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Brexit führt zu “grundsätzlicher Unsicherheit im Markt”

04.12.2017 – gregor_von_deuten_collercapitalDer Brexit macht sich auch bei den Anlegern zunehmend bemerkbar. “Dieser führt zum einen zu einer grundsätzlichen Unsicherheit im Markt, zum anderen wird er jetzt auch schon konkret in einer Verringerung der Wachstumsaussichten sichtbar”, betont Gregor von Deuten von Coller Capital gegenüber VWheute. Auch das Reich der Mitte wird für Anleger zunehmend interessanter.

VWheute: Sie sprechen in Ihrem neuesten Barometer von mehreren Dynamiken im europäischen Sektor. Skizzieren Sie diese doch bitte und welche Rolle spielt dabei der Brexit?

Gregor von Deuten: Im europäischen Buy-Out-Markt sehen wir, dass sich die Erwartungen der Limited Partner im Hinblick auf eine zukünftige positive Entwicklung nach Kontinentaleuropa hin verschieben. Frankreich führt hier die Tabelle an. So erwarten 43 Prozent der von uns befragten Limited Partner eine zukünftig positivere Entwicklung des französischen Buy-Out-Marktes, vor Deutschland mit 34 Prozent.

Im Gegensatz hierzu stehen die Erwartungen für den Markt in Großbritannien, für den 44 Prozent der von uns befragten Limited Partner eine zukünftig negative Entwicklung erwarten. Der Einfluss des Brexit ist hier natürlich nicht von der Hand zu weisen. Dieser führt zum einen zu einer grundsätzlichen Unsicherheit im Markt, zum anderen wird er jetzt auch schon konkret in einer Verringerung der Wachstumsaussichten sichtbar, wie zum Beispiel der des Office for Budget Responsibility (OBR).

VWheute: China wird für Anleger immer interessanter. Worin sehen Sie derzeit die Gründe?

Gregor von Deuten: Das Barometer berichtet, dass mehr als die Hälfte der LPs in rein chinesischen Private-Equity-Fonds investiert sind und die Mehrheit der Investoren plant, ihre Verpflichtungen zu erhöhen. China bietet den westlichen Märkten ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum, und die Anleger scheinen bereit zu sein, die mit der Investition in das Land verbundenen Risiken zu übersehen.

VWheute: Marihuana als Anlagemöglichkeit für Private Equity ist weiterhin heftig umstritten. Gleichzeitig gilt Cannabis als Wachstumsmarkt schlechthin bei der Behandlung von Schmerzpatienten. Warum tun sich Anleger hier dennoch sehr schwer?

Gregor von Deuten: Unser Barometer zeigt, wie schon in Ihrer Frage angedeutet, dass Investments in Marihuana weiterhin umstritten sind, wobei wir hier eine Unterscheidung zwischen medizinischen Anwendungen und dem reinen Konsumgenuss sehen. So wären nur 21 Prozet der von uns befragten Limited Partner mit Investments ihrer Private-Equity-Fonds in den Konsummarkt einverstanden, dagegen steigt die Zahl bei Investments in medizinische Anwendungen auf 57 Prozent. Marihuana ist in vielen Teilen der Welt nach wie vor eine illegale Droge und dies ist ein Grund, warum es LPs immer noch unangenehm sein könnte, wenn sie in den Freizeitmarkt investieren.

VWheute: Stichwort: Frauen im Private-Equity-Sektor. Eine breite Mehrheit der Befragten spricht sich gegen eine entsprechende Quote aus. Wie sollte stattdessen eine bessere Förderung von Frauen erfolgen?

Gregor von Deuten: Unsere Umfrage zeigt, dass Limited Partner grundsätzlich kritisch gegenüber Quotenregelungen zur Erhöhung des Frauenanteils in der Private-Equity-Industrie eingestellt sind und eher selbst gesetzte Ziele und eine aktive Kommunikation über das Thema als Lösung ansehen. Auch sehen wir, dass Limited Partner das Thema Diversität aktiv in ihren Due-Diligence- und Investment-Monitoring-Prozessen berücksichtigen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Gregor von Deuten, Investment Principal bei Coller Capital. (Quelle: Coller Capital)

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