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Von Bomhard: “Vieles hängt an einem dünnen Faden”

24.04.2017 – von-bomhard-150Kritik an der EZB, negative Auswirkungen der Offenlegungspflicht von Managergehältern und mangelndes Risikobewusstsein in der Kapitalbranche. Nikolaus von Bomhard, Chef der Munich Re, spricht in einem Zeitungsinterview Missstände direkt und unverhohlen an. Eine neue Finanzkrise hält er für möglich, vieles hinge “an einem dünnen Faden”.

Im Interview mit der FAZ spricht von Bomhard Klartext zur Geldpolitik der EZB. Zu Beginn der Krise hätte die höchste europäische Bank in einer schweren Krise richtig gehandelt, dann aber hätten “andere Signale” folgen müssen: “Wir halten die herrschende Geldpolitik per se für gefährlich, vor allem weil der Zins als Maß für das Risiko ausgeschaltet wird.”

Den Hinweis, dass die Politik der EZB die Krise kontrollierbar gemacht habe, lässt der Manager der Münchener nicht gelten: “Die wirtschaftliche Erholung hat wenig mit der EZB zu tun. Im Gegenteil: Vieles wäre besser, hätte sie nicht so viel getan. Dann wären beispielsweise die Reformen in den schwächeren Euroländern zügiger vorangekommen.”

Das leidige Thema Gehalt

Klare Worte, denen weitere folgen. Angesprochen auf Sinn oder Unsinn der Begrenzung von Managergehältern sagt von Bomhard, dass die Munich RE schon damals gegen das Vorhaben aufbegehrt habe, die Gehälter von Spitzenkräften zu veröffentlichen. Seit der Offenlegung stiegen die Bezüge, das sei absehbar gewesen: “Man hat unterschätzt, dass es den Menschen, auch Managern, nicht um die absolute Höhe des Gehalts geht, sondern um den Vergleich, den Abstand zu den anderen. In dem Moment, in dem ich erkenne, ein anderer bekommt mehr, entsteht der Wunsch: ich auch.” Der ehemalige CEO erklärt, selbst von dieser Spirale profitiert zu haben, auch wenn die Vergütung bei Munich Re stets “Maß und Mitte” bewahrt habe.

Was die Zukunft bringt

Der Spitzenmanger bemängelt im Gespräch offen die Kurzsichtigkeit der Finanzbranche. Diese habe aus zurückliegenden Skandalen, wie der Lehman-Pleite, nichts gelernt. Bis zum Jahr 2011 wären die Aufschläge für riskante Finanzgeschäfte hoch gewesen, doch das sei längst Vergangenheit, erklärt von Bomhard: “Das hat sich längst wieder gelegt, auch wegen der reichlich vorhandenen Liquidität, die von den Notenbanken in den Markt gepumpt wurde. Die Risikobewertung für viele Anlagearten ist bei weitem nicht mehr angemessen. Das ist nicht gesund. Das zu hohe Kursniveau wird sich irgendwann wieder auflösen.”

Die angesprochene Korrektur müsse nicht zwangsläufig schnell geschehen, hätte aber ernste Folgen: “Selbst wenn der Kurssturz nicht abrupt kommt, er wird vielen Anlegern enorm weh tun”, prophezeit von Bomhard Die Munich RE sei aber darauf vorbereitet.

In den Aussagen schwingt die Gefahr einer neuen, großen Finanzkrise mit. Eine solche Situation hält von Bomhard für real: “Vieles hängt an einem dünnen Faden.” Erklärend verweist er auf die undurchsichtige Politik in Washington, die wirtschaftliche Entwicklung in China, die Wahlen in Frankreich sowie die politische Situation in Italien. (vwh/mv)

Bild: Nikolaus von Bomhard (Bild: Quelle: Munich Re)

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