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“Wir müssen die Stärke der Versicherer erhalten”

14.08.2017 – carsten_schneider_privatDer Bundestagswahlkampf startet in die heiße Phase. Carsten Schneider, finanzpolitischer Sprecher der SPD im Bundestag, sieht im VWheute-Sommerinterview dringenden Handlungsbedarf. Sein Forderungskatalog unter anderem: die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, einheitliche Bankenregeln die Vollendung der Bankenunion in der EU.

VWheute: Was würde die SPD nach dem Gewinn des Kanzleramts in Bezug auf die Regulierung von Finanzunternehmen, Stichwort: Cum/Ex oder Cum-cum, anders machen als in den vielen Jahren als Partner unter Angela Merkel?

Carsten Schneider: Wir würden endlich handeln und nicht länger zaudern und blockieren. Das reicht von einheitlichen Bankenregeln unter dem Stichwort “Basel IV”, die endlich vereinbart werden müssen, über die Vollendung der Bankenunion in der EU, eine Finanztransaktionssteuer einführen, für eine gemeinsame europäische Bemessungsgrundlage bei der Umsatzsteuer sorgen statt nur weitere lauwarme Initiativen ankündigen bis hin zu Regelungslücken, die wir schließen müssen, etwa bei Schattenbanken, beim Hochfrequenzhandel und bei Leerverkäufen oder dem Derivatehandel über transparente Plattformen. Deutschland muss hier in Brüssel endlich wieder engagiert kämpfen statt zu verzögern.

VWheute:Wie beurteilen sie die Versicherungslandschaft? Wo sehen sie Probleme, wo die Stärken?

Carsten Schneider: Deutschland ist traditionell ein starker Versicherungs- und Rückversicherungsstandort. Die Versicherungswirtschaft hat einen Anteil von 3,3 Prozent am deutschen Bruttoinlandsprodukt und ist für 2,7 Prozent der Beschäftigung verantwortlich, also knapp 1,2 Millionen Jobs und 90 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung. Diese Stärke müssen wir erhalten. Herausforderungen gibt es genug: das reicht von der rasant fortschreitenden Digitalisierung über die neuen Kapital- und Anlagevorschriften “Solvency II”, die ja erhebliche Umsetzungsanstrengungen erfordern, bis hin zu einer Neujustierung bestimmter Produkte.

Ich denke da beispielsweise an die Absicherung von Elementarschäden durch Hochwasser oder Unwetter oder an die klassische Lebensversicherung, deren Rendite durch das Niedrigzinsumfeld der EZB erheblich unter Druck geraten ist. Ich prognostiziere, dass sie in der heutigen Form nicht länger attraktiv sein wird, obgleich die private Vorsorge für das Alter und den Ruhestand weiter zunehmen wird.

Das sind aus meiner Sicht aber keine Schwächen, sondern Herausforderungen, denen sich die Branche stellen muss und wird.

VWheute: Wenn sie in Bezug auf die Versicherungslandschaft einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?

Carsten Schneider: Innovative Produkte, die dem Kunden nutzen, für die Gesellschaft Fortschritt versprechen.

VWheute: Was sind Ihre persönlichen und beruflichen Wünsche für den Rest des Jahres?

Carsten Schneider: Die Bundestagswahl gewinnen und für einen neuen Wachstumsschub in Deutschland sorgen.

VWheute: Wo verbringen Sie oder haben Sie in diesem Jahr Ihren Sommer-Urlaub verbracht?

Carsten Schneider: Ein paar Tage mit der Familie auf Mallorca ansonsten auf den Straßen Erfurts und Weimars im direkten Gespräch mit meinen Wählern oder denen, die es vielleicht noch werden.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

Bild: Carsten Schneider (Quelle: privat)

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