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“Protektionismus ist falsche Antwort auf Ungleichheit”

14.08.2017 – marcel_fratzscher_diwEin Kommentar von DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Der zunehmende Protektionismus ist heute eine der größten Gefahren für die Weltwirtschaft. Es wäre jedoch zu einfach, den Protektionismus nur als Fehler populistischer Politiker abzutun. Denn der Widerstand gegen die Globalisierung hat seit der globalen Finanzkrise 2008 massiv zugenommen.

Und die Sorge der Menschen, die sich gegen Globalisierung und freien Handel aussprechen, ist verständlich: Die Ungleichheit von Einkommen und Vermögen hat in fast allen westlichen Ländern in den vergangenen 20 Jahren zugenommen und war selten so hoch wie heute. Fakt ist: In Deutschland haben die 40 Prozent mit den geringsten Löhnen heute geringere Reallöhne als noch 1995.

Auch wenn diese Ungleichheit nicht stetig zugenommen hat, so wäre es falsch und gefährlich, diesen Trend zu leugnen, denn er ist die wichtigste Ursache für den Protektionismus. Dabei zeigen Studien, dass die Globalisierung nicht der Grund für die zunehmende Ungleichheit ist. Stattdessen sind es der technologische Wandel, die geringe Chancengleichheit bei Bildung, Qualifizierung und Arbeit und auch die Machtverschiebung innerhalb von Gesellschaften, die die Zunahme der Ungleichheit bei Einkommen, Arbeit und Vermögen erklären können.

Protektionismus ist deshalb die falsche Antwort auf die zunehmenden sozialen Spannungen und den Verteilungskampf, den wir in vielen westlichen Gesellschaften erleben, und der sich in der Wahl Donald Trumps, im Brexit und einer zunehmenden politischen und sozialen Polarisierung in Europa ausdrückt.

Die Politik muss vielmehr die wirtschaftliche, soziale und politische Teilhabe durch mehr Chancengleichheit, durch mehr Investitionen in Bildung und Qualifizierung verbessern. Nur so kann unsere soziale Marktwirtschaft wieder besser funktionieren. Nur so können offene Grenzen für Güter, Dienstleistungen, Kapital und Menschen gewährleistet werden. Dies ist gerade für Deutschland als eine der offenen Volkswirtschaften der Welt von fundamentaler Bedeutung.

Bild: Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. (Quelle: DIW)

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