Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

“Trump-Faktor wird von Marktteilnehmern gerne benutzt”

09.11.2017 – andreas_groehl_aonDie Ratingagentur Moody’s hat trotz politischer Risiken einen positiven Konjunkturausblick für 2018 gezogen. “Ein Trump-Faktor oder ähnliche protektionistische Argumente werden zwar gerne von den Marktteilnehmern benutzt, aber die Bonitätsentscheidung eines zu versichernden Risikos steht bei den Kreditversicherern noch immer im Mittelpunkt”, betont Aon-Manager Andreas Göhl im Exklusiv-Interview mit der Versicherungswirtschaft.

VWheute: Gerade in einer globalisierten Welt mit langen Lieferketten erscheint eine Kreditversicherung als sinnvoll. Wie kompliziert ist die Berechnung der Prämie für Aktuare durch die zunehmenden Risiken in einer globalisierten Welt und wachsenden Protektionismus? Welche Faktoren müssen berücksichtigt werden und wie viel Kosten entstehen bei so einer Prämienkalkulation?

Andreas Göhl: Wenn wir von Lieferantenkrediten sprechen, die ein viel größeres Volumen haben als kurzfristige Bankkredite, dann müssen wir immer die Zahlungsziele beachten. In Deutschland beträgt das Zahlungsziel in der Regel 30 Tage. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 60 Tagen. Bei der Preiskalkulation für die Kreditversicherung spielt das eine wichtige Rolle. Allerdings gibt es bei der effektiven Preisfindung viele zusätzliche Faktoren.

Dazu gehören das Bruttoinlandsprodukt und politische Risiken. Und natürlich spielt auch bei einer Kreditversicherung der Rückversicherungsmarkt eine wichtige Rolle. Ein Trump-Faktor oder ähnliche protektionistische Argumente werden zwar gerne von den Marktteilnehmern benutzt, aber die Bonitätsentscheidung eines zu versichernden Risikos steht bei den Kreditversicherern noch immer im Mittelpunkt. Somit ermöglicht die Kreditversicherung einen Risikotransfer durch die Kompensation von unkalkulierbaren Risiken zu einem kalkulierbaren Preis.

VWheute: Wie sehen Sie die Zukunft bei der Kreditversicherung? In welchen Märkten gibt es Wachstumspotenziale und könnte es mögliche Übernahmen bzw. Fusionen unter Kreditversicherern in Europa geben?

Andreas Göhl: Die Kreditversicherer sind mit einem veralteten Technikstandard an einer Grenze angekommen und müssen sich neuen Herausforderungen stellen. Dazu zählen disruptive Technologien, künstliche Intelligenz und neuronale Netze. Dadurch ergibt sich für die Nachfrageseite neben den benötigten Risikotransferoptionen auch wieder ein Gesamtkundenerlebnis(-wert). Sofern zusätzliche Anbieter für Kreditversicherungslösungen in die Märkte kommen, wird sich aus der kompetitiven Situation eine größere Transparenz ergeben und die etablierten Anbieter stärker unter Druck setzen. Dadurch könnte es zu Übernahmen, zum Beispiel von InsurTechs, und zu Fusionen bisherige Anbieter in Europa kommen – unabhängig von etwaigen Wunschvorstellungen für Wachstumsmärkte wie China mit einem durchschnittlichen Zahlungsziel von rund 90 Tagen.

VWheute: Wenn Kreditversicherer ihre Garantien für Lieferungen z.B. an Kaufhof senken, dann wird das als Alarmsignal gewertet. Bei der Schlecker-Insolvenz haben Kreditversicherer jedoch zu spät reagiert. Schlecker wurde als solide eingestuft, obwohl die Probleme absehbar waren. Wie mächtig sind Kreditversicherer? Können diese eventuell ein Unternehmen in die Insolvenz führen, obwohl es vielleicht noch Hoffnung auf ein Überleben gibt bzw. bereits hoffnungslose Fälle durch positive Bewertungen künstlich am Leben halten?

Andreas Göhl: Die Kreditversicherer sind ein wichtiger Faktor, wenn es um Lieferantenkredite geht, und sie schützen das Kollektiv von Versicherungsnehmern. Das heißt, eine Kreditversicherung kann ein Unternehmen vor künftigen Forderungsausfällen systematisch schützen. Der Lieferantenkredit wird daher auch in Zukunft ein Instrument zur Absatzförderung für die Unternehmen weltweit sein. Ebenso kann es ohne Kreditversicherung trotz erfolgreichem Absatz zum Forderungsausfall und zum Liquiditätsproblem für ein Unternehmen kommen, sodass die Kreditversicherung ein Sicherungsmittel ohne Entwertungsrisiko ist. Bei Insolvenzen muss jeder Fall einzeln betrachtet werden. Eine Verallgemeinerung sollte man nicht vornehmen.

Sicherlich spielen die Kreditversicherer eine besondere Rolle – zum Beispiel bei der Bonitätsentscheidung – und können bei marktseitigen Störfällen sofort reagieren – wie bei einer Überfälligkeitsmeldung eines Versicherungsnehmers und bei Einleitung einer Inkassomaßnahme bei einem Versicherungsnehmer. Eine Art künstliche Beatmung von Einzelrisiken würde einem Kreditversicherer jedoch im Versicherungsfall nur einen noch größeren finanziellen Schaden bringen. Derartige Maßnahmen sind daher kein Bestandteil des Geschäftsmodells eines Kreditversicherers.

Die Fragen stelle VWheute-Redakteur David Gorr.

Bild: Andreas Gröhl ist Senior Sales Manager bei Aon Credit International. (Quelle: Aon)

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Autor:
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten