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Klaus Wiener: “Regulierung muss Wachstum zulassen“

27.02.2017 – Klaus Wiener - quelle GDV“Gerade auf den globalen Finanzmärkten können wir keinen Wettbewerb um die weichsten Regulierungsvorschriften brauchen. Das ist eine Frage gleicher Wettbewerbsbedingungen”, kommentiert der Chefvolkswirt des GDV, Klaus Wiener, den Spagat zwischen angebrachter und überzogener Regulierung, die Folgen eines harten Brexits und die Wirtschaftspolitik von Donald Trump.

Kleine und große, inländische und ausländische, etablierte und neue Unternehmen wie Insurtechs sollten alle auf demselben Spielfeld nach denselben Regeln spielen müssen, so Wiener. Aus der Finanzkrise seien viele Lehren gezogen worden, die zu einer deutlich verschärften Regulierung geführt haben. Dennoch sollte das Ausmaß einer Regulierung stetig überprüft werden. Die mit der Einführung und dem Betrieb des Systems verbundenen Kosten seien enorm. “Regulierung muss effizient sein und Wachstum zulassen”, kritisiert Wiener.

Als Beispiel nennt der Experte die Vorschriften nach Solvency II: “Die halten wir Versicherer teilweise für zu hoch angesichts des tatsächlichen Risikos.” Die Formel zur Berechnung der Zinszusatzreserve für Lebensversicherungen spiegele die reale Welt längst nicht mehr wider und belaste Lebensversicherer unverhältnismäßig. Die Reformpläne der betrieblichen Altersvorsorge sieht der Experte kritisch: “Da soll Versicherern verboten werden, Produkte mit Garantien anzubieten. Das sollten die Tarifpartner selber entscheiden dürfen, welche Risiken ihren Mitgliedern zuzumuten und welche abzusichern sind.”

Für das transatlantische Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa für die Versicherungsbranche wünscht sich Wiener, dass die jahrelange Vorarbeit für dieses Abkommen nun erfolgreich zu Ende gebracht wird, weil es für eine Angleichung der Wettbewerbsbedingungen sorge. EU-Parlament und US-Kongress müssen der Einigung noch zustimmen. Grundsätzlich habe der US-Markt eine sehr hohe Bedeutung für die Kapitalanlage in Europa. “Steigen die Zinsen in den USA, wird dies nicht ohne Folgen für die Anleihemärkte im Euro-Raum bleiben. Ähnliches gilt für die Aktienmärkte”, fasst Wiener zusammen. Deutsche Versicherer investierten direkt in den USA in US-Staatsanleihen und in Aktien. Die neuen Produkte der Lebensversicherer erlaubten eine risikoreichere, damit potenziell auch renditeträchtigere, Anlagestrategie auch im Ausland. Wenn die USA die Finanzmarktregulierung lockere, würde für Europa der Wettbewerbsdruck zunehmen und damit der Druck auf die europäischen Aufsichtsbehörden.

Den europäischen Aufsichtsrahmen Solvency II sieht Wiener durch den Brexit nicht in Gefahr. Der Start vor einem Jahr sei gelungen. Trotz weiter gesunkener Zinsen auf zuvor kaum vorstellbare Niveaus zeigten die Bedeckungsquoten, dass die Lebensversicherer in Deutschland ausreichend kapitalisiert sind. Selbst der gerade durchgeführte Stress-Test von EIOPA, dem wirklich harte Annahmen zu Grunde lagen, habe ergeben, dass 99,98 Prozent der Versicherer in Europa gemessen am erforderlichen Solvenzkapital gut aufgestellt sind: “Natürlich haben auch die Vertreter Großbritanniens in der langen, 15-jährigen Phase der Vorbereitung dazu beigetragen, dass das neue Aufsichtsregime jetzt zu den besten und modernsten der Welt gehört. Mit einem Austritt Großbritanniens aus der EU wird sich hieran zunächst nichts ändern”, analysiert der GDV-Volkswirt. (vwh/wo)

Die Zitate sind Auszüge aus einem Interview mit GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener, das der GDV nach eigener Aussage kommende Woche veröffentlichen wird.

Bild: Klaus Wiener (Quelle: GDV)

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