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DVAG: “Nichts tun, bedeutet Altersarmut”

03.04.2017 – Ralf_Joachim Goetz_DVAGDer Primus taumelt und wankt nicht. Die DVAG hat 2016 nicht nur gute Zahlen aufgelegt, sondern ein Rekordjahr hingelegt. Über Erfolg, fehlende Absicherung, Zinsen und vieles weitere hat VWheute mit dem DVAG-Chefvolkswirt Ralf Joachim Götz gesprochen. Lesen sie, warum laut Götz Passivität zu Altersarmut führt und warum aktienorientierte Investmentfonds neben Lebensversicherungen existieren können.

VWheute: Herr Götz, die DVAG hat für das Jahr 2016 neue Rekordwerte gemeldet. Wie ist das angesichts des schwierigen Marktumfeldes zu erklären? Als Chefvolkswirt kennen Sie ja die momentanen Klippen für die Finanzdienstleister.

Ralf Joachim Götz: Digitalisierung, Regulierung und niedrige Zinsen sind Klippen im Marktumfeld, die es zu meistern gilt. Tatsächlich sind die Umsatzerlöse in 2016 um 4,1 Prozent auf über 1,3 Mrd. Euro und beispielsweise das Neugeschäft in der oftmals von anderen kritisierten Lebensversicherung um über 13 Prozent auf 14 Mrd. Euro Versicherungssumme gestiegen. Das Ergebnis ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Generationenwechsel in der Deutschen Vermögensberatung perfekt funktioniert hat.

Die DVAG mit Andreas Pohl als Vorstandschef bietet so eine ideale Startbasis für die Zukunft. Ihre Attraktivität als Betreuungsgesellschaft motivierte zudem über 1.500 neue hauptberufliche Vermögensberaterinnen und Vermögensberater, ihre künftige Karriere gemeinsam mit dem Marktführer der Allfinanzvertriebe zu planen. Und die „Neuen“ tragen eben auch zum weiteren Wachstum der Deutschen Vermögensberatung bei.

VWheute: Wir hören und lesen immer wieder, dass die Lebensversicherung als Anlageprodukt ausgedient hat und dass die Riester-Rente den Versicherten keine Vorteile bringe. Teilen Sie diese Ansicht?

Ralf Joachim Götz: Das sehe ich anders. Die Lebensversicherung in Form der privaten Rentenversicherung ist die einzige Art der privaten Altersvorsorge, die systematisch die weiter steigenden Chancen der Menschen auf ein längeres Leben durch eine lebenslange Rente finanziell absichern kann. Bei anderen Anlageformen kann es dagegen passieren, dass die Ersparnisse aufgebraucht sind, das Leben aber noch da ist. Und gerade die Riester-Rente kann durch ihre attraktive staatliche Förderung wie ein Renditeturbo für Anleger wirken, die auf Langlebigkeit setzen.

VWheute: Macht die private Altersvorsorge für den Normalverdiener überhaupt noch Sinn, wo jetzt zu den Niedrigzinsen auch noch eine ansteigende Inflation zu verzeichnen ist, die das Kapital auffrisst?

Ralf Joachim Götz: Was wäre die Alternative? Nichts zu tun und dann auf den Eintritt der Altersarmut zu warten, weil man nicht privat vorgesorgt hat? Selbst die jedes Jahr verschickte Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung empfiehlt den Menschen, zusätzlich privat vorzusorgen. Mir geht es aber nicht nur um das „zusätzlich“, sondern auch um das „bewusster“. Gerade weil die Zinsen niedrig sind und die Inflation steigt, sollte man auf intelligente Lösungen setzen, die realen Mehrwert schaffen. Das können zum Beispiel gute fondsgebundene Lebensversicherungen wie auch staatlich geförderte Anlagekonzepte leisten.

VWheute: Glauben Sie, dass aufgrund der Zinsentwicklung in den USA auch hierzulande die Zinsen in absehbarer Zeit wieder stärker steigen werden?

