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Wie man mit dem Altern richtig rechnet

26.06.2018 – johannes_loerper_davEine Vielzahl an Variablen macht Sterbetafeln zu einem hoch komplexen Gebilde, deren Auswirkungen sich zum Teil erst in 50 bis 70 Jahren zeigen. Die Aktuare stehen in der Kritik, mit zu hohen Lebenserwartungen zum Nachteil der Versicherten zu kalkulieren. Wie die Aktuare die Sterbetafeln berechnen, erläutert DAV-Vorstand Johannes Lörper in einem exklusiven Gastbeitrag.

Die zukünftigen Sterbewahrscheinlichkeiten und damit die Lebenserwartung der Versicherten sind neben dem Zins die wichtigste Kalkulationsgrundlage für die private Rentenversicherung mit ihren lebenslangen Rentenzusagen und damit Vertragslaufzeiten von 30, 50 und mehr Jahren.

Um derartige Garantien überhaupt aussprechen zu können, bedarf es einer fundierten Datengrundlage, die nicht nur eine aktuelle Momentaufnahme darstellt, sondern auch langfristige Entwicklungen berücksichtigt. Für die meisten Versicherungsunternehmen in Deutschland ist es nahezu unmöglich, die notwendige Datenbasis für eine sachgerechte Reservierung vorzuhalten.

Für ein möglichst umfassendes Bild beruhen die DAV-Rententafeln auf einer Vielzahl von Quellen, von denen ein Datenpool mit den Todesfallstatistiken der Versicherungsunternehmen die wichtigste ist. Dank einer breiten Datenzulieferung kann die DAV dabei die anonymisierten Daten von 70 bis 80 Prozent aller deutschen Rentenversicherungsverträge auswerten.

Darüber hinaus fließen die Daten zur allgemeinen Bevölkerungssterblichkeit, die jährlich durch das Statistische Bundesamt veröffentlicht werden, und Berechnungen von internationalen Forschungseinrichtungen wie der Human Mortality Database und der Gerontology Research Group zu sogenannten Supercentenarians – Personen über 100 Jahre – sowie Auswertungen der Deutschen Rentenversicherung in die Berechnungen mit ein.

Für die Aktuare stellen sich zwei entscheidende Fragen für die Erstellung der Sterbetafeln: Werden die Trends auch künftig in dieser Form anhalten? Hierauf geben die zensusbasierten Bevölkerungstafeln des Statistischen Bundesamtes und die Daten der Rentenversicherung Bund in Kombination mit internationalen Datenbeständen eine Antwort. Und: Inwiefern sind die gesamtgesellschaftlichen Trends auf den Kundenstamm der Versicherungen übertragbar?

Denn die Versichertenkollektive können sich stark voneinander unterscheiden. So leben beispielsweise Beamte durchschnittlich länger als Angestellte und diese wiederum länger als Arbeiter. Zudem ist der bei Beamten zu beobachtende Trend, immer älter zu werden, ausgeprägter als der bei Angestellten oder Arbeitern.

Eine weitere Erkenntnis der letztjährigen Überprüfung: Anders als noch in der jüngeren Vergangenheit vermutet, ist die Lebenserwartung der noch immer sehr kleinen Gruppe der Hochbetagten in den vergangenen Jahren weniger stark gestiegen. Doch auf diese Momentaufnahme, für die es sogar international nur eine sehr beschränkte Datengrundlage gibt, können sich die Aktuare bei der Entwicklung von Sterbetafeln nicht verlassen.

Denn niemand kann heute mit Sicherheit sagen, ob die Lebenserwartung der Hochbetagten nicht in einigen Jahren (sprunghaft) steigt, wenn immer mehr Menschen 90 Jahre alt werden und die Medizin- sowie Pharmaindustrie diese Zielgruppe für sich entdeckt.

Für viele Außenstehende sind deren Zusammenhänge nur schwer nachzuvollziehen und die Aktuare sehen sich speziell von Verbraucherschützern immer wieder mit der Kritik konfrontiert, mit zu hohen Lebenserwartungen zum Nachteil der Versicherungsnehmer zu rechnen. Doch hierbei wird oft vergessen, dass ein Versichertenkollektiv nicht dem deutschen Bundesdurchschnitt entsprechen muss.

Wer sich für eine Rentenversicherung entscheidet, lebt oft gesünder und damit länger. Außerdem wäre es für die Kunden katastrophal, würden die Aktuare zu unvorsichtig rechnen, da dadurch das gesamte System der betrieblichen und privaten Altersvorsorge gefährdet wäre. Das sieht übrigens auch der Gesetzgeber so und verlangt bei der Entwicklung von Reservierungsgrundlagen den Einbau von angemessenen Puffer, um dem Grundgedanken des deutschen Vorsichtsprinzips gerecht zu werden.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Bild: Johannes Lörper ist Vorstand der Deutschen Aktuarvereinigung (Quelle: DAV)

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