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“Bewegung ist für ein Kunstwerk immer gefährlich”

21.02.2017 – Bild der Galerie artmarkDie art-Karlsruhe war ein Erfolg: 50.000 Besucher in fünf Tagen besuchten die Karlsruher Messehallen und waren von den Exponaten begeistert. VWheute war ebenfalls vor Ort und hat den Termin genutzt, um mit Helene Hiblot-Karg und Astrid Grittern von der Artima, der Kunstversicherung der Mannheimer, über Kunst und Versicherung zu sprechen. Ein Ergebnis: Kunstwerke scheinen trotz niedriger Zinsen derzeit keine alternative Anlage zu sein. Eher nehme “das Volumen der bestehenden Sammlungen und damit die Versicherungssumme zu”.

VWheute: Ich habe heute auf der Messe mit vielen Künstlern gesprochen. Einige sind nicht versichert. Was sagen Sie als Kunstversicherer dazu?

Astrid Grittern: Es kommt vor, dass die Künstler selbst das Risiko tragen. Oftmals stellt ein Künstler einer Galerie ein Werk zur Verfügung, die es dann versichert, das ist oft gängige Praxis.

VWheute: Wer legt den Wert eines Kunstwerks fest, denn der ist ja sehr individuell?

Astrid Grittern: Bei der Galerie legt der Kunde in der Regel die Summe fest, denn er kennt die Bedingungen am besten, unter denen er das Kunstwerk erworben hat. Im Schadenfall trägt er auch die Beweispflicht. Es wird eine Liste mit den beschädigten Kunstwerken angefertigt und dann gemeinsam geschaut, ob der Wert stimmig ist. Bei privaten Versicherungen legen wir mit dem Kunden gemeinsam den Wert fest.

Helene Hiblot-Karg: Wir bei der Artima sind alles Kunsthistoriker und besitzen die nötige Expertise für die Festlegung – auch wenn ein Bild stark an Wert gewinnt oder verliert, treten wird mit dem Kunden in Kontakt und passen die Versicherung den neuen Gegebenheiten an.

VWheute: Auf der art Karlsruhe nutzen die einzelnen Galerien/Künstler kleinere Bereiche, in denen sie ihre Kunstwerke vorstellen. Werden die Objekte einzeln versichert oder im Gesamten?

Astrid Grittern: In der Regel wird ein ganzer Stand versichert. Die Galeristen wenden sich an ihre Hausversicherer und geben an, dass sie eine Messe besuchen. Dann wird eine Liste eingereicht und die Werke werden dann im Rahmen ihrer Versicherung versichert. Übersteigt der Wert der Liste den versicherten Transport, wird nachjustiert.

VWheute: Ist auch der Transport versichert und prüfen Sie, ob die Ladung fachgerecht gesichert ist?

Astrid Grittern: Ja, der Transport ist versichert, das fachgerechte beladen, verstauen und bewegen der Kunstwerke wird vorausgesetzt uns ist in den Bedingungen geregelt.

VWheute: Sind Künstler oder Galeristen schwierige Kunden?

Astrid Grittern: Für uns als Kunsthistoriker nicht. Das ist eine spannende Klientel.

Helene Hiblot-Karg: Nein, der Umgang ist kein Problem und von gegenseitigem Vertrauen geprägt.

VWheute: Hier auf der art Karlsruhe ist alles professionell ausgerichtet. Wenn sich ein Künstler auf einer weniger professionellen Ausstellung präsentieren möchte, prüft die Artima dann den Ausstellungsort?

Astrid Grittern: Ja, wir bieten sowohl eine Sicherungs- als auch eine konservatorische Beratung – gerade junge Künstler sind manchmal zu Beginn der Karriere etwas unbedarft. Wir beraten die Kunden auch, wenn sie Werke ins Ausland oder in ein Museum geben wollen. Da kennt man jeden Zwischenschritt.

Helene Hiblot-Karg: Der gesamte Prozess ist sehr individuell, das wird in der Regel für jedes Kunstwerk individuell im Leihvertrag geregelt. Meist sind es “Nagel zu Nagel Versicherungen”, also von der Abnahme des Objekts in der Galerie bis zur Anbringung am neuen Standort und gegebenenfalls wieder zurück.

VWheute: Was sind die häufigsten Schäden – und spielt Diebstahl eine große Rolle?

Astrid Grittern: Ganz klar Transportschäden. Bewegung ist für ein Kunstwerk immer gefährlich.

Helene Hiblot-Karg: Ja, Diebstähle sind ein großes Risiko. Es kommt auch auf die Größe an, kleinformatige Kunstwerke verschwinden manchmal ganz schnell. Denken sie etwa an Skulpturen.

VWheute: Sind also kleine Gegenstände wegen des größeren Diebstahlrisikos in der Versicherung teurer.

Helene Hiblot-Karg: Nein, das kann so generell nicht gesagt werden. Kleinere Gegenstände können auch speziell gesichert werden – zum Beispiel durch Vitrinen. Das wird individuell entschieden – auch hier arbeiten wir eng mit den Kunden zusammen.

VWheute: Kunst wird bei niedrigen Zinsen immer häufiger zur Geldanlage genutzt. Nimmt die Anzahl der Kunstversicherungen zu?

Helene Hiblot-Karg: Es nimmt eher das Volumen der bestehenden Sammlungen und damit die Versicherungssumme zu. Es kann nicht gesagt werden, dass die Zahl der Sammlungen in den letzten Jahren besonders stark stieg.

Astrid Grittern: Viele der prominenten Kunstkäufe, über die in den Medien gelesen werden kann, erfolgen durch Sammler. Die bestehende Versicherung wird dann aufgestockt.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

Bild von Florentina Pakosta / Artmark Galerie Wien

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