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Bürgerversicherung liefert keine Antworten auf dringliche Fragen

02.02.2018 – andreas_kolb_vkbVon VKB-Vorstand Andreas Kolb. Das Gesundheitssystem in Deutschland ist eines der besten der Welt. Im internationalen Vergleich bietet es umfangreiche Leistungen, kurze Wartezeiten und folglich eine entsprechend hohe Zufriedenheit aller Versicherten. Diese Vorteile verdanken wir nicht zuletzt dem dualen System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung (GKV/PKV).

Warum also eines der besten Gesundheitssysteme weltweit, ohne Not, durch eine so genannte Bürger- oder Einheitsversicherung in Frage stellen? Es ist völlig unbestritten, dass unser Gesundheitssystem weiterentwickelt werden muss und es dringend Antworten auf mehrere Fragen bzw. Lösungen für verschiedene Gegebenheiten braucht.

Die Antworten auf diese durchaus drängenden Fragen gibt jedoch in keinem Fall eine Bürger- oder Einheitsversicherung. Damit wäre kein einziges Problem gelöst. Viel wichtiger wäre es hingegen, gemeinsam Antworten für die wirklich drängenden Fragen zu entwickeln und damit die Weichen für morgen zu stellen.

Wie eine flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung sicherstellen?

Kernaufgabe eines Gesundheitssystems ist es, für alle Bürgerinnen und Bürger eine hochwertige medizinische Versorgung dauerhaft und flächendeckend sicher zu stellen. Leider ist dies in manch ländlichen Regionen Deutschlands schon heute schwierig. Eine gute hausärztliche Versorgung ist ebenso wenig gegeben wie eine ausreichende Versorgung mit Pflegekräften. Daneben gibt es starke Qualitätsunterschiede zwischen regionalen und zentralen Versorgungseinrichtungen.

Diese strukturellen Unterschiede werden aber nicht dadurch gelöst, dass die zehn Prozent Privatversicherten in ein Einheitssystem mit den 90 Prozent gesetzlich Versicherten gezwängt werden, und in dem die genannten strukturellen Probleme künftig noch größer werden dürften.

Fakt ist hingegen, dass gerade die PKV einen wichtigen Beitrag zu einer effektiven Lösung leistet: Mehreinnahmen durch die Behandlung von Privatversicherten sind Voraussetzung dafür, dass Arztpraxen ökonomisch rentabel geführt werden können und der medizinische Fortschritt in Behandlungszentren allen Bürgern zu Gute kommt.

Was können digitale Lösungen für das Gesundheitswesen beitragen?

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist mehr als Gesundheitskarte und eHealth. Medizinischer Fortschritt entwickelt sich vernetzt weltweit. Die Möglichkeiten zu individuelleren Diagnostiken, Therapien und Medikamenten steigen rasant. Was in der Wissenschaft bereits alltäglich ist, fehlt in der täglichen medizinischen Praxis: Bisher sind Arzt, Krankenhaus, Apotheke und Patient so gut wie nicht vernetzt.

Hier steckt ein enormes Potenzial für Versorgungsqualität, flächendeckende Verfügbarkeit und Effizienz – unabhängig vom Versichertenstatus (GKV oder PKV). In diesen Feldern ist die PKV momentan digitaler Vorreiter: Sie verfügt über Daten und Erkenntnisse über den Gesundheitsmarkt und bietet ihren Kunden zahlreiche innovative Angebote – von der digitalen Gesundheitsakte bis hin zur Videosprechstunde. Beim Thema E-Health, einem wichtigen Zukunftsthema, ziehen PKV und GKV an einem Strang, treiben viele digitale Angebote voran und verbessern so die medizinische Versorgung für alle.

Warum muss Prävention neu gedacht werden?

Vor dem Hintergrund begrenzter finanzieller Mittel, steigendem Behandlungsbedarf und einer alternden Bevölkerung wird schließlich ein effizienter Mitteleinsatz immer wichtiger. Wirkungsvolle Prävention bedeutet auch das Wissen der Menschen in puncto Gesundheit zu erhöhen, die eigene Mitwirkung und schließlich den Willen zu einem gesundheitsbewussten Leben zu fördern. Neben einer generellen Förderung von Bewegung, gesunder Ernährung und ausreichendem Schlaf muss Prävention noch stärker auf den individuellen Gesundheitsstatus und Veränderungsbedarf ausgerichtet werden. Hierzu müssen Daten der Versicherten über die heutige Krankenakte hinaus vorliegen und analysiert werden können, um gezielte und wirksame Maßnahmen anzuwenden.

Wie kann das Gesundheitssystem zukunftssicher gemacht werden?

Die demografische Entwicklung macht deutlich, dass ein rein umlagefinanziertes System eine wachsende Schieflage von Beitragszahlern und Leistungsausgaben erzeugt. In einer nachhaltigen und generationengerechten Finanzierung sorgt hingegen jede Generation für sich selbst vor, indem die höheren Ausgaben von morgen bereits heute durch Rücklagen vorfinanziert werden. Anstatt also die PKV zu schwächen wäre zur Stabilisierung des gesamten Gesundheitssystems künftig mehr Kapitaldeckung erforderlich, nicht weniger.

Ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Gesundheitssystem ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Politik, Versicherer und die vielfältigen Unternehmen der Gesundheitsbranche gleichermaßen angeht. Es kommt nun darauf an, dass GKV und PKV eines der weltweit besten Gesundheitssysteme weiter entwickeln, dessen Stärken forcieren und potenziellen Fehlentwicklungen entgegen wirken. Die nächste Bundesregierung sollte den genannten Handlungsfeldern Priorität einräumen. Wir Versicherer stehen dafür als aktive Mitgestalter gerne zur Verfügung.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Bild: Andreas Kolb ist Vorstand der Krankenversicherer der Versicherungskammer Bayern. (Quelle: VKB)

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