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Talanx räumt mit kursierenden bAV-Mythen auf

06.02.2018 – talanx_sitz_talanxFür welche Arbeitnehmer sich der Abschluss einer bAV lohnt und für welche nicht, war das Ziel eines sogenannten Effizienz-Checks. Gegenüber VWheute erläutern Fabian von Löbbecke, Vorstandsvorsitzender von Talanx Pensionsmanagement und Thomas Dommermuth, Gesellschafter und Vorsitzender des Fachbeirats des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), für wen sich bAV besonders lohnt.

VWheute: Während das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) die Debatten dominiert, haben Sie die etablierte bAV einem sogenannten Effizienz-Check unterzogen. Warum hielten Sie das für notwendig?

Fabian von Löbbecke: Über die bAV kursieren viele Mythen, mit denen wir aufräumen wollten. Frühere Studien waren häufig ideologisch voreingenommen oder methodisch nicht ganz sauber. Wir sind einen anderen Weg gegangen, indem wir die Materie frei von persönlichen Interessen, gründlich und umfassend untersucht haben. Nicht umsonst setzt sich das Experten-Team aus Wissenschaftlern und erfahrenen Praktikern zusammen.

Thomas Dommermuth: Wir haben objektiv, neutral und wissenschaftlich fundiert ermittelt, für welche Arbeitnehmer sich bAV lohnt und für welche nicht. Dazu haben wir verglichen, wieviel Netto-Rente herauskommt, wenn ein bestimmtes Budget unter gleichen Rahmenbedingungen in die betriebliche und in die private Altersvorsorge fließt. Dabei galt es, zahlreiche Faktoren und Abhängigkeiten zu berücksichtigen.

Nur ein Beispiel: In der Anwartschaftsphase profitiert die bAV davon, dass die Entgeltumwandlung steuer- und sozialabgabenfrei ist. In der Rentenphase hingegen unterliegen die Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherungspflicht, an sich ein Nachteil. Darin liegt aber gleichzeitig ein Vorteil, denn die Sozialversicherungsbeiträge senken das zu versteuernde Einkommen des Rentners. Dies und viel mehr haben wir eingerechnet.

VWheute: Wie kann man ein solches komplexes Rechenmodell methodisch und neutral umsetzen?

Thomas Dommermuth: Mit einer Software, die wir eigens für die Studie programmiert haben. Mit ihrer Hilfe konnten wir alle Beiträge und Leistungen unter Berücksichtigung sämtlicher steuerlicher Aspekte und Interdependenzen auf eine Nettobasis umrechnen. Aus dem Bruttobetrag der Entgeltumwandlung ermittelt die Software eine Betriebsrente, von der nachgelagerte Einkommensteuer, die volle Belastung mit Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner und die Einbußen bei der gesetzlichen Rente abgezogen werden.

Zum Vergleich simuliert das Tool die Höhe der Versorgungsleistung aus einem vergleichbaren Rentenversicherungsprodukt der privaten Altersvorsorge, in das der Nettoaufwand der bAV investiert wird. Die Leistungen haben wir, wie schon erwähnt, um Steuer- und Sozialversicherungseffekte bereinigt. Dabei legt die Software fortschreibende Rechnungsgrößen zugrunde. Das Ergebnis ist ein ehrlicher, weil unverfälschter Effizienzvergleich.

VWheute: Wie effizient ist die bAV denn nun wirklich?

Fabian von Löbbecke: Es kommt darauf an. Ein Kernergebnis unserer Studie ist, dass Pauschalaussagen nicht seriös sind. Über die Effizienz der bAV entscheiden Faktoren wie die Rentenhöhe, die Steuerklasse und der Brutto-Verdienst. Wenn aber der Arbeitnehmer tarifliche Sonderkonditionen nutzen kann und von seinem Chef einen Zuschuss zur Entgeltumwandlung erhält, ist die bAV immer effizienter als private Vorsorge. Und genau diese Konstellation wird durch das BRSG mit seinem obligatorischen 15-Prozent-Zuschuss bald zum Normalfall werden.

Thomas Dommermuth: Wir haben Fallgruppen gebildet, beispielsweise für Arbeitnehmer, die eine Betriebsrente unterhalb der sogenannten Bagatellgrenze von derzeit 152,25 Euro erhalten. Für sie ist bAV immer effizienter als private Vorsorge, unabhängig von Steuerklasse oder Brutto-Verdienst. Dasselbe gilt für all jene, die als Rentner Mitglied einer privaten Krankenversicherung sind. In diesen Fällen entfällt die Beitragspflicht in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Allein das hebelt die bAV bereits in die Vorteilszone.

VWheute: Sie mahnen aber weitere Verbesserungen im BRSG an. Worum geht es da?

Fabian von Löbbecke: Das BRSG hat die bAV bereits für viele Arbeitnehmer effizienter gemacht. Dafür sorgen, neben dem künftig obligatorischen, 15-prozentigen Arbeitgeberzuschuss, auch die neuen Fördermaßnahmen für Geringverdiener und die Anhebung der steuerfreien Zuwendungsmöglichkeiten. Aber einen Wunsch an den Gesetzgeber haben wir noch …

Thomas Dommermuth: … Allerdings, und dieser Wunsch ist sogar leicht erfüllbar. Mit einem kleinen, zusätzlichen Federstrich im Gesetzgebungsverfahren wäre es möglich gewesen, die Effizienz der bAV weiter auszubauen. Und zwar durch die Umstellung der Freigrenze zur Verbeitragung von fälligen Betriebsrenten in einen Freibetrag. Sobald die Betriebsrente die Freigrenze überschreitet, wird sie komplett kranken- und pflegeversicherungspflichtig.

Würde die Bagatellgrenze zum Freibetrag, müssten Rentner nur auf den übersteigenden Teil der bAV-Leistung Sozialversicherungsbeiträge entrichten. Damit würde die Vorteilsspanne der Entgeltumwandlung deutlich wachsen, und das, ohne den Sozialstaat gravierend zu belasten.

VWheute: Das BRSG hat als neue Form der betrieblichen Vorsorge das Sozialpartnermodell geschaffen. Steht es in Konkurrenz zur etablierten bAV, und wie stellt sich Ihr Unternehmen darauf ein?

Fabian von Löbbecke: Nein, keineswegs. Das Sozialpartnermodell ist eine sinnvolle Ergänzung zur etablierten bAV. Beide Systeme werden nebeneinander existieren. Einerseits rechne ich damit, dass das BRSG die bewährte bAV beflügeln wird. Andererseits bekommen Arbeitnehmer in tarifgebundenen Betrieben, die bisher vielleicht gar keine bAV angeboten haben, mit dem Sozialpartnermodell einen neuen Zugang zur Betriebsrente.

Das freut mich, übrigens auch deshalb, weil Talanx beim Sozialpartnermodell kräftig mitmischen wird. Wir arbeiten aktuell an einer innovativen Zielrentenlösung auf Basis des Pensionsfonds. Die Arbeiten sind schon weit fortgeschritten. Mehr dazu in Kürze.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bildquelle: Talanx

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