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Kantak: Solidarität verbietet Fitness-Rabatte

28.06.2017 – ralf_kantak_woSDK-Vorstandschef Ralf Kantak hält offensichtlich nicht viel von Telematik-Tarifen und Fitness-Rabatten in der PKV. “Ich sehe dadurch das Solidarprinzip der Versichertengemeinschaft gefährdet”, betont er im Exklusiv-Interview mit VWheute: “Der gläserne Kunde ist nicht die Politik unseres Hauses. Beitragsabschläge dürfen und wollen wir nicht dem Zufallsprinzip überlassen.”

VWheute: Sie sagen, dass die Finanzkraft eines privaten Krankenversicherers für den Kunden immer wichtiger werde. Warum?

Ralf Kantak: Das sichert die Stabilität der Tarife. Wenn sich ein Kunde auf viele Jahrzehnte an uns bindet, braucht er die Gewissheit, dass es uns auch in zwanzig Jahren und mehr noch gibt und die Prämien bezahlbar bleiben. Die SDK verfügt über hohe Rückstellungen, durch die auch Beitragsspitzen abgefedert werden können und die Tarife damit langfristig finanzierbar sind. Der Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) haben wir in 2016 89,3 Mio. Euro zugeführt. Das sind gegenüber dem Vorjahr mit 72,1 Mio. Euro nochmals 23,8 Prozent mehr.

VWheute: Ihre Kapitalanlage-Rendite ist erstaunlich gut. Was machen Sie besser als andere?

Ralf Kantak: Wir setzen in der Kapitalanlage erfolgreich auf Diversifikation. Neben dem Direktbestand mit langfristiger Anlage und niedrigem Risiko gibt es als zweites Standbein ein Ertragsportfolio, bei dem weltweit in Renten, Credits, Immobilien, Aktien und Währungen angelegt wird. Unser Kapitalanlagen-Ergebnis wurde im Vergleich zu 2015 – trotz der weiterhin bestehenden Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten – nochmals um plus 6,5 Prozent auf 215 Mio. Euro gesteigert.

Die Nettoverzinsung blieb mit 3,8 Prozent auf Vorjahresniveau. Um trotz der anhaltend niedrigen Zinsen langfristig erfolgreich in der Kapitalanlage zu bleiben, fügen wir nun mit unserer Immobilienstrategie ein drittes Standbein hinzu. Aufgrund des in manchen Regionen zum Teil gravierenden Wohnungsmangels und der vergleichsweise attraktiven Renditen im Immobiliensektor planen wir in diesem Bereich langfristig bis zu zehn Prozent der Kapitalanlage einzusetzen.

VWheute: Die Betriebliche Krankenversicherung wird als Wachstumsmarkt bezeichnet. Wie wollen Sie Unternehmen davon überzeugen, dieses Produkt abzuschließen?

Ralf Kantak: Wir verstehen uns als einer der Pioniere auf dem Gebiet der Betrieblichen Krankenversicherung. Gerade mittelständische Unternehmen nehmen das Thema Gesundheit der Mitarbeiter immer ernster, wie zahlreiche Umfragen belegen. Einer der Gründe dafür ist die langfristige Bindung von Fachkräften. Wir stellen mit unserer Betrieblichen Krankenversicherung maßgeschneiderte Konzepte für unsere Firmenkunden bereit. Je nach den Wünschen der Arbeitgeber und der Belegschaft können Risiken auch preisgünstig für deren Familien abgesichert werden. Zudem bieten wir mit unserem Tochterunternehmen gesundwerker ein professionelles betriebliches Gesundheitsmanagement an.

VWheute: Ab 1. Juli haben Sie mit Olaf Engelmann wieder einen neuen Vertriebsvorstand. Was sind dessen Aufgaben in den ersten 100 Tagen?

Ralf Kantak: Wir haben im Vertrieb ambitionierte Ziele und wollen daher unsere Vertriebspotentiale kräftig ausbauen. Hierauf wird Herr Engemann einen wesentlichen Schwerpunkt seines Wirkens setzen. Die Zusammenarbeit mit den Volks- und Raiffeisenbanken in der Genossenschaftlichen Finanzgruppe ist hier als ein wichtiges Themenfeld zu nennen. Außerdem streben wir eine Intensivierung des Maklergeschäfts, der Kooperationen und des Firmengeschäfts an.

VWheute: Sie stehen Telematik-Tarifen und Fitness-Rabatten kritisch gegenüber. Was sind Ihre Argumente dagegen?

Ralf Kantak: Telematik-Tarife und Fitness-Rabatte in der PKV bewerte ich kritisch. Ich sehe dadurch das Solidarprinzip der Versichertengemeinschaft gefährdet. Das macht aber einen zentralen Kern der Privaten Krankenversicherung aus. Der gläserne Kunde ist nicht die Politik unseres Hauses. Die SDK mit ihrer genossenschaftlichen Orientierung und einem generationenübergreifenden Tarifwerk ist dem Solidaritätsprinzip gegenüber den Mitgliedern besonders stark verpflichtet. Beitragsabschläge dürfen und wollen wir nicht dem Zufallsprinzip überlassen.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bild: Ralf Kantak auf der Bilanzpressekonferenz der SDK. (Quelle: SDK)

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