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Montgomery: “Krankenkassen sind keine Sparkassen”

08.03.2017 – Montgomery_ BundesaerztekammerDie gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr ihre Gesamtreserven auf 25 Mrd. Euro ausgebaut. Dies geht aus den vorläufigen Finanzergebnissen hervor, die am Montag vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlicht wurden. Ärztekammerpräsident Frank Ulrich Montogmery fordete die Kassen nun auf, die Überschüsse in die Patientenversorgung zu investieren.

“Viele Versicherte fragen sich zu Recht, warum ein großer Teil ihrer Beitragsgelder nicht in der Patientenversorgung ankommt. Da bunkern die Krankenkassen mehr 25 Milliarden Euro Überschüsse, obwohl für die dringend notwendige Neuausrichtung unseres Gesundheitswesens an allen Ecken und Enden das Geld fehlt. Viele Menschen finden in ihrem Ort keinen Arzt mehr oder müssen kilometerweit fahren”, kritisiert Montgomery die Milliardenüberschüsse der Kassen.

“Die Krankenkassenfunktionäre horten Milliarden, fordern aber zum Sparen und zu Klinikschließungen auf”, wirft Montgomery den gesetzlichen Kassen vor. Daher sei es “einfach nicht vermittelbar, dass die Krankenkassenfunktionäre auf dem Geld der Versicherten sitzen oder es für interne Bürokratie verplempern. Nach der neuesten Statistik liegen die Nettoverwaltungskosten der Kassen bereits einen Prozent über den Ausgaben für Hilfsmittel”.

“Krankenkassen sind aber keine Sparkassen. Ihre gesetzliche Aufgabe ist es, ausreichend Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern. Dazu gehört auch, den weiteren Ausbau sektorenübergreifender Strukturen finanziell zu unterstützen”, fordert der Präsident der Bundesärztekammer.

Milliardenüberschuss für Krankenkassen

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministerium haben die Krankenkassen im vergangenen Jahr einen Überschuss von rund 1,38 Mrd. Euro erzielt. Damit steigen die Finanz-Reserven der Krankenkassen auf mehr als 15,9 Mrd. Euro. Ende 2016 betrug die Gesamtreserve von Krankenkassen und Gesundheitsfonds insgesamt 25 Mrd. Euro. Dabei erzielten allein die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) einen Überschuss von 935 Mio. Euro.

Die Ersatzkassen haben 2016 mit einem Plus von 321 Mio. abgeschlossen. Die Betriebskrankenkassen (BKK) kamen auf einen Überschuss von 29 Mio. Euro. Die Knappschaft-Bahn-See kam auf ein Plus 100 Mio. und die landwirtschaftliche Krankenversicherung von 34 Mio. Euro. Lediglich die Innungskrankenkassen (IKK) wiesen ein Defizit von 33 Mio. Euro aus.

Demnach standen den Einnahmen der Krankenkassen von rund 224,15 Mrd. Gesamtausgaben von rund 222,77 Mrd. Euro gegenüber. Dabei stiegen allein die Arzneimittelausgaben um 4,1 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro. Die Ausgaben für ärztliche Behandlungen stiegen laut Bundesgesundheitsministerium um rund 4,3 Prozent auf 1,52 Mrd. Euro. Für die Krankenhausbehandlungen wendeten die Kassen im vergangenen Jahr rund 2,66 Mrd. Euro mehr auf (plus 3,8 Prozent). Die AUsgaben für Präventionsleistungen stiegen um 55 Prozent auf 485 Mio. Euro (plus 172 Mio.). Die Förderung der Hospize kostete die Kassen rund 45 Mio. Euro, die ambulante Palliativversorgung rund 73 Mio.

“Die gesetzliche Krankenversicherung steht mit Reserven von 25 Milliarden Euro weiterhin auf einer guten Grundlage. Das zeigt, die Panikmache, mit der Versicherte verunsichert wurden, hat sich als falsch erwiesen. Wir haben die notwendigen Verbesserungen, etwa im Bereich der Prävention, der Hospiz- und Palliativversorgung oder der Stärkung von Stationspflege und Hygiene im Krankenhaus, mit Augenmaß und stets mit Blick auf ihre langfristige Finanzierbarkeit auf den Weg gebracht”, kommentierte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe die Zahlen. (vwh/td)

Bild: Frank Ulrich Montgomery (Quelle: Bundesärztekammer)

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