Versicherungswirtschaft-heute

            Mobilsite

 

“Es wird muslimische Strukturvertriebe geben”

19.01.2018 – zayat.jpgDie meisten westlichen Gegenseitigkeitsvereine entsprechend islamischen Vorstellungen. Dennoch gibt es in Deutschland keine Anbieter für schariakonforme Versicherungsprodukte, obwohl die Nachfrage hierzulande mit etwa fünf Millionen Muslimen groß ist. Ibrahim El-Zayat, deutscher Funktionär islamischer Organisationen in Europa, erklärt gegenüber VWheute, wo die Hindernisse bei der Gründung deutscher Takaful-Versicherer liegen.

VWheute: Wie viele Muslime würden in Deutschland Takaful- Policen kaufen?

Ibrahim El-Zayat: In Deutschland leben etwa fünf Millionen Muslime, in der EU wird von ca. 22 Millionen ausgegangen. Allgemein lässt sich sagen, dass ca. 25 bis 30 Prozent der Muslime sich entsprechend der regelmäßig erscheinenden Bertelsmann Studien zu diese Themenkomplex als “sehr praktizierend” bezeichnen. Wenn man diese Zahlen auf Haushalte herunterbrechen würde, hätte man bei einem Durchschnitt von ca. vier Personen pro Haushalt durchaus relevante Zahlen, die an Takaful-Produkten Interesse hätten.

VWheute: Wieso gibt es in der EU keine Takaful-Versicherer? Wo liegen die Hindernisse?

Ibrahim El-Zayat: Muslime sind in den meisten westeuropäischen Gesellschaften in einem kontinuierlichen Findungsprozess in  ihrem Verhältnis zu sich selbst, zur Gesellschaft und zum jeweiligen Staat. Viele Kontexte müssen erst neu erlernt werden, der Islam als kirchenlose und strukturresistente Gemeinschaft ist erst dabei, einen Platz in den modernen europäischen Staaten zu finden. Hindernisse sind vielfältig und Herausforderungen sowohl interner als auch externer Natur. Im Jahre 2016 hat nun die erste islamische Bank in Deutschland und im Euroraum ihre Bafin-Zulassung bekommen und ist bereits operativ tätig. So wird es meiner Meinung nach auch nicht mehr lange dauern, bis die ersten Takaful-Produkte auf den Markt kommen werden.

VWheute: Welche Rolle spielen die muslimischen Verbände bei der Gründung solcher Gesellschaften?

Ibrahim El-Zayat: Sie spielen eine wichtige Rolle. Vorerst müssen sie die gläubigen Muslime für die Verwendung solcher Produkte sensibilisieren und die religiöse Relevanz verdeutlichen. Im Vertrieb wird es sicher zu spezialisierten Strukturen kommen, gegebenenfalls sogar die Entwicklung eines muslimischen Strukturvertriebs.

VWheute: Wie steht es mit den Anforderungen an die Leitung von Takaful-Gesellschaften? Wie wird sich das Takaful- Board zusammensetzen?

Ibrahim El-Zayat: Im deutschsprachigen Raum gibt es nicht viele Experten, jedoch einige im englischsprachigen Raum. Höchstwahrscheinlich würde man Takaful-Boards mit Experten auch aus dem Ausland besetzen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur David Gorr.

Bild: Ibrahim El-Zayat, deutscher Funktionär islamischer Organisationen in Europa (Bildquelle: dpa)

Autor:
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten