleichbehandlung gibt es auch jetzt – z.B. Kfz-Tarife, Risikozuschläge -, und wenn diese eher zufällig sind und nicht einmal echten Risiken entsprechen, ist das System jetzt ungerechter. Die neuen “Open-Box”-Algorithmen machen es Versicherungen möglich, Einzelentscheidungen zu begründen und Aufsichtsbehörden, nicht gewollte Kriterien auszuschließen.”

Bild: Michael Feindt, Professor am Karlsruher Institut für Technologie ist einer der führenden Predictive Analytics-Experten in Deutschland. (Quelle: Blue Yonder)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten