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bAV: Schwachstellen beheben und über den Bedarf informieren

20.04.2015 – martin_bockelmann_xbAVAnstatt neue komplexe Versogungssysteme zu schaffen, sollten zunächst bestehenden Möglichkeiten zur betrieblichen Altervorsorge (bAV) verbessert werden, fordert Martin Bockelmann, Geschäftsführer der xbAV GmbH. Zudem fehle eine vertriebliche Komponente, die “dem Ziel einer höheren Verbreitung entgegen stehe”, kritisierte der Experte im Interview mit VWheute.

VWheute: Die von der Bundesregierung geplante “Nahles-Rente” sorgt für erheblichen Diskussionsstoff: Wie werten Sie die derzeitigen Vorschläge des Bundesarbeitsministeriums zur Neugestaltung der bAV?

Martin Bockelmann: Wir begrüßen es sehr, dass Bewegung in die bAV kommt. “Alles neu” ist allerdings ein Vorschlag, der die Verbreitung in den nächsten Jahren mehr hemmen als fördern würde. Der Markt müsste dann zunächst neue Lösungen entwickeln. Ich vertrete die Meinung, dass die Maßnahmen für eine höhere Verbreitung maßgeblich für die bestehenden Systeme konzipiert werden sollten. Die Energie fließt dann in Verbesserungen der aktuellen, bewährten Möglichkeiten und nicht in die Schaffung neuer komplexer Versorgungssysteme, die mittelfristig die bAV nur noch komplizierter machen. Auch läuft die fehlende vertriebliche Komponente – keine Vertriebskosten, kein Vertrieb – dem Ziel einer höheren Verbreitung entgegen. Für die bAV werden Interessierte nicht Schlange stehen, wie beispielsweise für das neuste iPhone. Es handelt sich um ein erklärungsbedürftiges Produkt, das vertrieben werden muss. Bei xbAV sind wir zuversichtlich, dass der Gesetzgeber Für und Wider der einzelnen Optionen unter Einbeziehung der Marktteilnehmer ausgiebig bewertet und die bAV nachhaltig gestärkt wird.

Staatssekretär Jörg Asmussen sagte unlängst auf der Handelsblatt-Tagung, die bAV solle für die kleinen Arbeitgeber ihren Schrecken verlieren. Welche Instrumente wären nötig, dass auch kleine und mittlere Unternehmen künftig eine sinnvolle bAV für ihre Mitarbeiter anbieten können?

Ich sehe nicht, dass die bAV der Schrecken der kleinen Arbeitgeber ist. Letztlich werden sich die kleinen und mittleren Unternehmen aber erst dann bewegen, wenn deren Mitarbeiter ihre Möglichkeiten im Bereich der bAV erkennen und einfordern.

Einer der wichtigsten Schritte hierfür ist, dass sich das Image der bAV verbessert. In den Medien wird die Entgeltumwandlung zunehmend negativ dargestellt – das verunsichert die Bürger natürlich. Eine offene Kommunikation sollte die bAV und deren Notwendigkeit als Versorgungsbaustein in seiner Ganzheit thematisieren. Deren Rentabilität im Vergleich zu anderen heute verfügbaren Vorsorgemöglichkeiten muss der breiten Öffentlichkeit verständlich erklärt werden. Aber eben auch, dass der Verzicht auf eigene Vorsorge für das Rentenalter keine Lösung ist.

Dabei wäre es der Sache dienlich, wenn die tatsächlichen Schwachstellen der bAV behoben werden. Das ist in der Wahrnehmung der Bürger in erster Linie die Verbeitragung der Leistung mit dem vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag durch den Rentner. Das stößt auf Unverständnis. Sinnvoll wäre es, diese Schwachstelle zu entschärfen und künftig nur den halben Beitragssatz, also nur den Arbeitnehmeranteil, beim Rentner in Abzug zu bringen. Eine realistische Gegenfinanzierung wäre gewährleistet, wenn die Entgeltumwandlungsbeiträge in der Beitragszeit für den Arbeitgeber Kranken- und Pflegeversicherungspflichtig gestellt würden. Damit bliebe die bAV aus Kostenersparnisgründen für den Arbeitgeber weiterhin interessant; die Attraktivität für die Vorsorgenden würde aber deutlich steigen.

Die Verwaltung der bAV ist für Unternehmen zudem mit einem nicht unerheblichen administrativen Aufwand verbunden. Was sollten externe Anbieter oder die Politik den Unternehmen an Unterstützung anbieten, um diesen Aufwand zu minimieren?

Es gibt heute bereits die Möglichkeit alle administrativen Tätigkeiten im Zusammenhang mit der bAV an spezialisierte Dienstleister auszulagern. Immer mehr KMU erkennen die damit verbundene Kostenersparnis bei gleichzeitigem Effizienzgewinn. Andere Bereiche, wie beispielsweise die Lohnabrechnung, werden in dieser Unternehmensgröße aus den gleichen Gründen ebenfalls extern organsiert. Es liegt jetzt an den Unternehmen sich dem Thema anzunehmen und die bAV als wichtiges und wertvolles Instrument der Unternehmensführung zu nutzen. Die Politik hat ihre Schuldigkeit durch die Lohnnebenkostenersparnis beim Arbeitgeber für die Entgeltumwandlung bereits getan. Für ein vollständiges Outsourcing wird nicht einmal ein Drittel der Arbeitgeberersparnis aufgebraucht. Somit profitieren Betriebe in doppelter Hinsicht: Sie stärken ihre Arbeitgebermarke ohne dass zusätzlicher finanzieller Aufwand entsteht.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Martin Bockelmann, Geschäftsführer xbAV GmbH. (Quelle: xbAV)

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