Ralf Joachim Götz: Sie sind es ja bereits, wenn auch nur leicht. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich Europa nie allzu lange von der Zinsentwicklung in den USA hat abkoppeln können. Nun steht die Europäische Zentralbank mit ihrer Zinspolitik und ihrem gigantischen Anleihekaufprogramm noch fest auf der Bremse, die einen beschleunigten Zinsanstieg in naher Zukunft eher unwahrscheinlich macht. Auf mittlere Sicht kann jedoch auch hierzulande mit wieder höheren Zinsen gerechnet werden.

VWheute: Welche Kapitalanlagen sind Ihrer Meinung nach ein solider Ausweg aus dem Zinsdilemma? Oder sollten Kapitalanleger jetzt vielleicht in riskantere Produkte investieren, um höhere Renditen zu erzielen?

Ralf Joachim Götz: Leider sind die Zeiten risikoloser Zinsen vorbei. Bei einigen Banken oder Sparkassen müssen Kunden sogar Strafzinsen dafür bezahlen, wenn sie Geld auf Konten anlegen, was absurd ist. Anleger sollten sich mit den möglichen Risiken und Chancen von Kapitalanlagen stärker auseinandersetzen. Dann sehen sie beispielsweise, dass bei einem langfristigen Anlagehorizont gute aktienorientierte Investmentfonds weitaus besser abschneiden als Sparbuch und Co.

VWheute: Wir leben in unsicheren Zeiten. Wie sollten sich die Menschen dagegen in ihrem Alltag am besten absichern?

Ralf Joachim Götz: Gerade weil die Welt immer komplexer geworden ist, sollte man seine individuelle Absicherungsstrategie gemeinsam mit einem Profi planen und sich persönlich beraten lassen. Die demografische Entwicklung wie auch die Veränderungen in der Arbeitswelt, an den Kapitalmärkten und bei den staatlichen Sozialsystemen werden mehr private Vorsorge erforderlich machen. So ist zum Beispiel der Bedarf an maßgeschneiderten Berufsunfähigkeits-, fondsgebundenen Renten-, privaten Krankenzusatz- und Pflegeversicherungen noch riesig.

VWheute: Durch den Brexit wird der Finanzplatz Frankfurt voraussichtlich an Bedeutung zunehmen. Welche Auswirkungen sehen Sie da auf die Finanzbranche und speziell auch Ihr Unternehmen?

Götz: Für Europa wäre es besser, es käme zu keinem Brexit. Unklar ist derzeit, zu welchen Ergebnissen und Folgen die anstehenden Verhandlungen über den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union noch führen werden. Frankfurt als zentraler Finanzplatz der größten europäischen Volkswirtschaft könnte von einer Verlagerung von Handelsaktivitäten von der Themse an den Main deutlich profitieren, steht allerdings im internationalen Wettbewerb.

Und das bedeutet, beispielsweise im Bereich der Regulierung, der Besteuerung, der Infrastruktur, der unterstützenden Dienstleistungen, der Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal, aber auch beim internationalen Bildungs- und Kulturangebot attraktiv sein zu müssen. Die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) als größter eigenständiger Finanzvertrieb Deutschlands hat gerade durch den Bezug einer neuen und deutlich vergrößerten Unternehmenszentrale ihr Bekenntnis zur Stärke und Leistungsfähigkeit des Finanzplatzes Frankfurt eindrucksvoll untermauert.

Ralf-Joachim Götz, 57, ist Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG). Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Goethe Universität in Frankfurt und promovierte als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Frankfurter Institut für Kapitalmarktforschung. Seine beruflichen Wege führten ihn u. a. an den Finanzplatz London. In den 1990er Jahren war er an verschiedenen Stellen im Dresdner Bank Konzern tätig. Seit 2000 ist Götz bei der DVAG.

Das Interview führte Mathias von Bredow.

Bild: Ralf Joachim Götz (Quelle: DVAG)

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