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“Partnerschaften werden eine viel zentralere Rolle spielen”

12.09.2017 – Dick_Johannes_AXADie Axa glaubt an das Sachversicherungsgeschäft und an Insurtechs. Bereits mehrfach ist der Versicherer durch Investitionen in diesem Bereich auffällig geworden. Johannes Dick, Leiter Konzernentwicklung von Axa Deutschland erklärt im VWheute-Interview die Intention hinter der Konzernstrategie und warum es nicht mehr reicht, “einen Vertrag nach dem anderen abzuschließen”.

VWheute: Herr Dick, Axa investierte in die Start-ups vermietet.de und Homebell. Beide sind im Bereich “mieten, wohnen, renovieren” angesiedelt und damit im großen Bereich Service und Sachversicherung. Ein Zufall, oder sieht Axa hier die größten Wachstumsmöglichkeiten?

Johannes Dick: Die Investments Homebell und vermietet.de sind beide im Proptech-Sektor beheimatet. Hier tut sich aktuell vieles, was für unsere Kunden spannend ist. Wer schon einmal einen Elementarschaden, einen Rohrbruch oder Einbruch erlebt hat, der weiß, dass die Suche nach dem richtigen Handwerker, das Einholen und Vergleichen von Angeboten und die Terminvereinbarung zeitintensiv und nervenaufreibend sein können. Als Sachversicherer sehen wir daher in Homebell einen attraktiven Kooperationspartner, der einen Beitrag leisten kann, dass unsere Kunden ihre Renovierung künftig schneller und komfortabler realisieren können. Das fügt sich bestens in bereits bestehende Serviceangebote wie “Schadenservice360° Haus” von Axa ein.

Mit vermietet.de wird der Immobilienbesitz digitaler und greifbarer. Die Software erfasst alle relevanten Informationen rund um den Immobilienbesitz und bereitet diese live und kontinuierlich für die User auf. Wer selbst Immobilien besitzt und diese auch vermietet, merkt schnell, wie sich die administrativen Aufgaben anhäufen – und wie wenig Live-Einblicke man doch erhält. Unseren Kunden kann dadurch on top ein erheblicher Mehrwert geboten werden zu unseren Versicherungsprodukten. Wir möchten hier als natürlich auch stärker als Partner unserer Kunden auftreten.

Neben Services rund um das vernetzte Haus sind Gründerideen zum Beispiel im Zusammenhang mit digitalen Gesundheitsservices für Axa als Privaten Krankenversicherer nicht minder spannend. Eine Vielzahl der Ideen, die wir sichten, stammt aus den Bereichen Vitality, Property oder Mobility. Wir sind aber für alle Themen offen und beschränken uns ausdrücklich nicht auf eine Sparte, denn das Thema Versicherung lässt sich mit nahezu jedem Thema sinnvoll verknüpfen. Wichtig ist, dass wir vom Geschäftsmodell und dem Gründerteam überzeugt sind und einen strategischen Mehrwert für den Konzern erkennen und generieren können.

VWheute: Ist die oben genannte Strategie der Ankäufe eine Idee der deutschen Axa oder die Umsetzung eines Konzernplans?

Johannes Dick: Ähnliche Initiativen sind auch in anderen Entitäten von Axa zu finden. Auch auf Gruppenebene gibt es mit Axa Strategic Ventures einen Venture Capital Arm. Als globales Unternehmen wollen wir auch global auftreten und unseren Start-ups ein internationales Geflecht anbieten, von dem sie profitieren können. Der Axa Innovation Campus verfolgt jedoch ganz klar einen deutschen Fokus. Gleichzeitig kann die Kooperation mit dem Innovation Campus die Eintrittskarte für Gründer zur Erschließung internationaler Märkte sein.

Neben nationalen und globalen Investmentmöglichkeiten haben wir auch ein internes Netzwerk von Scouts, die uns helfen, Trends frühzeitig zu erkennen. Hierzu sind wir im regelmäßigen Austausch mit unseren Partnern weltweit und stellen somit sicher, dass wir unsere internationale Präsenz optimal ausnutzen.

VWheute: Gehen wir noch einmal einen Schritt zurück. Sie sprachen davon, dass die Suche nach einem Handwerker “zeitintensiv und nervenaufreibend” sein kann. Ist das die neue Rolle des Versicherers, vom Versicherer zum Kümmerer?

