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Schick fordert mehr unabhängige Honorarberatung

15.08.2017 – gerhard_schick_privatDas Thema der Honorarberatung ist mit IDD erneut ins Blickfeld der Branche gerückt. Im VWheute-Sommerinterview bekräftigt der Grünen-Politiker Gerhard Schick den Wunsch nach “mehr unabhängiger Honorarberatung im Versicherungsvertrieb”. So biete “ein eigenständiges und wettbewerbsfähiges Berufsbild des unabhängigen Honorarberaters eine nachhaltige Beschäftigungsperspektive”.

VWheute: Cum/Ex jetzt Cum-cum-Geschäfte. Ist die Politik nicht in der Lage, solchen Geschäften Einhalt zu gebieten?

Gerhard Schick: Zunächst muss man festhalten, dass es sich bei Cum/Ex wohl um Betrug, also um Kriminalität handelt und der erste Vorwurf hierbei immer an die Täter gehen muss. Trotzdem ist richtig, dass Cum/Ex wie Cum/Cum nur durch massives Versagen auf staatlicher Seite überhaupt erst möglich war.

Zulange haben staatliche Stellen Hinweise ignoriert, vorhandene Daten nicht ausgewertet und sich vom Bankenverband auf einen falschen Lösungsweg locken lassen. In meinem Sondervotum zum Untersuchungsausschuss habe ich diese Versäumnisse und Fehler im Einzelnen dargelegt.

Diesen Untersuchungsausschuss hatte ich liniiert, gerade weil es mir wichtig ist, dass aus diesen Fehlern gelernt wird, Konsequenzen gezogen werden. Die staatlichen Stellen müssen hier besser werden, uns ehrliche Steuerzahler vor Betrügern und Steuertricks zu schützen. Dass es besser geht, zeigt etwa die Schweiz, die die Geschäfte schon 2008 unterband.

Wichtige Konsequenzen aus den Fehlern bei Cum/Ex sind etwa eine systematische Auswertung der Finanztransaktionsdaten und – in anonymisierter Form – der Steuerdaten, um Fehlentwicklungen schneller zu erkennen. Außerdem brauchen wir Transparenz, wer im Gesetzgebungsprozess an welcher Stelle Einfluss nimmt, um eigeninteressierte Vorschläge mit schädlichen Auswirkungen für die Allgemeinheit schneller erkennen zu können.

VWheute: Wenn sie in Bezug auf die Versicherungslandschaft einen Wunsch frei hätte, welcher wäre das?

Gerhard Schick: Dass Versicherungsunternehmen ein Umfeld zu schaffen, welches einen Übergang zu mehr unabhängiger Honorarberatung im Versicherungsvertrieb ermöglicht. Denn ich bin der Meinung, dass mittel- bis langfristig ein eigenständiges und wettbewerbsfähiges Berufsbild des unabhängigen Honorarberaters mitsamt eigener Honorarordnung sowohl dem Verbraucherschutz nützen wird als auch eine nachhaltige Beschäftigungsperspektive für den seit Jahren schrumpfenden Versicherungsvertrieb bieten kann.

Wir setzen uns deshalb heute für gleiche Wettbewerbsbedingungen für die unabhängige Honorarberatung ein. Hierzu gehören z.B. das verpflichtende Angebot von Netto-Tarifen oder die volle Transparenz bei Provisionen und Zuwendungen. Zudem streben wir einen Rahmenplan für den kompletten Umstieg auf die unabhängige Honorarberatung an, der Planungssicherheit schafft.

Der Versicherungsvertrieb befindet sich seit einiger Zeit in einer schwierigen Lage. Viele dort Beschäftigte machen sich Sorgen um ihre berufliche Perspektive. Das liegt vor allem daran, dass in Zeiten niedriger Zinsen Lebensversicherungen nicht mehr so attraktiv sind wie früher und Vertragsabschlüsse per Internet nicht auf die alten Vertriebsstrukturen angewiesen sind. Hinzu kommen regulatorische Vorgaben, die auf Probleme der Vergangenheit reagieren.

Für die Verbraucherinnen und Verbraucher wollen wir Interessenkonflikte verhindern. Bei einer Vermittlung auf Provisionsbasis besteht die Gefahr, dass die Produkte mit den höchsten Provisionen vertrieben werden anstatt die Produkte mit dem höchsten Nutzen. Obwohl durch Provisionen eine qualitativ hochwertige Beratung nicht ausgeschlossen ist, besteht insgesamt die Gefahr von Fehlberatungen an den individuellen Bedürfnissen der Kunden vorbei.

Wir müssen daher schon heute die gesetzlichen Voraussetzungen für einen sukzessiven Übergang von der abhängigen Provisionsberatung zur unabhängigen Honorarberatung schaffen. Dafür müssen Wettbewerbsnachteile für unabhängige Berater sofort abgebaut und ein klarer Zeitplan für den Ausstieg aus der Provisionsberatung bis zum Jahr 2030 festgelegt werden, so dass für alle Beteiligten ein planbarer und angemessener Übergangszeitraum besteht.

VWheute: Was sind Ihre persönlichen und beruflichen Wünsche für den Rest des Jahres?

Gerhard Schick: Ich wünsche mir, dass der Wahlkampf genutzt wird, um die großen Herausforderungen, vor denen unser Land steht, wirklich zu diskutieren. Die Kanzlerschaft Merkels ist geprägt durch mangelnde Führung. Bei den meisten Themen weiß man nicht, wohin die Kanzlerin dieses Land führen will, sie vermeidet klare Aussagen zur Zukunft der Automobilindustrie, zur Rente, zur Griechenland-Rettung, zur Integration der Geflüchteten oder wie sie von ihr selbst proklamierten Klimaziele erreichen will. Sie reagiert auf Umfragen, statt eine klare Vision für unser Land zu entwickeln. Das prägt bisher auch den Wahlkampf. Nötig wäre hingegen, Bürgerinnen und Bürger eine echte Entscheidung zwischen verschiedenen Zukunftskonzepten zu ermöglichen.

Das gilt auch für die Frage, wie der Primat der Politik wieder erreicht werden kann, nachdem Skandale wie Cum/Ex, und Dieselgate zeigen, wie große Unternehmen und Finanzmärkte die Politik austricksen.

VWheute: Wo verbringen Sie oder haben Sie in diesem Jahr Ihren Sommer-Urlaub verbracht?

Gerhard Schick: Meinen Urlaub habe ich in Nordspanien verbracht.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

Bild: Gerhard Schick (Quelle: privat)

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