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“Neiddebatten bringen uns nicht weiter”

23.01.2017 – wiltrud_pekarek_hallescheVon Wiltrud Pekarek. Unser duales Gesundheitssystem ist eines der besten im internationalen Vergleich. Die Konkurrenz zwischen der GKV und der PKV ermöglicht die gute Gesundheitsversorgung, die wir in Deutschland haben. Die Kostenübernahme in der PKV für innovative diagnostische Methoden, wie die Herz-Computertomografie, zwingt die GKV auch neue Behandlungsmethoden zu finanzieren.

Die hohe Qualität unserer medizinischen Möglichkeiten bietet flächendeckende Versorgung und den Zugang zu medizinischen Innovationen. Dabei sorgt die Dualität für eine stabile Finanzierung der medizinischen Versorgung. Derzeit sind 89 Prozent der deutschen Bevölkerung in der GKV und elf Prozent in der PKV vollversichert. Die Honorare der Ärzte werden jedoch zu 25 Prozent von privat Versicherten getragen. Erst durch diese Finanzierung sind medizinischer Fortschritt und hohe Behandlungsqualität gesichert. Der Mehrwert durch die PKV kommt somit allen Versicherten zu Gute.

Die Frage, die sich stellt ist, ob diese Behandlungsqualität und die Finanzierung dauerhaft gesichert sind, wenn es eine Bürgerversicherung geben wird, deren Hauptgesichtspunkte Gerechtigkeit und Solidarität sind. Die Leistungsausgaben im Gesundheitssystem werden in den kommenden Jahren stark anwachsen. Die Hauptgründe dafür sind die demographische Entwicklung und der weiterhin dynamische medizinische Fortschritt. Der Anteil an Erwerbsfähigen wird sich in den kommenden Jahren merklich reduzieren während die Lebenserwartung weiter zunehmen wird.

Bürgerversicherung verstärkt demografischen Trend

Das heißt, immer weniger Erwerbsfähige müssen immer mehr Rentner finanzieren. Diese Rechnung wird vor dem Hintergrund der steigenden Leistungsausgaben im umlagefinanzierten System der GKV nicht aufgehen. Eine Bürgerversicherung würde die Finanzierungsproblematik dabei nur noch verschlimmern und wäre für künftige Generationen eine massive Belastung, um nicht gar von einer Generationenungerechtigkeit zu sprechen. Ganz zu schweigen von den volkswirtschaftlichen Auswirkungen einer Einheitsversicherung. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung geht dabei von einem Abbau von bis zu 51.000 Arbeitsplätzen in der PKV aus.

Was wir brauchen, um unseren hohen medizinischen Standard zu erhalten, ist eine Stärkung unseres dualen Gesundheitssystems. Die vermeintliche Behandlungsgerechtigkeit – festgemacht an den Schlagworten Zweiklassenmedizin und Wartezeiten – würde in einer Bürgerversicherung auf Kosten wichtiger Kriterien wie Generationengerechtigkeit, Finanzierbarkeit, Effizienz, Demografiefähigkeit und Innovation schlussendlich zu einem schlechteren Gesundheitssystem für alle führen. Daher müssen wir im Ringen um die bestmögliche Fortentwicklung unseres sehr guten Gesundheitssystems eine Qualitätsdebatte führen.

Nachhaltige Finanzierbarkeit und die bestmögliche Behandlungsqualität für alle sind dabei in den Fokus zu stellen. Gerechtigkeits- und Neiddebatten sind natürlich einfacher zu führen, enden aber schlussendlich in einer Sackgasse. Denn Gerechtigkeit – wie auch immer definiert – führt nicht zu Qualität wie im dargelegten Sinne.

Bild: Wiltrud Pekarek, Vorstand der Alte Leipziger-Hallesche, spricht heute auf dem Leipziger Gesprächskreis zu strategische Fragen und Handlungsoptionen der PKV auch über die Bürgerversicherung (Quelle: Alte Leipziger-Hallesche)

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