Johannes Dick: Genau das streben wir mit unserer Mission “Wir geben Sicherheit” an. Der Geschäftszweck von Axa hat sich gewandelt. Es reicht längst nicht mehr, einen Vertrag nach dem anderen abzuschließen. Dieser Ansatz ist nicht nachhaltig und berücksichtigt nicht die Kundenperspektive im erforderlichen Umfang. Wir fragen uns, wie wir es schaffen können, mehr Relevanz im Alltag unserer Kunden zu erlangen.

Wir wollen mehr sein als ein Versicherer, wir wollen den Wandel schaffen: “From Payer to Partner”. Axa möchte also nicht nur im Falle eines Schadens beim Kunden präsent sein, sondern auch im Alltag in Sicherheitsfragen als verlässlicher Partner wahrgenommen werden. Dazu gehört es auch auf Kundenerwartungen und externe Ereignisse flexibel reagieren zu können und natürlich den richtigen Service rund um das Thema Sicherheit zu bieten.

Der Axa Innovation Campus sucht daher aktiv nach Gründerideen, die das Potenzial haben, zukunftsfähige Versicherungslösungen und Mehrwerte für Versicherte zu schaffen, das heißt wir helfen Kunden dort, wo ihr Leben stattfindet, egal ob in den eigenen vier Wänden oder unterwegs.

VWheute: Wie wird sich das Geschäftsfeld Sachversicherung bis zum Jahr 2027 verändern, und in welchen Bereichen ist ein Rückgang oder Wachstum zu erwarten?

Johannes Dick: Ich glaube, dass wir in den nächsten Jahren mehr Veränderungen sehen werden als im gesamten vergangenen Jahrzehnt. Partnerschaften werden eine viel zentralere Rolle spielen und Versicherungslösungen werden mehr und mehr Bestandteil einer übergreifenden Bedarfsdeckung werden.

Beispielsweise denken wir nicht mehr in Kfz-Policen, sondern eher in Mobilitätslösungen. Der große Umbruch wird nicht mehr in den Policen, sondern im Drumherum stattfinden. Was können wir innerhalb der Wertschöpfungskette tun, um den Kunden ganzheitlich und ein Leben lang begleiten zu können? Hier müssen wir weiter über den Tellerrand der eigenen Branche hinausschauen.

VWheute: Kaufen die Versicherer Start-ups und Insurtechs, weil ihnen selbst nichts Neues mehr einfällt und sie keine besseren Anlagemöglichkeiten finden?

Johannes Dick: Wir müssen als Branche offen sein für neue Ideen, andere Branchen und Kooperationen. Wir glauben daran, dass insbesondere durch die gezielte Zusammenarbeit zwischen Start-ups und großen Konzernen wie Axa Innovationen schneller vorangetrieben werden können – auf der einen Seite die Erfahrung, große Kundenbasis, das Verkaufsnetzwerk beziehungsweise der Marktzugang sowie Funding-Möglichkeiten und auf der anderen Seite die kreativen, schnellen und technisch versierten Start-ups.

Am Ende des Tages geht es beiden Seiten darum, sich für die Zukunft gut aufzustellen. Wir wollen die Digitalisierung im Unternehmen vorantreiben, den Kontakt zum Kunden verstärken und unser Serviceangebot vertiefen. Start-ups wollen wachsen. Durch die Zusammenarbeit mit uns erhalten Start-ups Zugang zu einem sehr großen Pool potentieller Kunden und sie können ihre Produkte und Services in einem Live Umfeld testen und weiterentwickeln. Dies hilft ihnen das Produkt viel schneller zu perfektionieren und skalierbar zu machen. Wir helfen Start-ups somit beim Erwachsenwerden, zugleich können wir uns im Gegenzug an den Puls der Zeit anpassen.

Innovative Ideen kommen aber auch von unseren Mitarbeitern. Axa intern haben wir beispielsweise mit Transactional Business eine eigene agile Einheit geschaffen, deren Ziel es ist, innovative Geschäftsansätze zu finden, die den veränderten Kundenwünschen Rechnung tragen. Das interdisziplinäre Team arbeitet seit 2015 daran, Kunden Sicherheit und Komfort im täglichen Leben zu bieten – also neue Lösungen zu finden und in den Markt zu bringen, die weit über das klassische Versicherungsgeschäft hinausgehen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

Bild: Johannes Dick (Quelle: Axa)

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