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Allianz-Chefvolkswirt Heise: “Grenzsteuersätze sind zu hoch”

21.01.2015 – HeiseIm zweiten Teil des Interviewgesprächs der beiden Allianzökonomen Michael Heise und Mohamed El-Erian zum Thema “Armut und Reichtum – die Ungleichheit in der Welt” kritisiert Heise die hohen Steuersätze für Geringverdiener in Europa im Allgemeinen und die in Deutschland im Besonderen. “Das müsse man sich genauer anschauen”, so Heise.

Auf die Frage, bestehen in den Gesellschaften auf den verschiedenen Kontinenten Unterschiede was Ungleichheit angeht, antworten Heise und El-Erian:

Heise: “Ja, es bestehen Unterschiede zwischen den Gesellschaften und es gibt keine Patentlösungen. Man kann nicht einfach nur die Reichen besteuern und den Armen geben. In den meisten Teilen Europas haben wir aktuell mit enormer Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Alles nur Mögliche muss dagegen getan werden. Um Ungleichheit, um Armut zu vermeiden, ist eine gute Ausbildung die beste politische Strategie. Menschen, die ihre Qualifikationen und ihre Kenntnisse verbessern können, haben bessere Chancen auf gut bezahlte Arbeitsplätze. Meiner Ansicht nach müssen wir uns darum in den USA und in Europa kümmern. In Deutschland und anderen europäischen Ländern müssen wir uns auch die Steuersätze von einkommensschwachen Menschen ansehen. Die Grenzsteuersätze liegen hier ziemlich hoch, das bedeutet, dass ein hoher Teil der Einkommen von Menschen, die auch nur ein kleines bisschen vorankommen, hoch besteuert wird oder auf die Sozialversicherung entfällt.”

El-Erian: “Die einzigen politischen Entscheidungsträger, die aktuell konsequent handeln, sind die Zentralbanken. Aber ihnen stehen für die gegenwärtigen Herausforderungen die nötigen Instrumente nur zum Teil zur Verfügung. Und manche ihrer Reaktionen verschlimmern die Ungleichheit noch, nicht etwa weil dies das Ziel wäre; vielmehr sind es unbeabsichtigte Konsequenzen  auf dem Weg hin zu breiter angelegten wirtschaftlichen Verbesserungen. Das können Sie in den Vereinigten Staaten ganz gut verfolgen. Auf der Wall Street verzeichnet man einen Rekord nach dem anderen, doch auf der Main Street, das heisst in der Bevölkerung an sich, gibt es noch keine spürbaren Erfolge.”

Heise: “Die Geldpolitik verstärkt das Problem der Ungleichheit definitiv. Nicht nur in den USA, die gerade einen Asset-Boom verzeichnen, sondern auch in Deutschland. Ganze 40 Prozent des deutschen Finanzvermögens entfallen auf Bankeinlagen und Sparkonten, die keine Erträge mehr erwirtschaften. Die vermögenderen Bevölkerungsschichten haben Aktien und Versicherungen, die Armen machen mit ihren Ersparnissen Verluste. Insgesamt sind die Zinserträge in Deutschland ca. zehn Milliarden Euro niedriger pro Jahr als noch vor der Krise.” (vwh)

Bild: Michael Heise, Allianz-Chefvolkswirt. (Quelle: Allianz)

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