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“Je besser gebildet, desto besser die Risikoeinschätzung”

15.02.2018 – Michael_Fauser_S und W_ErgoGestern stellte die Ergo ihren Risiko-Report in Berlin vor. VWheute hat mit Michael Fauser, Vorstand Ergo, über die Ziele eines solchen Berichtes, die Fehleinschätzung von Risiken und die daraus resultierenden Fragen gesprochen. Gibt es ein Informationsdefizit oder verwirrt eine große Datenflut zum Beispiel bei der Altersvorsorge mehr als sie nützt – nach dem Interview wissen Sie mehr.

VWheute: Was sind die Ziele ihres Reports, unabhängig von dem legitimen Anspruch, im Gespräch bleiben zu wollen.

Michael Fauser: Wir wollen dem Thema Risikokompetenz mehr Gewicht verleihen in der öffentlichen Wahrnehmung. Es wird viel über Risiken gesprochen, aber seltener davon, dass ein vernünftiger Umgang mit Risiken diese weniger bedrohlich machen kann. Dazu gehört, Risiken richtig einschätzen und bewerten zu können. Daher haben wir gemeinsam mit Professor Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums für Risikoforschung am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, den nun vorliegenden Report initiiert.

Der Report zeigt, die Deutschen schätzen Risiken häufig falsch ein. Zum Beispiel wird das gesundheitliche Risiko des Rauchens massiv unterschätzt. Das hat weitreichende, negative Folgen. Hier wollen wir aufklären und Denkanstöße geben. Als Versicherung arbeiten wir seit über 150 Jahren mit Risiken, da war es nur logisch, Erkenntnisse aus dieser Expertise weiterzugeben (siehe POLITIK & REGULIERUNG).

VWheute: Sie sagen, dass die Deutschen “Risiken häufig falsch einschätzen”, gerade bei der Altersvorsorge. Können Sie ein Beispiel nennen, wie die Versicherer dort helfen können, unabhängig vom Verkauf eines Altersvorsorgeprodukts?

Michael Fauser: Das fängt ja schon direkt beim ersten Gedanken über Altersvorsorge an. Viele Menschen schieben dieses Thema erst einmal und dann immer wieder nach hinten, erst ist man zu jung, dann verdient man noch nicht genug, dann hat man keine Zeit, um das beste Angebot für sich rauszusuchen. Wir kennen dies alle mit individuell verschiedenen Themen. Und die Vorsorge für die Rentenzeit ist sehr langfristig und lange eher abstrakt.

Beim Thema Altersvorsorge ist es aber zum Beispiel so, dass selbst wenn ich nur einen kleinen Beitrag spare, je länger mein Anlagehorizont ist, desto mehr kommt am Ende zusammen. Der erste Schritt etwa ist, realistisch einschätzen zu können, wie viel Geld man später braucht und wie viel man nach aktuellem Stand zur Verfügung haben wird. Versicherer können die Hürden reduzieren, sich mit dem Thema zu beschäftigen und die richtigen, zielführenden Fragen zu stellen.

VWheute: Wie kommt es, dass Menschen Risiken falsch einschätzen, zu viel oder zu wenig Information, oder falsche?

Michael Fauser: Der Report zeigt, dass mit zunehmendem Alter Risiken realistischer eingeschätzt werden. Das ist eine der guten Seiten am Altern, man wird also tatsächlich weiser. Mich hat an den Studienergebnissen fasziniert, dass es eine klare Verbindung von Wissen und realistischer Risikoeinschätzung gibt – je älter, also lebenserfahrener oder je besser gebildet die Befragten waren, desto realistischer haben sie die Risiken eingeschätzt. Also liegt eine falsche Einschätzung wohl eher an zu wenig Informationen.

VWheute: Sind die Versicherer nicht auch selbst daran schuld, dass die Verbraucher das Thema Altersvorsorge nicht verstehen, zum Beispiel indem sie unverständliche Produkte auflegen oder kryptische Mitteilungen verschicken?

Michael Fauser: Die Studie zeigt, dass erschreckend wenig Menschen vorsorgen. Wie gesagt, ich denke, es liegt vor allem daran, dass die Vorsorge für die Rentenzeit sehr langfristig und lange eher abstrakt ist. Ich kann nur für Ergo sprechen – das Thema Verständlichkeit unserer Produkte hat bei uns eine sehr hohe Priorität. Unsere Anforderungen an unsere Produkte direkt in der ersten Entwicklungsphase fordern dies klar ein.

Das haben wir gerade erst sehr bewusst in der Entwicklung unserer neuen Altersvorsorgeprodukte berücksichtigt. Und bei einem so langfristigen Produkt gibt es zu Recht die Forderung, regelmäßig und detailliert über den Stand der Anlage informiert zu werden. Auch wenn die Standmitteilungen naturgegeben natürlich eine gewisse Komplexität haben – Ergo hat bei der letzten mir bekannten Untersuchung der Standmitteilungen durch Verbraucherschützer gut abgeschnitten.

VWheute: Versicherer wollen Partner der Kunden werden und auch bereits bei der Gefahrenabwehr werden. Wie gelingt der Schritt vom Verkäufer zum Partner des Kunden?

Michael Fauser: Unsere Vermittler haben schon heute oft eher eine lebensbegleitende, beratende Rolle bei ihren Kunden. Dies geschieht vor allem im Dialog. Als Versicherer haben wir die Expertise in der Risikokompetenz. Diese wollen wir in die gesellschaftliche Debatte weitergeben, Denkanstöße setzen und Optionen aufzeigen, so etwa auch mit dem veröffentlichten Ergo Risiko-Report.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

Bild: Michael Fauser (Quelle: Ergo)

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