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Gysi: “Selbstverständlich werde ich Kanzler – was sonst?”

17.07.2017 – gregor-gysiVWheute reaktiviert die legendären Sommerinterviews. Namhafte Persönlichkeiten aus Versicherungswelt, Aufsicht und Politik kommen zu Wort, plaudern über ihre Sommerpläne und stellen sich der einen oder anderen Fachfrage – gerne mit einem Augenzwinkern. Den Anfang macht Linken-Ikone Gregor Gysi. Lesen sie hier exklusiv, wie er das Kanzleramt erobern wird.

VWheute: Beginnen wir persönlich: Sie sind bereits im Rentenalter. Haben Sie privat vorgesorgt oder den gesetzlichen Absicherungen vertraut? Was würden Sie diesbezüglich heute einem jungen Menschen raten, der am Anfang seiner beruflichen Karriere steht?

Gregor Gysi: Abgesehen von der gesetzlichen Rente, werde ich beim Ausscheiden aus dem Bundestag auch eine Pension beziehen. Zusätzlich hatte ich allerdings noch eine Lebensversicherung abgeschlossen. Junge Menschen sollten zunächst dafür streiten, dass alle Menschen mit Erwerbseinkommen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen müssen. Dies soll ohne Beitragsbemessungsgrenze geschehen und der Rentenanstieg für Spitzenverdiener abgeflacht werden. Dann brauchten Altersarmut nicht zu fürchten, könnten wieder das frühere Rentenniveau herstellen und dafür sorgen, dass die Menschen eine gesetzliche Rente beziehen, mit der sie den Lebensstandard aufrecht erhalten können, den sie sich vorher erarbeitet haben. Da ich aber nicht weiß, ob ich mit meinem Anliegen Erfolg habe, rate ich jungen Menschen auch, zusätzlich privat vorzusorgen, wenn sie es sich denn leisten können. Zu viele sind in einer prekären Beschäftigung und gar nicht in der Lage, private Vorsorge zu betreiben.

Ist die Abschaffung der PKV gegen die Beamten- und Wirtschaftslobby realistisch?

Gregor Gysi: Wenn sich der Zeitgeist verändert, könnte man dafür sorgen, dass alle Bürgerinnen und Bürger gesetzlich krankenversichert sind. Wir brauchten auch höchsten drei gesetzliche Krankenversicherungen und nicht über zweihundert. Das schließt aber für Zusatzleistungen, zum Beispiel Einbettzimmer, private Versicherungen nicht aus. Es muss nur gesichert werden, dass die Vorbeugung vor Krankheiten, die medizinische Versorgung und Behandlung ausschließlich nach der Art der Erkrankung und nicht nach der Art der Versicherung erfolgen.

VWheute: Ich hatte von Ihnen kein aktuelles Statement zu den Cum/Ex-Geschäften gehört. Sie als Linker müssen bei solchen Geschäften doch aus der Haut fahren.

Gregor Gysi: Es ist nicht länger hinnehmbar, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland im Wesentlichen ehrlich ihre Steuern bezahlen, während immer wieder Lücken im Recht existieren, die von großen privaten Banken und großen Konzernen genutzt werden, um sich ihrer Steuerpflicht in Deutschland zu entziehen. Allerdings muss ich die Chefs der Konzerne und Banken verteidigen. Sie sind für Gesetzeslücken nicht zuständig, sondern der Bundestag. Letztlich muss endlich durchgesetzt werden, dass Steuern dort zu bezahlen sind, wo die Wertschöpfung stattfindet.

VWheute: Wenn es im September eine Koalition von SPD, Grünen und Linken geben würde, kommen sie dann als Superminister zurück? Und wird die Linke besser abschneiden als die AfD?

Gregor Gysi: Selbstverständlich werde ich in einer solchen Regierung nicht Superminister, sondern Kanzler. Was denn sonst? – Sie erwarteten keine ernsthafte Antwort von mir, oder? Manchmal ist der Wunsch der Vater eines Gedankens. Auf jeden Fall bin ich dafür, dass die Linke besser abschneidet als die AfD. Ich würde mich sogar freuen, wenn die AfD unter fünf Prozent bliebe.

VWheute: Was sind Ihre persönlichen und beruflichen Wünsche für den Rest des Jahres?

Gregor Gysi: Zurzeit über ich vier Berufe aus. Ich bin Politiker und vor allem als Präsident der Europäischen Linken in Anspruch genommen. Ich bin Rechtsanwalt und erledige tatsächlich das Eine oder Andere Mandat. Ich bin Moderator und habe in Berlin Gäste im Deutschen Theater, in der Distel und im Cöpenicker Stadttheater. Außerdem empfange ich noch Gäste in Bochum. Letztlich bin ich noch Autor und habe gerade die Arbeiten an meiner Autobiografie beendet. Ich wünsche mir, dass wir eine Europäische Union bekommen, die die demokratischer, sozial gerechter, solidarischer, transparenter, ökologisch nachhaltiger und nicht militärisch wird. Als Anwalt wünsche ich mir, alle meine Prozesse zu gewinnen. Als Moderator hoffe ich auf hochinteressante Gäste und Zufriedenheit des Publikums mit den Gesprächen und als Autor wünsche ich mir selbstverständlich, dass die Autobiografie gern und viel gelesen wird.

Persönlich und privat erhoffe ich mir endlich mehr Zeit und mehr Entspannung.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz

Bild: Gregor Gysi (Quelle: Die Linke)

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