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“Radikale Unsicherheit” für Kapitalanleger

30.01.2017 – Heise_AllianzVon Michael Heise. 2016 war das Jahr der politischen Hiobsbotschaften: Brexit, Trump und das gescheiterte italienische Referendum sind die Chiffren einer politischen Bewegung, die sich die radikale Abkehr von der bewährten wirtschaftlichen Ordnung auf die Fahnen geschrieben hat. Mit “kreativer Zerstörung” hat dies allerdings wenig zu tun, die Umrisse einer neuen Ordnung sind nicht erkennbar.

An die Stelle konstruktiver politischer Gestaltung treten vielfach rhetorische Floskeln. Was bleibt ist radikale Unsicherheit über den weiteren Kurs. 2017 und die folgenden Jahre werden in dieser Hinsicht kaum Besserung bringen, im Gegenteil: Präsident Donald Trump zeigt in seinen ersten Amtshandlungen keinerlei Anzeichen der Mäßigung, der Brexit soll auf die “harte” Tour umgesetzt werden, mit all seinen inhärenten Widersprüchen, und zudem stehen noch entscheidende Wahlen bevor (z.B. in Frankreich).

Das wirklich Bemerkenswerte aber an dieser Konstellation: Die Finanzmärkte zeigen sich von all diesen Erschütterungen unbeeindruckt, sie eilen von Rekord zu Rekord. Es scheint als ob die Mehrzahl der Investoren beschlossen hat, einfach die Augen vor dieser ungewöhnlichen Unsicherheit zu verschließen. Es wäre allerdings fahrlässig davon auszugehen, dass dieses Nebeneinander von politischer Instabilität und wirtschaftlicher und finanzieller Stabilität von Dauer sein kann.

Die Kapitalanlage muss dabei vor allem drei Herausforderungen meistern: politische Risiken, “Normalisierung” der Geldpolitik und digitale Revolution. Die bisherigen Marktreaktionen auf die politischen Umwälzungen zeigen, dass alte Muster nicht mehr gelten – das heißt aber nicht, dass Märkte gar nicht mehr auf politische Veränderungen reagieren. Mit zunehmendem Protektionismus und Interventionismus kann sich das Bild schnell drehen. Die Anleger müssen auf der Hut bleiben, Timing und Taktik zur Nutzung kurzfristiger Gelegenheiten werden in Zukunft daher eine größere Rolle spielen.

Was für die allgemeine Politik gilt, trifft auch auf die Geldpolitik zu: Die Annahme einer geradlinigen Entwicklung ist recht naiv. Im Zuge der Rückkehr der Inflation wird auch der Ausstieg aus der extremen Geldpolitik nicht ohne Verwerfungen gelingen. Dennoch dürften die mikroökonomischen Umwälzungen die größte Herausforderung darstellen, Stichwort Digitalisierung der Wirtschaft. Dadurch werden etablierte Geschäftsmodelle auf den Kopf gestellt und ganze Branchen umgekrempelt. Dies hat natürlich gravierende Auswirkungen auf die Kapitalanlage.

Diese Herausforderungen sind unterschiedlicher Natur, haben allerdings einen gemeinsamen Nenner: Um erfolgreich zu sein, ist eine noch umfangreichere und tiefergehende Analyse des wirtschaftlichen, politischen und technologischen Umfelds erforderlich. Die Anforderungen ans Kapitalanlagemanagement werden in den kommenden Jahren noch einmal merklich steigen.

Bild: Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise spricht heute auf dem Kongress “Capital – Investment – Management” in München. (Quelle: Allianz)

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