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“Vertragliche Obliegenheiten definieren die Spielregeln”

21.12.2017 – andreas_groehl_aonWirtschaftlich geht es den Kreditversicherern in diesen Tagen eigentlich prächtig. Während die Combined Ratio in den ersten neun Monaten des Jahres gesunken ist, haben die Unternehmen kräftig verdient. “Besonders durch die gute Entwicklung der Claims-Ratio konnten die Kreditversicherer ihre Rendite aufrechterhalten, obwohl die Preise in der Kreditversicherung seit Jahren sinken”, konstatiert Andreas Göhl von Aon.

VWheute: In Deutschland ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in diesem Jahr weiter rückläufig. Was bedeutet dies für die Kreditversicherer?

Andreas Göhl: In der Kreditversicherungswirtschaft gibt es zwei wichtige Bezugsgrößen: Das Exposure, das ist die Summe aller gezeichneten Limite der Kreditversicherer, und die Claims-Ratio, das ist das Verhältnis von Schadenzahlungen zu Einnahmen der Kreditversicherer.

Schon seit dem Ende der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 entwickeln sich Exposure und Claims-Ratio im Zusammenhang mit einem Rückgang der Unternehmensinsolvenzen positiv. Besonders durch die gute Entwicklung der Claims-Ratio konnten die Kreditversicherer ihre Rendite aufrechterhalten, obwohl die Preise in der Kreditversicherung seit Jahren sinken – jedenfalls für Versicherungsnehmer, die keine hohen Schäden geltend machen.

VWheute: Sie sprechen in Ihrem aktuellen Buch “Die Kreditversicherung” von Spielregeln bei einer Kreditversicherung. Definieren Sie diese doch bitte.

Andreas Göhl: Bei einer Kreditversicherung sind die Spielregeln in den allgemeinen Versicherungsbedingungen beziehungsweise durch die vertraglichen Obliegenheiten definiert. Die Obliegenheiten einer Kreditversicherung sind vielfältig im Bereich der Fristen – zum Beispiel bei einer Zahlungszielüberschreitung – und bei den sonstigen vertraglichen Pflichten. Das kann zum Beispiel eine Anbietungspflichtverletzung sein, die vorliegt, wenn es ein Versicherungsnehmer unterlässt, einen fälligen Einschluss- oder Erhöhungsantrag zu stellen.

Bei der Erfüllung von vertraglichen Obliegenheiten sind der Versicherungsnehmer und gegebenenfalls alle mitversicherten Gesellschaften einzeln verantwortlich. Sofern bei der Prüfung im Versicherungsfall für den Kreditversicherer ein Verstoß gegen die Spielregeln offensichtlich ist, kann dieser eine Schadenregulierung ablehnen. Dann muss der Versicherungsnehmer den Schaden selber tragen.

VWheute: Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen bei der Anwendung und Verwaltung einer Kreditversicherung?

Andreas Göhl: Es ist sehr anspruchsvoll, die komplexen Spielregeln und alle Faktoren, die Einfluss auf den Kreditversicherungsschutz haben, stets im Blick zu haben. Hier bietet ein Informationssystem für das Kreditrisikomanagement eine sehr gute Unterstützung – unabhängig von allen anderen Systemen, die von den Unternehmen zur Ressourcen-Steuerung genutzt werden. Von den Kreditversicherern gibt es inzwischen Standardsoftware-Lösungen für die Versicherungsnehmer.

Atradius bietet dafür Atrium an, bei Euler Hermes heißt das System SmartView. Diese Angebote können aber eine Individualsoftware-Lösung als echtes Informationssystem für das Kreditrisikomanagement nicht ersetzen. Diese werden zum Beispiel von Unternehmen wie der Prof. Schumann GmbH angeboten.

Bei Individualsoftware-Lösungen können wichtige Informationen abgebildet werden. Dazu gehören Limite (Höhe und Ausnutzung), Rating (Verbesserungen und Verschlechterungen), Zahlungsziele (Veränderungen und Überschreitungen) und Obliegenheiten (Fristen und Meldungen). Mit so einem Informationssystem kann ein Unternehmen die Kreditversicherung vollumfänglich abbilden, die vielfältigen Obliegenheiten systematisch steuern und eine revisionssichere Grundlage schaffen. Die Investition in ein System amortisiert sich in nur wenigen Jahren.

Allerdings müssen die Systeme in der Zukunft auch mit der Digitalisierung der Wirtschaft Schritt halten. Der Gestaltungsspielraum eines Versicherungsnehmers beim Kreditrisikomanagement wird durch ein gutes System erhöht. Es kann einen Beitrag zum Risikoportfolio-Management in einem Unternehmen leisten. Zudem kann eine Individualsoftware-Lösung die Option für ein aktives Kreditrisikomanagement ohne Kreditversicherung oder beim Ausfall der Kreditversicherung sein.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Link: Buchtipp: Die Kreditversicherung (Online-Shop)

Bild: Andreas Göhl ist Senior Sales Manager bei Aon Credit International. (Quelle: Aon)

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