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“Cyber-Policen gibt es nur bei beherrschbaren Risiken”

31.05.2017 – Dr-Markus-Hofmann_ErgoExperten schätzen das weltweite Prämienvolumen von Cyber-Versicherungen auf rund 3,5 Mrd. Dollar. Allerdings könne es entsprechende Policen langfristig “nur geben, wenn Risiken beherrschbar werden”, sagt Ergo-Vorstand Markus Hofmann im Exklusiv-Interview mit VWheute. Die Konsequenz: Die Versicherten müssten zunächst “selbst in die Sicherheit” seiner Systeme investieren und könnten nur ihre Residualrisiken versichern.

VWheute: Cyberangriffe werden vor dem Hintergrund von “Wannacry” zu einem immer größeren Risiko. Inwieweit können die Versicherer auf solche Ereignisse reagieren und wie lassen sich diese überhaupt realistisch versichern?

Markus Hofmann: Der “Wannacry”-Angriff betraf IT-Systeme, deren Software nicht auf dem neuesten Stand war. Dies unterstreicht die Bedeutung von Prävention durch Versicherungsnehmer. Langfristig kann es Cyber-Versicherungen nur geben, wenn Risiken beherrschbar werden. Das bedeutet, dass Versicherungsnehmer zunächst selbst in die Sicherheit ihrer Systeme investieren müssen und nur ihre Residualrisiken versichern. Dann können Versicherer durch Anwendung des versicherungstechnischen Prinzips – d.h. Organisation des Risikoausgleichs im Kollektiv und über die Zeit – die verbleibenden Risikoteile beherrschen.

VWheute: Sie sprachen in Ihrem gestrigen Vortrag auf der Insurance Today and Tomorrow 2017 auch darüber, wie digitales Wirtschaften die Risikolandschaft von Industrie und Gewerbe verändern. Wie würden Sie eine solch digitale Risikolandschaft skizzieren?

Markus Hofmann: Die künftige digitale Risikolandschaft wird davon gekennzeichnet sein, dass Maschinen sehr schnell und hoch effizient miteinander kommunizieren und agieren. Menschen werden künftig nur noch die jeweiligen Ziele vorgeben und Ergebnisse kontrollieren. Die Prozesskette dazwischen muss automatisiert laufen. Versicherer haben dann u.a. die Aufgabe, die Auswirkung von Brüchen in dieser Kette abzusichern.

VWheute: Sie vertreten zudem die These, dass Versicherer schneller und flexibler auf die Absicherungsbedürfnisse der Gesellschaft reagieren müssen. Was bedeutet dies konkret und wie reagiert Ergo auf diese Herausforderung?

Markus Hofmann: Aufgrund der Digitalisierung schreiten technische Veränderungen so schnell voran, dass die Menschen kaum hinterher kommen ihre persönliche Risikosituation anzupassen. Ein Beispiel: Eine Verschlüsselungssoftware wie “Wannacry” ist eine neue Gefahr für unser immer stärker auf die Verfügbarkeit von Daten aufbauendes Leben. Würden wir uns schnell genug auf diese Bedrohung einstellen, also uns beispielsweise angewöhnen Sicherungsupdates von Programmen immer durchzuführen, dann wäre “Wannacry” kein so großes Thema geworden. Ergo bietet Versicherungsschutz gegen die Gefahren von Ransomware und macht so Kunden die neue Risikolage beherrschbar. Dabei ist es allerdings wichtig, dass Kunden Risikoprävention betreiben.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Markus Hofmann (Quelle: Ergo)

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