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“Run-Off”: Vermittler behält Anspruch

07.09.2017 – norman_wirth_afwLebensversicherungs-Gesellschaften erwägen zunehmend den Run-off von Beständen. Selbst relevante Player sollen Gerüchten zufolge darüber nachdenken. Dieser Trend zeige sehr deutlich, wie Solvency II, Zinszusatzreserve und ein zu geringes Neugeschäftsvolumen die Unternehmen unter Druck setzen, erklären Experten. VWheute sprach darüber mit AfW-Vorstand Norman Wirth.

VWheute: Wie bewerten Sie den Run-off deutscher Lebensversicherer?

Norman Wirth: Wir erleben den Run-off derzeit zunehmend. Für die Kunden ist das, anders als für Branchenkenner, ja kein Massenphänomen, sondern jeweils eine Einzelfallüberraschung. Unabhängig davon stärkt es keinesfalls das Vertrauen in den Versicherungsstandort Deutschland. Für die einzelnen Unternehmen, die diese Entscheidung treffen, ist es sicherlich eine lang abgewogene und kalkulatorisch sinnvolle Entscheidung.

VWheute: Wenn ein Lebensversicherungs-Unternehmen verkauft wird, verliert der Vermittler seinen Bestand. Das kann zu einem erheblichen Einkommensverlust führen. Ist das in Ordnung?

Norman Wirth: Der Vermittler verliert seinen Bestand nicht. Allgemein gilt der Grundsatz: Die Courtage teilt das Schicksal der Prämie. Wenn also die Prämie nun an ein anderes Unternehmen gezahlt wird, sollte diesem Grundsatz folgend der Vermittler einen Anspruch auf seine Bestandsprovision gegenüber der übernehmenden Gesellschaft haben.

VWheute: Was passiert beim Run-off im Stornofall?

Norman Wirth: Ich gehe davon aus, dass der Kunde beim Verkauf seines Vertrages an eine Run-off-Gesellschaft fristlos kündigen darf. Wenn der Kunde in den Übernehmer seines Vertrages kein Vertrauen hat oder haben kann, ist das juristisch der Wegfall der Geschäftsgrundlage. Es ist doch schon ein erheblicher Unterschied, ob ich als Kunde meinen Vertrag bei einem renommierten deutschen Versicherungsunternehmen weiß oder jetzt von dem Wohl und Wehe unbekannter Finanzinvestoren abhängig bin. Eine solche Kündigung würde dann für den Vermittler sicherlich keinen Stornohaftungs- Tatbestand auslösen.

VWheute: Welche Probleme sind Ihnen schon direkt bekannt geworden?

Norman Wirth: Unter den Vermittlern scheinen die bisherigen Übertragungen kein Thema zu sein. Bislang ist mir dazu fast nichts zu Ohren gekommen. Das kann daran liegen, dass die Übertragungen nicht nur im Sinne der Kunden, sondern auch der Vermittler gut geregelt sind. Denkbar ist aber auch, dass die Einbußen der Vermittler durch solche Übertragungen bisher im Verhältnis zum Aufwand einer juristischen Auseinandersetzung zu klein waren. Das kann sich aber schnell ändern, wenn ein relevanter Player diesen Schritt geht.

VWheute: Halten Sie Maklergeschäft in der Lebensversicherung noch für zukunftsfähig?

Norman Wirth: Ich halte es mit Volker Priebe, Vorstand der Allianz Leben, der gerade erst vor ein paar Tagen im Handelsblatt wieder gesagt hat: “Die klassische Lebensversicherung ist nicht mehr erste Wahl”. Dagegen wird es sicherlich im Bereich der Versicherungsanlageprodukte, also insbesondere der fondsgebundenen Versicherungen, weiter bergauf gehen.

Das Interview führte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bild: Norman Wirth ist Geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes Finanzdienstleistung (AfW). (Quelle: AfW)

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