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“Lebensmittel versichern, ist emotionaler als Gebäude”

31.01.2018 – Petra Bauke_frueher Hofmann_Allianz_MMAgrarVor etwa einem halben Jahr hat Petra Bauke ihren Vorstandsjob bei der MMAgrar angetreten. Spätfrost, Schweinepest und einige weitere Bewährungsproben später hat Bauke, damals noch Hofmann, mit VWheute über den Wechsel zum Agrarversicherer, Einarbeitung in ein neues Themenfeld und die Besonderheiten der Agrarversicherung gesprochen und zum ersten Mal von “Folientunneln” gehört.

VWheute: Frau Bauke, wie liefen die ersten rund sieben Monate bei der MMAgrar, was hat gut geklappt, was haben sie sich einfacher vorgestellt?

Petra Bauke: Es war eine ganz besonders spannende Zeit für mich. Ich konnte und kann mich auf Dinge fokussieren, die ich wirklich mag. Landwirtschaft, Versicherung und Führung sind Themen, die mir Spaß bereiten.

Gut geklappt hat die Einarbeitung in das Unternehmen MMAgrar, in die Produktwelt, die Kultur, das Führungsverständnis und die Mitarbeiter. Herausfordernd war das letzte Jahr auf jeden Fall hinsichtlich der Extremwetterereignisse. Wir hatten das schwerste Frostereignis seit 1991. Binnen weniger Tage wurden uns auf über 2.500 Hektar Frostschäden gemeldet. Ich konnte beim gegenseitigen Helfen in dieser herausfordernden Situation ein besonderes Maß an Kollegialität erleben. Gemeinsam Probleme lösen – ist hier ganz selbstverständlich.

Positiv beeindruckt war ich wie vielfältig das Produktangebot einer Agrarversicherung ist – von Greifvögeln über “normale” Nutztiere bis hin zu “Folientunneln” ist alles dabei.

VWheute: Sie waren zuvor bei der Versicherungs-AG, der BKK Allianz und der Allianz Deutschland AG. Was befähigte sie zu der Aufgabe als Vorstand bei einem Agrarversicherer, wieviel Wissen muss man mitbringen, was sich aneignen?

Petra Bauke: Ich bin hier in der MMAgrar sehr froh, dass ich auf einen so reichen Erfahrungsschatz aus meinen Aufgaben bei der Allianz zurückgreifen kann. Versicherungen funktionieren ja erst einmal sehr ähnlich – und so kann man das Wissen zu Kalkulation, Produktentwicklung, Betrieb und IT sehr gut einsetzen. Aber das hilft natürlich noch nicht beim Thema Landwirtschaft. Um auch diesen Aspekt der Arbeit abzudecken, habe ich mich in der Allianz über ein Jahr sehr intensiv mit der Agrarwirtschaft auseinander gesetzt. Da standen viele Besuche bei Landwirten auf dem Programm, aber auch Messebesuche, Tagungsbesuche und Seminare. Und natürlich ist es wichtig, ein starkes Expertenteam um sich zu haben. Rund 80 Prozent unserer Mitarbeiter sind studierte Agrar- und Forstwissenschaftler.

Und dann gibt es natürlich auch noch das Vorstandsmandat an sich. Hier wurde ich in der MMAgrar top vorbereitet – durch Seminar und viele Gespräche mit unserem Vorstandsvorsitzenden Herrn Buchhierl und meinen Vorstandskollegen. Intensiver hätte ich mir eine Vorbereitung und Einarbeitung in so einen Job nicht wünschen können.

VWheute: Wie genau muss man sich die Einarbeitung in ein neues Themenfeld, wie die Agrarversicherung, vorstellen, gerade wenn man wiae Sie für den Bereich “Betrieb und Schadeninnendienst” zuständig ist?

Petra Bauke: Zuerst ist es wichtig, sich einen guten Überblick über das Wesentliche zu verschaffen. Dazu ist es für mich selbstverständlich, erst einmal meinen Mitarbeitern zuzuhören und offen zu fragen, was sie bewegt. Aus meiner bisherigen Erfahrung habe ich aber auch gelernt, dass man nur mit einem Überblick nicht weit kommt. Ich suche mir gleich am Anfang Themen aus, die ich in aller Tiefe verstehen will. Hier in der MMAgrar war das zum Beispiel die Schweineertragsausfallversicherung. Die kann ich Ihnen jetzt im Schlaf vorrechnen.

Ein weiterer Schritt war in Richtung Vertrieb und Kunde. Es ist enorm wichtig, auch mal durch einen Stall zu laufen und sich die Themen der Landwirte anzuhören. Zu meinem Bereich “Betrieb und Schadeninnendienst” gehört auch die Produktentwicklung und da ist für mich der Fokus ganz besonders auf dem Kunden. Aber die Einarbeitung ist noch lange nicht zu Ende und ein fortlaufender Prozess. Ich möchte noch tiefer in die Vertriebs-, Produkt- und Marketingstrategie einsteigen und erkennen, was noch an Stärken in unserem Unternehmen steckt.

VWheute: Was ist die Besonderheiten bei der Agrarversicherung, wie unterscheidet sie sich von anderen Versicherungsbereichen, was ist gleich?

Petra Bauke: Agrarversicherung ist für mich näher am Leben. Seit ich mich mit Landwirtschaft beschäftige, schaue ich mir Landschaften mit Tieren, Pflanzen, Biogasanlagen ganz anders an. Wir versichern unsere Lebensmittel – das ist einfach emotional schon etwas anderes als bei einer Gebäudeversicherung.

Vom versicherungstechnischen Standpunkt aus sind unsere Tier- und Pflanzen-Versicherungen ähnlich einer Betriebsunterbrechungsversicherung und somit vergleichbar. Neu ist jedoch die große Abhängigkeit vom Wetter, welches einfach nicht beeinflussbar ist. Den großen Unterschied macht der Kunde – unsere landwirtschaftlichen Betriebe wollen auch von landwirtschaftlichen Profis begleitet werden. Der Anspruch an das Know-how unserer Mitarbeiter und Außendienstler ist sehr hoch. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir ein so starkes Agrar-Expertenteam haben.

VWheute: Letztes Jahr der Spätfrost, jetzt die Schweinepest, jedes Jahr eine große Krise. Wie muss man als Versicherer in solch angespannten Situationen reagieren gegenüber den Versicherten, Journalisten und dem eigenen Konzern? Wird es auch mal (sehr) hektisch?

Petra Bauke: Wie in jedem Job gibt es hektische Zeiten. Doch ich denke, dass wir gerade als Vorstände mit Hektik nichts bewegen. Wir brauchen einen klaren Kopf, um entscheiden zu können und den Mitarbeitern einen Weg aufzuzeigen, wenn es herausfordernd wird. In solchen Situationen müssen wir ein beständiger Partner für unsere Versicherten sein. Deshalb bereiten wir uns auf solche Situationen sehr sorgfältig vor und nehmen der Situation damit die Hektik.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz .

Bild: Petra Bauke (Quelle: MMAgrar)

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