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Thiemermann über die Top 10 im deutschen Erstversicherungsmarkt: “Ich rechne mit weiteren Verschiebungen”

18.09.2017 – Michael_Thiemermann_kiviEs gibt einen klarer Gewinner bei den LV-Marktanteilen. Das zeigt eine Untersuchung des Kölner Instituts für Versicherungsinformation und Wirtschaftsdienste (KIVI), das die Veränderungen auf Konzernebene untersucht. VWheute hat mit einem der Verantwortlichen der Konzernstudie, Michael Thiemermann, kurzfristig ein Telefoninterview geführt.

VWheute: Warum ist es wichtig, sich die Konzerne und nicht die einzelnen Versicherer anzusehen?

Michael Thiemermann: Wir bei KIVI, ein Spinoff der Uni Köln, analysieren die Jahresabschlüsse der deutschen Erstversicherer, und das bereits seit vielen Jahren. Nicht nur im Bereich Leben, sondern auch in der Schaden- und Krankenversicherung. Die von Ihnen angesprochene Konzernstudie baut auf einer Vielzahl von Einzeluntersuchungen auf. Neben der Mikrosicht auf die Einzelunternehmen gibt es aber zahlreiche Interessenten, so auch große Wirtschaftsblätter, die mehr über die Makrosicht der Konzerne und deren Entwicklung wissen und berichten möchten als über einzelne Konzerntöchter.

VWheute: Sie erschaffen sich also über Einzelbetrachtungen ein dezidiertes Gesamtbild.

Michael Thiemermann: Genau, wir analysieren die Schaden-, Kranken- und Lebensversicherer in Einzeluntersuchungen und setzen obendrauf eine Konzernbeobachtung mit Blick auf die Beiträge der Konzerne. Gerade aus Zeitreihen lassen sich dann viele Entwicklungen ablesen.

Dem Konzentrationsprozess im Markt trägt die Konzernstudie Rechnung, indem alle Unternehmen eines Konzerns berücksichtigt werden, die bei der Einzelbetrachtung wegen bestimmter Kriterien vielleicht herausfallen. Das kann beispielsweise ein zu geringes Beitragsaufkommen eines kleineren Konzernunternehmens sein.

VWheute: Die Studie zeigt, dass die Generali und Ergo Marktanteile verlieren, die Allianz gewinnt dazu und die öffentlichen Versicherer stagnieren. Ihr Fazit?

Michael Thiemermann: Nach unserer Beobachtung verliert die Ergo in den letzten sieben Jahren kontinuierlich Marktanteile. Dort scheint also nicht alles so zu laufen wie im Markt. Aber der neue Vorstandsvorsitzende, Herr Rieß, hat sich ja auf die Fahne geschrieben, das zu ändern. Mal sehen, wie die Zahlen im nächsten Jahr aussehen.

Die Allianz hatte eine Delle im letzten Jahr, sie hat sich aber in diesem Jahr wieder gefangen. Es gibt viele Ursachen für Erfolg, aber wenn sie sich zum Beispiel die Kapitalanlagenseite der Allianz anschauen, dann performen die besser als viele andere. Vermutlich unter anderem deswegen, weil sie stärker in Aktien und Investmentfonds anlegen als andere, die mehr in festverzinslichen Wertpapieren investiert sind. Das kann sich gerade in Leben auch auf die Produktseite niederschlagen.

Die Generali sortiert ihre Versicherungsbeteiligungen in Deutschland neu, gerüchteweise möchte sie sich auch von der Generali Leben trennen. Auf der anderen Seite besitzen sie mit der Aachen Münchener ein erfolgreiches Unternehmen, das den Vertrieb der Deutsche Vermögensberatung im Rücken hat. Das scheint gut zu funktionieren, wenn man auf die Wachstumszahlen schaut. Weniger gut läuft es dagegen beim Ausschließlichkeitsvertrieb der Generali, denn dort sind die Zahlen rückläufig.

VWheute: Was bedeutet ihr Ranking für den Markt?

Michael Thiemermann: Die Top Ten teilen sich 70 Prozent des Marktes. In den nächsten drei, vier Jahren wird es in der Topgruppe sicherlich weitere Veränderungen geben. Die Ergo hat die Victoria im Run-off, aber ehrgeizige Wachstumspläne. Die Arag hat sich aus dem Lebensgeschäft zurückgezogen und ihre Gesellschaft verkauft. Die Generali sucht noch nach einer Lösung in Leben: wird das Lebensgeschäft verkauft, dann fallen die Prämien natürlich raus und der Marktanteil wird weiter sinken. Wie gesagt, ich rechne in den nächsten Jahren mit noch einigen Verschiebungen in der Spitzengruppe.

VWheute: Wie wichtig ist Wachstum?

Michael Thiemermann: Bei den Quoten, sei es Vertriebskostenquote oder Abschlusskostenquote, setzt ein Unternehmen den jeweiligen Aufwand in Relation zu den Prämieneinnahmen. Schrumpfen die Einnahmen bei gleichem Aufwand, dann steigen die Quoten. Deswegen ist Wachstum für die Versicherer wichtig, um die beitragsbezogenen Quoten niedrig zu halten.

VWheute: Ihr Fazit zur Konzernstudie?

Michael Thiemermann: Der Knick der Allianz ist Geschichte, sie besetzen wieder unangefochten den Spitzenplatz.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

Bild: Michael Thiemermann (Quelle: privat)

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